Es fehlt an passenden Vorbildern

Frauen sind in den Chefetagen der Buchverlage weiterhin unterrepräsentiert. Das zeigt eine Auswertung des buchreport-Rankings „Die 100 größten Verlage“. Die Journalistin und Autorin Stephanie Hanel (Foto: privat), die seit 2015 dem Branchen-Netzwerk BücherFrauen vorsteht, spricht im Interview über die Frauenfreundlichkeit der Branche und die Aufgaben von Arbeitgebern, aber erklärt auch, wieso sich Frauen manchmal selbst im Weg stehen.

Frau Hanel, wie frauenfreundlich ist die Buchbranche?
Bei einem Frauenanteil von rund 80% könnte man denken, dass die Buchbranche Frauen freundlich gesinnt ist. Leider ist es aber so, dass in Branchen mit deutlichem Frauenüberhang die Gehälter geringer sind. Dort ist nicht das große Geld zu machen. Außerdem ist es ein großes Problem, dass, wie in anderen Bereichen der Medienbranche auch, die Mehrheit der beschäftigten Frauen kinderlos ist. In einer frauenfreundlichen Branche müssen sich Beruf und Familie vereinbaren lassen. In dem Punkt hat die Buchbranche Nachholbedarf.

Wieso sind in der Buchbranche trotz des hohen Frauenanteils relativ wenige Frauen in leitenden Positionen?
Es fehlt in der Buchbranche noch an passenden Vorbildern. Eine sehr sichtbare Möglichkeit für Frauen in Führungsposition zu gelangen, ist es, zugespitzt gesagt, Witwe oder Tochter des Verlegers zu sein. Das ist keine berufsbezogene Perspektive für eine junge Frau, die ohne Beziehungen in die Branche einsteigt. Hinzu kommt: Frauen, die Führungsverantwortung haben, sind noch nicht daran gewöhnt, Nachfolgerinnen aufzubauen. Nur weil es vereinzelt Frauen gibt, die es ganz nach oben in die Führungsriege geschafft haben, werden sie nicht automatisch andere nachholen. Hinzu kommt auch, dass die heute gut ausgebildeten Frauen andere Vorstellungen davon haben, was eine Karriere ist, für die sie bereit sind, die entsprechenden Opfer zu bringen.

Die da wären?
Das was immer gepredigt wird: Dass der Job über allem steht. Für junge Frauen, die an Familienplanung denken, ist das abschreckend – für viele junge Männer übrigens auch.

Wir BücherFrauen wollen genauer eruieren, was für Frauen eine erstrebenswerte Karriere ist. Wir halten nichts davon, zu sagen, schaut euch die Männer an und macht es genauso wie sie. Diese Zeiten sind vorbei.

Wie zielstrebig sind Frauen in Karrierefragen?
Es ist ein Stück weit ein Klischee, aber Frauen können sich schwerer von der inhaltlichen Arbeit trennen und stellen weniger strategische Überlegungen für sich und ihre Karriere an als Männer. Dieses Denken lässt sich aber aneignen.

Ist das auch eine Frage der Unternehmenskultur?
Es ist ein Problem, dass Arbeitgeber mit ihren weiblichen Nachwuchskräften nicht von Anfang an konsequent über Karriereplanung sprechen. Das halte ich für den entscheidenden Punkt. Auch Männer fallen ja nicht als Verleger vom Himmel. Nur weil eine Branche zu 80% aus Frauen besteht, heißt das nicht, dass sie auch automatisch den großen Pool an Führungskräften stellen. Hier ist vom Arbeitgeber daher genauso Aufbauarbeit und auch eine gewisse Erwartungshaltung gefordert.

Haben Sie einen Rat für junge Kolleginnen?
Netzwerke und Mentoring-Programme sind wichtig. Es ist eine naive Vorstellung, dass man es alleine schaffen kann. Es mag Einzelpersonen gelingen, weil sie den richtigen Biss haben und zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle stehen, aber ansonsten ist es eine mühsame, aber lohnende Aufbauarbeit.

Reicht die Netzwerk-Arbeit der Bücherfrauen auch bis in die Chefetagen?
Unser Mentoring-Programm schafft eine Verbindung zu Führungskräften, weil erfahrene Kolleginnen mit Branchenanfängerinnen zusammengebracht werden. Oftmals gibt es von erfahrenen Branchenfrauen Bedenken, dass es sich dabei um einen zu einseitigen Austausch handelt. Die Erfahrung zeigt aber, dass es auch für sie bereichernd ist. Zudem bieten wir seit diesem Frühjahr ein Seminar an, mit dem wir Frauen in Führungsverantwortung begleiten.

Allerdings haben wir BücherFrauen das gleiche Problem wie andere Berufsnetzwerke auch. Wir haben keine Sorgen mit dem Nachwuchs und es gibt auch einen soliden Mittelbau. Aber sobald es einzelne Frauen geschafft haben, sehen sie nicht mehr unbedingt die Notwendigkeit unseres Netzwerkes. Wir arbeiten daran, das zu ändern.

Die komplette Auswertung zur Frauenquote in Buchverlagen sowie Einschätzungen weiblicher Führungskräfte zum Thema lesen Sie im buchreport.express 15/2016 (hier zu bestellen).

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