Wir brauchen keinen Konkurrenzkampf

Die MVB – ein Dienstleister der Branche? Für viele Verbandsmitglieder eher eine Konkurrenz.  

Brisante Branchenthemen wurden im Börsenverein spartenübergreifend bislang im Branchenparlament diskutiert. Im Zuge der Strukturreform sind sie jetzt erstmals in einer gemeinsamen Sitzung der drei Fachausschüsse aufs Tapet gekommen. Die Informationspolitik des Verbands an dieser Stelle: semi-öffentlich und daher fragwürdig.

Zugelassen war von der Presse nur das Verbandsorgan „Börsenblatt“, buchreport und „Buchmarkt“ wurde der Zugang vom Börsenverein verwehrt, mit dem Hinweis darauf, dass sonst keine offene Diskussion zustande komme. 

„Kein Vertretungsanspruch für die Branche“

Wie das „Börsenblatt“ berichtet, wurde in Frankfurt erneut kontrovers über die wirtschaftlichen Aktivitäten der Wirtschaftstochter MVB diskutiert. Im Fokus dabei unter anderem: buchhandel.de. Thalia-Chef Michael Busch kritisierte in Frankfurt, dass buchhandel.de als „Markenzwerg“ keinen Vertretungsanspruch für die Branche erheben könne. Hintergrund: Die SPIEGEL-Bestsellerliste auf SPIEGEL ONLINE verlinkt im Internet neben Amazon auch auf buchhandel.de, nach Verhandlungen  des Börsenvereins mit dem Hamburger Medienhaus (Disclaimer: Die buchreport-Mutter Harenberg Kommunikation gehört zu 100% zur SPIEGEL-Gruppe). Busch: Es sei ein „Unding, andere Branchenteilnehmer durch die Vereinbarung mit dem SPIEGEL auszuschließen“. Vorsteher Heinrich Riethmüller erklärte daraufhin, dass 1000 Buchhandlungen hinter buchhandel.de stünden  und außerdem Thalia selbst die Möglichkeit habe, mit dem SPIEGEL über einen eigenen Auftritt zu verhandeln.

Daran anknüpfend flammte laut „Bösenblatt“ die alte Grundsatzdiskussion über die Aktivitäten der Verbandstöchter neu auf. Dabei hatte Zwischenbuchhändler Oliver Voerster (KNV) ein Déjà-vu-Erlebnis und erinnerte an die Diskussion rund um die inzwischen verkaufte E-Book-Plattform Libreka. Kernfrage: Darf ein Verband seinen eigenen Mitgliedern Konkurrenz machen? Die Projekte der Wirtschaftsbetriebe, so Voerster, würden immer wieder für Konflikte sorgen. Unter dem „Mantel allgemeiner Interessen“ stoße der Börsenverein Projekte an, von denen sich größere Mitglieder oder ganze Gruppen im Verband auf die Füße getreten fühlten. „Wir brauchen keinen Konkurrenzkampf, sondern eine sinnvolle Aufteilung, bei der jeder das macht, was er am besten kann“, so Voerster.

E-Book-Aktionspreis: „realitätsnäher diskutieren“

Weitere neuralgische Themen, die aufs Tapet kamen:
Bundle-Besteuerung: Auch wenn die so genannte Nichtbeanstandungsfrist am 31. Dezember 2015 abläuft: Verlage müssen offenbar noch kräftig arbeiten, damit der Zieleinlauf gelingt. Libri-Chef Eckhard Südmersen wird mit der Aussage zitiert, dass „das Barsortiment zwar seit einigen Wochen in der Lage sei, Datensätze mit geteiltem Mehrwertsteuersatz zu verarbeiten.“ Aber: „Uns wurde erst ein einziges Produkt von den Verlagen korrekt gemeldet.“ 
E-Book-Aktionspreise: Zwischenbuchhändler Jens Klingelhöfer (Bookwire) brachte die neue Fristenregelung für E-Book-Aktionspreise kritisch zur Sprache. Nach der neuen Verkehrsordnung müssen digitale Preisaktionen 28 Tage vor dem Start ans VLB gemeldet werden, damit alle Händler die Chancen haben, darauf zu reagieren und damit zu werben. Gegen die Regelung hatte sich zuletzt Lübbe-Vorstandsschef Thomas Schierack im buchreport ausgesprochen. Klingelhöfer forderte laut „Börsenblatt“, solche Themen künftig „realitätsnäher zu diskutieren“. Kompromiss der Runde: Eine Prüfung der Regelung in „sechs bis zwölf Monaten“. 
VLB/ VLB-TIX: MVB-Geschäftsführer Ronald Schild stellte den weiteren Fahrplan für das Titelinformationssystem VLB-TIX vor, das laut Schild im Dezember live gehen solle. 
Das neue Preismodell des Verzeichnis lieferbarer Bücher sorge bei Verlagen „durchaus für Unzufriedenheit“, räumte Schild ein. Ziel sei eine bessere Datenqualität. Wie Schild berichtete, haben 38,8% der VLB-Titel den Goldstatus, was als Erfolg zu werten sei.

