Vom berechtigten Furor der Verleger

Was folgt aus dem Urteil des BGH, dass die Verlage künftig nicht mehr an den Ausschüttungen der Verwertungsgesellschaften beteiligt werden? In der Tageszeitung Die Welt erklärt Hanser-Verleger Jo Lendle die Hintergründe zu dem Thema, das zurzeit die Buchverlage umtreibt.

Jahrelang habe das System VG Wort zur Zufriedenheit aller funktioniert – der Verlage wie der Autoren. Das Problem an der jahrzehntelang geübten Praxis sei jedoch, dass sie anders als in anderen Branchen – wie in Film- und Musikindustrie – nie gesetzlich fixiert worden sei.

Laut Lendle gibt es nach der Entscheidung keine Sieger, und alle – auch die Autoren – wüssten dies. Das grundsätzliche Problem sieht er darin, dass die VG Wort ohne eine Beteiligung der Verlage nun in den Verhandlungen mit der Geräteindustrie nun in einer schwächeren Position sei. Das schade letztlich auch den Autoren, argumentiert Lendle, denn Ziel der Gerätehersteller sei naheligenderweise nicht, die Erlöse der Autoren zu erhöhen, sondern die eigenen Zahlungen zu reduzieren.

Die Reaktionen der Verlage dürfe man nicht als Folklore abtun: Verleger seien zwar dafür bekannt, mit Inbrunst und Wonne zu klagen, doch diesmal sei der Furor schon wegen der strittigen Summen plausibel, meint Lendle mit Blick auf die voraussichtlichen Rückzahlungen in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro, die auf deutsche Verlage zukommen. 

Wie der Börsenverein setzt auch Lendle seine Hoffnung auf eine Lösung des Problems in die Politik, schließlich hätten sich Kulturstaatsministerin Monika Grütters und Justizminister Heiko Maas für die bisherige Praxis ausgesprochen. Doch bei einer Umsetzung auf nationaler Ebene wie auch europäischer Ebene ist Lendle skeptisch. Seit Fazit: So aber kommen schwierige Zeiten auf die Verlage zu. Für die notorisch knapp kalkulierende Branche hätte das zur Folge, auf kurzfristigere Erfolge setzen zu müssen. Die Bücher werden darunter leiden. 

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