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Coworking Spaces: Räume der Inspiration und Veränderung

Tobias Schwarz, Coworking Manager des Berliner Startup-Treffpunkts St. Oberholz, ist überzeugt, dass Coworking die Zukunft der Arbeit ist. Im Interview beschreibt der Direttissima-Referent, wie sich der Arbeitsalltag dadurch verändert, welche Rolle Bibliotheken dabei spielen – und was Schwarz mit der St. Oberholz Verlagsanstalt plant. (Foto: Carolin Saage)

Coworking bezeichnet eine Form der Arbeit, bei der insbesondere Freiberufler und kleinere Startups in größeren, offenen Räumen arbeiten und sich für gemeinsam Projekte vernetzen.
Sie sehen Coworking Spaces grundsätzlich als Zukunft der Arbeit. Inwiefern?
Coworking Spaces werden in Zukunft eine wesentliche Rolle als Ort der Arbeit spielen. Zum einen liegt das daran, dass immer Menschen als Freelancer arbeiten. Beispielsweise erwirtschaften Freelancer in den USA  schon jetzt rund 715 Milliarden US-Dollar pro Jahr. In vier Jahren werden bereits 40% aller Arbeitskräfte in den USA als Freelancer angestellt sein. Eine ähnliche Entwicklung wird es in Europa geben.

Und zum anderen erkennt man in Wirtschaftskrisen, wie beispielsweise in der seit Jahren anhaltenden Stagnation der Wirtschaft in Frankreich, dass wenn es keine neuen Arbeitsplätze gibt und Menschen in die Selbstständigkeit getrieben werden, sie nach einem Ort der Arbeit suchen. Für all diese Menschen sind Coworking Spaces schon jetzt wichtiger und da ihre Anzahl zunimmt, werden es auch die Coworking Spaces.

Ich glaube aber auch, dass Coworking Spaces vor allem hierzulande eine wichtige Rolle bei der Erschließung des ländlichen Raums als Wirtschaftsstandort spielen werden. Wenn kommunaler Leerstand bei Immobilien aktiv in Coworking Spaces umgewandelt wird, könnten schon jetzt einige Menschen, viele von denen wissen es noch gar nicht, von ihrem Wohnort aus arbeiten und müssten nicht pendeln oder unter Umständen in die Stadt ziehen.


Die neue Konferenz Direttissima (22. April 2016 in München) bringt Medien-Branchen zusammen und stellt das Rüstzeug für den beruflichen Alltag zur Verfügung. buchreport und pubiz sind Medienpartner der Veranstaltung 
(hier die Webseite der Konferenz). Twitter-Hashtag der Konferenz ist #dico16


Warum wird die Bibliothek zu einem der wichtigsten Orte in einer sich digitalisierenden Gesellschaft?
Bibliotheken haben mit Coworking Spaces schon jetzt gemeinsam, dass es Orte des Wissens sind, an dem sich Menschen treffen und austauschen können. Für Bibliotheken stellt Coworking eine Möglichkeit dar, sich neu zu erfinden und mit neuem Sinn auch wieder attraktiver für die Menschen zu werden, die zeitgemäßere Wege zum Austausch und Konsum von Informationen nutzen als es Bücher noch darstellen.

In einer mit Coworking aktualisierten Bibliothek wird Wissen zu etwas, was einen Prozess auslöst und so zu neuen Erkenntnissen führt. Wissen ist dann nicht mehr statisch, gedruckt zwischen zwei Buchdeckeln, sondern entsteht und entwickelt sich in der Interaktion und Kommunikation der Menschen, die die Community einer Bibliothek ausmachen. Dies entspricht auch mehr dem einstigen Gründungsideal von Bibliotheken.

Bibliotheken werden so wieder zu einem offenen Raum, der soziale Chancengerechtigkeit ermöglicht, da hier alle Menschen den gleichen Arbeitsplatz und die gleichen Möglichkeiten haben. Dies finde ich vor der besorgniserregenden Entwicklung der zunehmenden Kommerzialisierung und Privatisierung des öffentlichen Lebens, sowohl digital als auch analog, unglaublich wertvoll.
Sie arbeiten am Aufbau der St. Oberholz Verlagsanstalt. Was wollen Sie anders machen als traditionelle Verlage?
Da ich noch nie in einem traditionellen Verlag gearbeitet habe, kann ich gar nicht genau sagen, was ich anders machen möchte. Ansgar Oberholz gibt mir zum Glück auch keine Richtlinien vor. Was die  St. Oberholz Verlagsanstalt also früher mal gemacht hat, spielt keine Rolle und kann mich nicht einschränken. Genauso wenig die Verlagsbranche an sich, zu der ich auch erst auf der Direttissima 2016 zum ersten Mal Kontakt aufnehme.

Ich habe die letzten drei Jahre das Onlinemagazin Netzpiloten.de geleitet, ein Urgestein der deutschsprachigen Blogosphäre. Dort hat mich zuletzt das Thema Podcast interessiert, weshalb die ersten Projekte der St. Oberholz Verlagsanstalt auch Podcasts sind. In Zukunft ist aber die spannendste Herausforderung auch Blogs zu verlegen. Dies hat hierzulande noch niemand richtig geschafft. Warum sollte es uns also nicht endlich gelingen?

Das komplette Interview ist auf pubiz.de zu lesen…

Tobias Schwarz ist Coworking Manager des St. Oberholz und als Editor-at-Large für Netzpiloten.de tätig. Von 2013 bis 2016 leitete er Netzpiloten.de und unternahm verschiedene Blogger-Reisen. Zusammen mit Ansgar Oberholz hat er den Think Tank „Institut für Neue Arbeit“ gegründet und berät Unternehmen zu Fragen der Transformation von Arbeit.

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