Einmal Amazon-Kunde, immer Amazon-Kunde?

„Nicht der Wettbewerb ist das Problem, sondern die Ausschließlichkeit“, erklärte Rainer Francke (Bücherwald Solingen, r.) Bastei-Lübbe-Vorstand Klaus Kluge. Der Verlag hatte Sortimenter in dieser Woche nach Köln eingeladen, um über die geharnischten Reaktionen auf die „Illuminati“-Aktion im Januar zu sprechen.

Francke ärgerte an der zeitlich begrenzten E-Book-Verschenkaktion vor allem, dass den Kunden durch die kostenlose Buchbeigabe ausgerechnet der Kindle schmackhaft gemacht werde, dessen geschlossenes System alle anderen Marktteilnehmer ausschließe. Er warf Bastei Lübbe vor, Leser damit von offenen E-Book-Systemen wie Tolino & Co. in die Arme von Amazon zu treiben.

Mit so massiver, grundsätzlicher Kritik habe der Verlag nicht gerechnet, räumte Kluge ein. „Wir sind davon ausgegangen, dass es niemanden stört, wenn wir Amazon für diese Aktion einen zwölf Jahre alten Titel überlassen. Aber da haben wir uns wohl geirrt.“

Es gehe aber gar nicht um die entgangenen Verkäufe des Buches oder E-Books „Illuminati“, versicherte Franckes Kollegin Anne Simon (M.). Einen direkten wirtschaftlichen Schaden müsse dadurch kein Sortimenter befürchten. Das Signal sei das eigentliche Problem: „Sie setzen das Zeichen, dass Amazon etwas umsonst zu bieten hat, was der Buchhandel nicht kann. Das irritiert die Kunden.“

Und offensichtlich auch die Buchhändler: Elsbeth Weilberg-Busse (l.) von der Buchhandlung Köhl in Köln-Rodenkirchen stellte klar, sie fühle sich durch die Werbung für den „Feind“ vom wichtigen Geschäftspartner Bastei Lübbe verlassen.

Grundsätzlich zeigten alle Gäste Verständnis für Kluges Einwand, dass mit einer Marketing-Aktion nur bei Amazon eine derart große Sichtbarkeit erreichbar wäre. „Mit dieser flächendeckenden Verschenkaktion erzeugen wir Aufmerksamkeit für den Autor und können so neue Leser zur Lektüre motivieren“, akzentuierte Kluge den Nutzen von solchen Preisaktionen.

Die Kopplung an den Kindle halten die Buchhändler allerdings weiterhin für sehr problematisch. „Sie sagen, Sie gewinnen neue Leser für den Autor. Das Problem für den Buchhandel ist dabei: Sie gewinnen diese Kunden auch für den Kindle“, brachte Jens Bartsch aus der Kölner Buchhandlung Golstein das Dilemma auf den Punkt.

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