Augen vor Virtual Reality nicht verschließen

Knut Nicholas Krause mit Augmented-Reality-Brille von Sony (li.). Messe-Impression CES 2016.

Spätestens seit dem medienwirksamen Hitech-Sabbatical von Ex-„Bild“-Chef Kai Diekmann 2012/13 sind Verlagsstrategen oft gesehene Gäste im Silicon Valley. Dies gilt zumindest für die Zeitungsmacher, doch auch die Buchbranche interessiert sich zunehmend für den weltweiten Hot Spot der technologischen Innovationen. Vom 3. bis 8. Januar hat der Arbeitskreis Elektronisches Publizieren (AKEP) im Börsenverein und der deutsche Dienstleister Appsfactory eine Delegation aus Verlagsleuten und Dienstleistern in die San Francisco Bay Area geführt. Mit dabei waren Vertreter von KNK, Droemer-Knaur, Bookwire, Thieme und dem Verlag für Standesamtswesen/Wolfgang Metzner Verlag. Auf dem Programm der „AKEP Book Publishers? Tour“ standen neben dem Besuch von Start-up-Unternehmen auch ein Abstecher zur Consumer Electronics Show (CES) nach Las Vegas. Mit dabei war Knut Nicholas Krause, Gründer und Vorstand des Verlagssoftware-Anbieters KNK.

Kühlschränke mit Fernsehfunktion, selbststeuernde Autos, Wearables, Virtual Reality – war der Besuch der Messe CES mehr als eine Reise in eine schöne, aber doch fremde Welt?
Themen wie Wearables, selbstfahrende Autos oder Robotik sind tatsächlich sehr weit von unserer Branche entfernt und daher für Verlage uninteressant. Wenn es aber beispielsweise um die Interaktion von Mensch und Maschine geht, verliert diese Welt an Fremdheit.
Inwiefern?
Wenn sich ein Arzt im OP-Saal oder ein Automechaniker demnächst eine Augmented-Reality-Brille aufsetzt, könnte die Unterstützung durch Fachverlage sehr wichtig werden: Auf das Brillenglas werden dann die entsprechenden Inhalte zur Hilfestellung projiziert. Im nächsten Schritt wird es der Roboter selbst sein, der operiert oder repariert, wieder idealerweise auf Basis der Inhalte von Fachverlagen. Bei Augmented-Reality-Brillen hat sich viel getan, Google Glass war erst der Anfang, inzwischen gibt es Brillen mit der Rechenleistung von Tablets und der Größe herkömmlicher Hornbrillen, die automatisch bestimmte Muster im Bild erkennen können. 

Großes Thema: Roboter, hier im Hunde-Format.

Welche Chancen sehen Sie für Publikumsverlage?

Für Belletristik-Verlage wird Virtual Reality relevant werden. Leser können die Inhalte von Romanen in virtuellen Welten erleben und durchspielen. Das ist nicht weit von Ken Folletts Games-Projekt entfernt.
Nach den enttäuschenden Erfahrungen mit angereicherten E-Books dürfte die Euphorie der Verlage, dort einzusteigen, gering sein.
Richtig, die Verlage sind nicht offen dafür. Sehr wahrscheinlich werden sie die Augen verschließen und wieder Marktanteile an Google, Amazon und Start-ups verlieren. Stattdessen sollten sie versuchen, zumindest bei ihren wichtigsten Stoffen Virtual-Reality-Welten zu konzipieren, um sich mit einer weiteren Verwertungsform ihrer Inhalte frühzeitig Marktanteile zu sichern.
Das finanzielle Risiko ist groß.
Nicht unbedingt. Für einen Reisebuchverlag wäre es nicht besonders aufwendig, für einen Paris-Reiseführer 360-Grad-Videos zu erstellen – die Kameras sind inzwischen sehr günstig. Der Käufer kann dann beispielsweise im Fitnessstudio eine Virtual Reality an der Seine durchwandern, statt auf eine graue Wand zu starren.

Wieder Hund, diesmal aber mit 360-Grad-Kamera auf dem Rücken.

Mit welchen anderen Ideen und Szenarien sind Sie außerdem nach Kiel zurückgekehrt?

Ich finde es beeindruckend, wie weit die Sprachübersetzung in Real Time vorangeschritten ist. Ich gehe davon aus, dass Übersetzungsdienste schon in drei, vier Jahren Probleme bekommen werden. Auch die Fortschritte bei pädagogischen Spielen habe ich mit Interesse verfolgt.
Sie haben Start-ups in den USA kennengelernt. Hierzulande ist die Start-up-Mentalität in der Buchbranche schwach ausgeprägt. Was sind die Ursachen?
Es fehlen technisches Know-how und der unternehmerische Wagemut. Dabei verfügen Verlage über viel Wissen, das für Start-ups wichtig wäre. 
Ein Beispiel?
Ich habe ein Start-up kennengelernt, das smarte Tour guides erstellt. Der Nutzer plant auf sehr komfortable Art und Weise seine individuelle Reise, darunter An-/Abreise, Städte, Unterbringung, Sehenswürdigkeiten, Restaurants, abendliches Kultur-Programm – unter Berücksichtigung von Empfehlungen der App und anderer Nutzer. Und der Dienst erstellt einen individualisierten Reiseführer als PDF. Die Software ist fertig, aber leider fehlen den Gründern die Inhalte – eine ideale Ausgangsbasis für eine Partnerschaft mit einem Verlag. Gerade im Bereich Reise oder Sport gibt es viele solcher möglichen Partnerschaften.
Fotos: KNK

Vielleicht das größte Thema der diesjährigen CES: Virtual Reality.

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