Digital bedeutet mehr als digitale Produkte

Chantal Restivo-Alessi ist Digital-Chefin der internationalen HarperCollins-Gruppe und verantwortet die globale digitalen Strategie und das Fremdsprachen-Programm.

Auf der Berliner Tagung Future!publish hat sie die Key-note gehalten und über die digitale Verwertung und die aktuelle Marktentwicklung gesprochen. Die Stagnation bei den E-Book-Umsätzen sei ganz normal und eher ein Übergangsphänomen. Dies dürfe vor allem kein Grund sein, beim Innovationswillen nachzulassen:

  • Die neuen Vertriebskanäle werden bleiben und bieten vor allem Möglichkeiten für die Backlist-Vermarktung.
  • Die Weiterentwicklung der Technologie berührt alle Verlagsbereiche und wird weitere Chancen für Innovationen bieten.
  • Internationale Märkte bieten eine große Chance für die koordinierte Vermarktung von Inhalten.

Im Anschluss stellte sich Chantal Restivo-Alessi den Fragen des buchreport-Fachportals pubiz.de. Ausgewählte Kernaussagen:

  • Die Buchverlage haben die digitalen Herausforderungen besser angenommen als die Musikbranche und sich offensiver für digitale Verwertungen engagiert.
  • Digitale Strategie bedeutet nicht nur digitale Produkte anzubieten. In dem Thema steckt viel mehr an Innovationskraft und Möglichkeiten.
  • Digital ist nicht die Alternative zu Gedrucktem, sondern eine Ergänzung, die aber auch den Blick weitet und die Kultur eines Unternehmens verändert.
  • Bei allen Veränderungen: Entscheidend bleiben gute Inhalte, und um die zu sichern, ist es wichtig, den Autor in den Mittelpunkt zu stellen und ihn engagiert zu begleiten.

Hier geht es zum in Englisch geführten O-Ton-Interview mit Chantal Restivo-Alessi. Die Fragen stellte Michael Lemster.

Kommentare

1 Kommentar zu "Digital bedeutet mehr als digitale Produkte"

  1. „Die Stagnation bei den E-Book-Umsätzen sei ganz normal und eher ein Übergangsphänomen.[…] Die Buchverlage haben die digitalen Herausforderungen besser angenommen
    als die Musikbranche und sich offensiver für digitale Verwertungen
    engagiert.“ – Nett, dass sie das sagt, aber merkwürdigerweise sehe ich die Dinge anders:

    – Die Wissenschaftsverlage sehen ihre Felle davonschwimmen und suchen händeringend nach neuen Geschäftsmodellen. Springer Nature z.B. gibt jetzt alle Bücher frei, die älter als zehn Jahre sind, und diese Spanne dürfte m.E. schnell kürzer werden – Richtung 0 Jahre. Es dürfte darauf hinauslaufen, dass in Zukunft die Autoren bzw. ihre Institutionen für ihre Veröffentlichungen zahlen.

    – In der Musikbranche wurden sämtliche DRM-Modelle aufgegeben. So weit ist die Verlagsbranche noch nicht.

    – In der Musikbranche zeichnet sich gleichfalls immer mehr „Umsonstkultur“ ab, z.B. wird das neue Album von Rihanna verschenkt in der Hoffnung, damit Kunden für eine Flatrate zu gewinnen und Werbung für Live-Konzerte und Merchandising zu machen. Vergleichbare Alternativ-Produkte hat die Verlagsbranche nicht anzubieten. Wer zahlt schon echtes Geld für Lesungen?

    – Durchaus denkbar, dass auch belletristische Ebooks in Zukunft verschenkt oder für sehr kleines Geld verschenkt werden (müssen), um Werbung für „richtige“ Bücher zu machen.

    – Selfpublisher haben, durch sehr niedrige Preise, gewisse Chancen (haben die Verlage aber nichts davon), Amazon auch noch, weil es ein reich (und mit Hard DRM) ausgestattetes Biotop für Leser anbietet. Mal sehen, ob es den nächsten Gerätewechsel überlebt.

    – Belletristik-Flatrates funktionieren auch nicht, s. die vielen Pleiten entsprechender Versuche im letzten Jahr; die Autoren haben auch nichts davon. Scribd wird es vielleicht noch eine Weile machen, weil große Teile des Contents aus der Piraterie kommen und noch nicht so viele Leute wissen, wie der Hack dieser Seite funktioniert.

    – …

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