Ob Verlage und Sortimenter mit dem VLB inzwischen ebenso zufrieden sind wie Schild, darüber berichtet buchreport.express in der kommenden Woche.

Kommentare

4 Kommentare zu "Wir brauchen keinen Konkurrenzkampf"

  1. anstatt sich jedes Mal auf`s Neue aufzuregen: Beschließt doch einfach die Schließung der MVB. An der Zeit ist es schon lange.

  2. Um es als Verleger von Nextbookup mal klar zu sagen. Verkehrsordnungen, die nur eine Empfehlung sind, kann man ignorieren, wenn die Empfehlung einfach gesagt, bekloppt ist. Unsere E-Book-Preisaktionen werden meistens kurzfristig entschieden. Also meistens eine Woche vor der Aktion. Was der Börserenverein macht, ist einfach total daneben. Wir als innovativer Buchverlag haben dafür null Verständnis und finden es als Börsenverein-Mitglied schade, dass mal wieder die falsche Entscheidung getroffen wurde.

    P.S.: Jetzt bin ich froh, dass Nextbookup noch nicht bei VLB ist!

  3. Und noch eine Kleinigkeit: Auch mit dem VLB-TIX macht die MVB mal wieder einer schon lange existierenden Branchelösung Konkurrenz: http://www.Novi24.de vom eBuch-Partner Softpoint gibt es seit vielen Jahren, es werden die Novitäten von über 2000 Verlagen gelistet, über 100 Verlage von Ariston bis Zabert-Sandmann pflegen individuell ihre Premiumauftritte, die Titeldaten sind problemlos für Warenwirtschaften herunterladbar, Warenkorb-Bestellungen als PDF und als BWA-Bestellsätze, alles da und alles funktioniert schon seit langem. Und es ist kostenlos und für jedermann nutzbar. Die TIX-Macher haben sich ausführlich von den Novi24-Experten beraten lassen, was man so alles braucht – und tun jetzt so, als sei das VLB-TIX eine ganz neue Erfindung. Nein, das ist es nicht und schon gar nicht wurde es in Frankfurt „erfunden“. Das alles ist zwar wirklich ärgerlich, aber – leider – nichts Neues.

  4. Ein kleines Detail zur SPIGEL-Verlinkung (auf amazon und jetzt auch buchhandel.de) Diskussion am Rande:
    Es gab ein Treffen in Hamburg beim SPIEGEL dazu, daran nahmen neben dem BöV auch die LG Buch, die eBuch und die Nordbuch teil.
    Riethmüller favorisierte naturgemäß buchhandel.de, die drei anderen sprachen sich dagegen aus, nur buchhandel.de neben amazon zu listen, die eBuch vor allem im Hinblick auf das wesentlich leistungesfähigere Portal „genialokal.de“ (Bestandsanzeigen mit Sofort-Reservierung, einheitlicher Versand etc.).
    Drei Tage später telefonierte Riethmüller mit dem SPIEGEL und behauptete, alle Teilnehmer der Diskussion seien sich jetzt einig, daß es buchhandel.de werden solle. Daraufhin wurde vom SPIEGEL der Link eingefügt. Die Information war allerdings schon alleine deshalb falsch, weil Riethmüller die anderen Teilnehmer überhaupt nicht befragt hatte.
    Informationspolitik a la Börsenverein…

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