Kurz und kompakt

Die soeben erschienene kritische Edition von Adolf Hitlers programmatischer Hetzschrift „Mein Kampf“ stößt auf recht großes Publikumsinteresse und hat es dadurch auf die SPIEGEL-Bestsellerliste geschafft. Die Platzierung wird wohl auch die Diskussionen im Buchhandel weiter anheizen. buchreport hat deshalb kurz und kompakt die wichtigsten Informationen zum Thema zusammengetragen:

Was ist „Mein Kampf“?

„Mein Kampf“ entstand zwischen 1924 und 1926 und ist Adolf Hitlers programmatische Schrift. Darin hat er das festgehalten, was er ab 1933 umsetzte. Daher gilt das Werk als wichtige zeithistorische Quelle. Der erste Band beinhaltet v.a. Hitlers stilisierte Lebensgeschichte sowie die Anfänge der NSDAP. Im zweiten Band wird die nationalsozialistische Ideologie entwickelt.

Wer sind die Herausgeber?

Die zweibändige kritische Edition ist am Institut für Zeitgeschichte München unter der Leitung von Christian Hartmann entstanden. Die anderen Herausgeber sind Thomas Vordermayer, Othmar Plöckinger und Roman Töppel. Nachdem der Freistaat Bayern 2013 einen Rückzieher machte und  überraschend aus dem Projekt ausstieg, machte das IfZ allein weiter. 1949 mit dem Ziel gegründet, die NS-Zeit wissenschaftlich zu untersuchen, hat das IfZ Erfahrung mit wissenschaftlichen Ausgaben: Die Historiker haben bereits „Hitlers Reden, Schriften, Anordnungen 1925 –1933“ sowie die Tagebücher von Joseph Goebbels und Alfred Rosenberg veröffentlicht.

Was bedeutet „kritische Edition“?

„Hitler, Mein Kampf – Eine kritische Edition“ ist mit rund 2000 Seiten etwa doppelt so lang wie die Originalausgabe. Die Historiker haben den Text mit rund 3700 Anmerkungen versehen und jedem Kapitel eine Einleitung vorangestellt. Es gibt Informationen zu Personen, Ereignissen und ideologischen Begriffen. Sie legen ferner Hitlers Quellen offen, ordnen Aussagen in den zeitlichen Kontext ein und widerlegen falsche Behauptungen sowie einseitige Darstellungen. Zusätzlich ist angegeben, inwieweit Hitler seine in der Hetzschrift formulierten Pläne umsetzte.

Wozu braucht es eine Neuauflage von „Mein Kampf“?

Aus Sicht von NS-Forschern ist das ein überfälliger Schritt: Von einer der wichtigsten Quellen des Nationalsozialismus existiert bislang keine umfassende
wissenschaftliche Ausgabe. Laut IfZ dient die Edition auch der politischen Aufklärung und als „seriöses Gegenangebot zur ungefilterten Verbreitung“: Die Hetzschrift war nämlich längst zugänglich (antiquarisch, übers Internet oder durch legale ausländische Ausgaben), da in Deutschland bislang nur der Nachdruck verboten war.

Wieso jetzt?

Möglich wurde die kritische Edition durch das Auslaufen der Regelschutzfrist zum 1. Januar 2016. Diese urheberrechtliche Schutzdauer endet in Deutschland 70 Jahre nach dem Todesjahr des Autors. Der Freistaat Bayern, dem nach dem Zweiten Weltkrieg die Rechte des NS-Hausverlags Franz Eher und damit auch die Rechte an Adolf Hitlers „Mein Kampf“ übertragen wurden, nutzte bislang diese Regelung, um den Nachdruck zu verhindern. Generell verboten war die Hetzschrift nie.

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