Monatspass

Wenn man Stärken zusammenbringt

Christoph Bläsi ist Professor für Buchwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. 2015 hat er sich besonders über den Erfolg von Tolino sowie die anhaltende Konsolidierung kleiner Verlage und inhabergeführter Buchhandlungen gefreut. Auf seiner Agenda fürs kommende Jahr steht vor allem das Thema Lernmedien.

Das hat mich am meisten gefreut:

Dass mit dem Tolino-System der ermutigende Beweis erbracht wurde, dass man sonst überall anscheinend ungehindert den Durchmarsch vollziehende US-amerikanische Technologieunternehmen herausfordern kann, wenn man Stärken (wie z.B. den Zugang zur Zielgruppe auf der einen und skalierbare technologische Fähigkeiten auf der anderen Seite) zusammen bringt – und unangebrachte Egoismen und automatisierte Reflexe wenigstens für einen Moment zurückstellt.

Aber auch die anhaltende Konsolidierung kleiner aber feiner Verlage und origineller inhabergeführter stationärer Buchhandlungen ist natürlich überaus erfreulich – und die angekündigte Rückkehr der Traditionsmarke Brockhaus finde ich als ehemaliger BIFAB-Mitarbeiter (1992–1998) natürlich besonders spannend …

Das hat mich am meisten geärgert:

Außer den bekannten, z.T. schon geradezu fossilierten Ärgernissen kam da nach meinem Dafürhalten 2015 nichts Nennenswertes dazu …

Das war mein größter Irrtum:

Im Blick auf z.T. doch eher alarmistische Prognosen der jüngeren Vergangenheit hätte ich nicht gedacht, dass man als deutsche Buchbranche – abgesehen jetzt ´mal von der Amazon-Herausforderung – so relativ entspannt auf das nächste Jahr schauen kann …

Das habe ich 2015 am liebsten gelesen:

Ich lese oft „zeitversetzt“ (also nicht notwendigerweise Neuerscheinungen) – „The Fry Chronicles“ von Stephen Fry und „Joseph Anton“ von Salman Rushdie fand´ ich im ablaufenden Jahr schon sehr gut …

Diese 3 Punkte stehen auf meiner persönlichen Agenda 2016:

Inspirierende Erkenntnisse v.a. zu „Educational Media“ gewinnen (und weitergeben), die Zusammenarbeit mit dem Publishing Studies-Studiengang der Edinburgh Napier University durch einen erneuten Austausch festigen und der interdisziplinäre Arbeit mit den Medienkonvergenz-Kolleginnen und -Kollegen in Mainz wieder einen Push geben.

Das muss sich in der Branche 2016 ändern:

Dem Schulbuch und seiner Zukunft – u.a. als digitales Lehr- und Lernmaterial – sollte im Branchendiskurs eine größere – und der wirtschaftlichen besser entsprechende ! – Bedeutung eingeräumt werden; das gilt auch für seine Inhalte, seine medialen Aspekte, die Kontexte seiner Produktion und Nutzung, damit zusammenhängende kontroverse Debatten, etc.

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