Vorlesen als Triebfeder der Entwicklung

Jedes Jahr untersucht die Vorlesestudie, die die Stiftung Lesen gemeinsam mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ und der Deutsche Bahn Stiftung seit 2007 durchführt, andere Zusammenhänge. 2015 stehen die Auswirkungen des Vorlesens auf soziale Kompetenzen und emotionale Stärke im Mittelpunkt der Erhebung, die folgerichtig den Titel „Vorlesen – Investition in Mitgefühl und solidarisches Handeln“ trägt.

Die zentralen Befunde aus den Angaben der befragten 8- bis 12-Jährigen im Überblick:

  • 91% der Kinder, denen täglich vorgelesen wurde, interessieren sich nach eigener Einschätzung „für ganz viele verschiedene Dinge“, während dieser Aussage über sich selbst nur 52% der Kinder zustimmen, denen selten oder nie vorgelesen wurde.
  • 90% derer, denen täglich vorgelesen wurde, nehmen sich als Vertrauensperson ihrer Mitschüler wahr, aber nur 51% derjenigen, denen selten oder nie vorgelesen wurde. Dies gilt in gleichem Maße für Kinder mit vielen und wenigen sozialen Kontakten im Alltag.
  • 86% der Kinder, denen täglich vorgelesen wurde, und 45% der Kinder, denen selten oder nie vorgelesen wurde, meinen, dass sie sich schnell Dinge merken können.
  • Mit 83% der Befragten gehen Kinder, denen täglich vorgelesen wurde, besonders gern zur Schule. Zum Vergleich: Nur 43% der Kinder, denen selten oder nie vorgelesen wurde, gehen nach eigenen Angaben sehr gern zur Schule.
  • Die Durchschnittsnote im Unterrichtsfach Deutsch liegt für Kinder, denen täglich vorgelesen wurde, mit einem Wert von 2,19 deutlich über der Durchschnittsnote von Kindern, denen selten oder nie vorgelesen wurde (2,92). Auch in anderen Fächern wie Sachkunde und Kunst werden deutliche Unterschiede sichtbar.

Die Einschätzungen der Mütter von den befragten Kindern zeichnen ein ähnliches Bild:

  • 90% der Mütter, deren Kindern täglich vorgelesen wurde, halten ihr Kinder für wissbegierig – im Gegensatz zu nur 43% der Mütter von Kindern, denen selten oder nie vorgelesen wurde.
  • 85% der Kinder, denen täglich vorgelesen wurde, besitzen nach Aussage ihrer Mütter einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, aber nur 40% der Kinder, denen selten oder nie vorgelesen wurde.
  • Als phantasievoll bezeichnen 89% der Vorlese-Mütter ud 48% der Nicht-Vorlese-Mütter ihre Kinder.
  • 87% der Mütter von 8- bis 12-Jährigen, denen täglich vorgelesen wurde, finden, ihr Kind kann gut zuhören. Dem gegenüber stehen 41% der Mütter von Kindern, denen selten oder nie vorgelesen wurde.
  • 93% der Kinder, denen täglich vorgelesen wurde, werden von ihren Müttern als fröhlich beschrieben, 75% als selbstbewusst. Dies gilt für Kinder, denen selten oder nie vorgelesen wurde, nur in 59% beziehungsweise 44% der Fälle.
  • 61% der Kinder, denen täglich vorgelesen wurde, teilen nach Angaben ihrer Mütter gern. Bei den Kindern, denen selten oder nie vorgelesen wurde, liegt der Anteil bei 18%.
  • 68% der Mütter von Kindern, denen täglich vorgelesen wurde, erkennen bei ihrem Nachwuchs Mitleid für Tiere, die schlecht behandelt werden – aber nur 25% der Mütter von Kindern, denen selten oder nie vorgelesen wurde.

Die Zusammenhänge zwischen Vorlesen und den genannten Eigenschaften und Verhaltensweisen seien dabei unabhängig vom Geschlecht der Kinder, von der Intensität ihrer sozialen Kontakte und von der Kommunikation in der Familie, heißt es in der Studie. Studienleiterin Simone Ehmig betonte bei der gestrigen Präsentation der Studienergebnisse in Berlin, dass die Bedeutung des Vorlesens zudem unabhängig vom Bildungshintergrund der Familien nachweisbar ist: „Tägliches Vorlesen unterstützt Kinder auch dann in ihrer Entwicklung, wenn die Eltern kein Abitur und keinen Hochschulabschluss haben.“

Im Rahmen der Präsentation riefen die Initiatoren auch zur Teilnahme am Bundesweiten Vorlesetag auf, der dieses Jahr am 20. November stattfindet.

Für die diesjährige Vorlesestudie hat das Feldinstitut Iconkids & Youth vom 30. Juni bis 31. Juli 524 Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren und ihre Mütter persönlich befragt.

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