Hoffen auf den Hype

Ein zwischenzeitlich tot geglaubtes Medium feiert derzeit Riesenerfolge. In den USA haben sich in den vergangenen Jahren spezialisierte Podcast-Labels entwickelt, die fast jedes Nischeninteresse mit entsprechenden Angeboten abdecken. Die Werbeindustrie zieht mit. Hierzulande startet in der kommenden Woche das erste deutsche Podcastlabel.

Viertausendhertz lautet der Name des Labels, das von Marie Dippold, Hendrik Efert, Christian Grasse und Nicolas Semak gegründet wurde; Efert, Grasse und Semak bringen journalistische (Radio-)Erfahrung mit, Dippold hat im Vertrieb von Disney und IQ Media gearbeitet.

Die Gründer stellen u.a. serielle Formate, Interviews und „neue erzählerische Formen“ in Aussicht. Als Sponsor wird Amazon-Tochter Audible genannt.

Podcasts gibt es seit über zehn Jahren. Der Name rekurriert auf den iPod von Apple, das Gerät, das digitale Audiomedien revolutionierte. Zu den Urvätern des Mediums gehört der frühere MTV-Moderator Adam Curry, der auch heute noch mit dem Podcast „No Agenda“ aktiv ist. Nachdem vor einem Jahrzehnt zahlreiche Podcast-Formate weltweit an den Start gingen und dabei auch etablierte Medien mitmischten, setzte vor einigen Jahren eine Flaute ein, Medien wie die „New York Times“ legten zahlreiche Podcasts auf Eis. Grund: mangelndes Interesse, fehlende Erlöse.
Das hat sich inzwischen verändert. Insbesondere durch den Siegeszug von Smartphones haben die On-Demand-Formate wieder Konjuktur. 2014 feierte beispielsweise der Podcast „Serial“, der sich – ähnlich wie eine TV-Serie – intensiv in mehreren Folgen einem Thema widmet, große Erfolge: Bis dato wurde die erste, zwölfteilige Staffel, die einen Teenager-Mordfall seziert, mehr als 100 Mio Mal heruntergeladen. Im Dezember 2015 startete die zweite Staffel, bei der ein in Afghanistan gekidnappter Soldat im Fokus steht.
Durch die z.T. großen Reichweiten hat sich auch die Erlössituation verändert. Die Industrie schätzt die Möglichkeit, mit Audio-Anzeigen (besonders digitalaffine) Zielgruppen mit geringen Streuverlusten zu erreichen. Unter den Sponsoren vieler Podcasts ist u.a. der Web-CMS-Anbieter Squarespace und eben seit vielen Jahren Amazon-Tochter Audible, die sinnvollerweise in einem Audio-Medium für die eigenen Audio-Angebote wirbt.

Inzwischen haben sich in der englischsprachigen Welt große Podcast-Netzwerke wie Relay FM, Gimlet oder Relay FM gebildet – denen Viertausendhertz jetzt in Deutschland als Label (also ausschließlich mit Eigenproduktionen) folgt. Wie stark ist das Medium Podcast hierzulande? Laut ARD/ZDF-Onlinestudie wuchs die Zahl der Nutzer 2015 im Vergleich zum Vorjahr von 7 auf 13%. Bei den 14- bis 29-Jährigen und den Onlinern ist der Anteil höher (s. Tabelle). Dass Podcasts hierzulande bislang nicht so erfolgreich sind wie in den USA, wird oft damit begründet, dass die Radiolandschaft in Deutschland weitaus attraktiver ist, viele Sender koppeln ihre Sendungen als Podcasts aus.

Foto: Casey Fiesler, Flickr, CC BY 2.0

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