Arundhati Roy gibt indischen Nationalpreis zurück

Aus Protest gegen die zunehmende Verfolgung von Minderheiten in Indien hat die Autorin Arundhati Roy den indischen Nationalpreis zurückgegeben. Sie sei beschämt über das, was in ihrer Heimat geschehe, sagte sie.
Ganze Bevölkerungsgruppen wie die als unberührbar geltenden Dalits, Muslime und die christlichen Adivasi würden terrorisiert und wüssten nie, wann der nächste Angriff komme, schrieb die Bestseller-Autorin in der Zeitung „Indian Express“ am Donnerstag, wie die Deutsche Welle berichtet. In Indien würden Menschen wegen ihrer Ansichten oder Lebensgewohnheiten gelyncht, erschossen und verbrannt. Zunehmende Intoleranz sei die falsche Beschreibung für Massenmorde an Mitmenschen, kritisiert die Autorin.

Mit ihrer Aktion will sich die 55-Jährige den Protesten Intellektueller in Indien anschließen. Wie Dutzende andere Schriftsteller, Filmemacher, Schauspieler und Wissenschaftler gab sie ihre staatliche Auszeichnung zurück. Erst Mitte Oktober hatte eine Gruppe von 41 Autoren ihre staatlichen Preise aus Protest zurückgegeben. Die Intellektuellen beklagen die Untätigkeit der hindu-nationalistischen Regierung von Premierminister Narendra Modi bei religiös motivierten Übergriffen. Die Regierung tat die Protestaktion als unsinnig ab.

Arundhati Roy bekam den Nationalpreis 1989 für das beste Drehbuch. International berühmt wurde sie durch den Roman „Der Gott der kleinen Dinge“, für den sie 1997 den renommierten Booker-Preis erhielt. Den Protest bezeichnet Roy als „politische Bewegung“. Der Aufstand der Intellektuellen begann, nachdem ein aufklärerischer Autor vor seiner Tür niedergeschossen worden war. Außerdem prügelte ein Lynchmob einen Muslim zu Tode, weil er verdächtigt worden war, Fleisch einer Kuh gegessen zu haben. Etwa 80 Prozent aller 1,2 Milliarden Inder sind Hindus. Rund 13 Prozent der Bevölkerung sind Muslime; darüber hinaus gibt es auch Christen, Buddhisten, Jainisten und Sikhs in Indien.

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