Amazon eröffnet erste eigene Buchhandlung

Vor Jahren tauchten die ersten Gerüchte auf, dass Amazon in den stationären Buchhandel einsteigen könnte – zuletzt hatte wohl kaum jemand daran geglaubt, dass dies einmal Realität werden könnte. Umso größer ist jetzt die Überraschung: Der weltgrößte E-Commerce-Händler eröffnet am heutigen Dienstag (3. November 2015) tatsächlich eine Buchhandlung am Heimatstandort in Seattle.
„Amazon Books“ ist der erste Ausflug von Amazon in den stationären Einzelhandel, zumindest in Eigenregie, denn mit Kooperationspartnern wie hierzulande Karstadt oder Gravis oder Waterstones in Großbritannien hat Amazon in den vergangenen Jahren mehrfach die stationäre Schiene getestet. Die bislang bekannten Details zu Amazon Books:
  • Das Geschäft ist im Universitäts-Viertel von Seattle angesiedelt und an sieben Tagen der Woche geöffnet (außer in den Ferien).
  • Amazon will Daten, die über Amazon.com gesammelt wurden (Kundenbewertungen, Absatz, Vorbestellungen, Benotungen von Büchern bei der Community-Tochter Goodreads), auswerten, um das Sortiment in Seattle zu komponieren; auch „Kuratoren“ (Tipps von Mitarbeitern) sollen dabei eingesetzt werden.
  • Auch Amazon-Chef Jeff Bezos empfiehlt laut „Seattle Times“ Bücher, darunter „The Gift of Fear“ von Gavin de Becker, „The Five Love Languages“ von Gary Chapman und „Traps“ von seiner Frau MacKenzie Bezos.
  • Das Buch-Sortiment umfasst auf 550qm rund 5000 bis 6000 Titel (hinzu kommen fast 200qm Lagerfläche)
  • Neben Büchern verkauft Amazon auch Hardware: Kindle-Reader und Tablets, den interaktiven Streaming-Turm Echo sowie den Fernsehstick Fire TV.
  • Die Bücher werden frontal präsentiert.
  • Ratings der Amazon-Webseite sowie Kundenrezensionen werden auf Karten gezeigt.
  • Die Verkaufspreise sind analog zu denen im Shop.

Wie geht es weiter mit Amazon Books? Zu den Plänen äußert sich der chronisch verschwiegene Onliner natürlich nicht, doch es liegt auf der Hand, dass Amazon die Erfahrungen mit dem Geschäft in Seattle dahingehend auswerten wird, ob sich eine Ausweitung des stationären Vertriebs auf eigene Faust lohnt.

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 Fotos: Amazon

Kommentare

5 Kommentare zu "Amazon eröffnet erste eigene Buchhandlung"

  1. Ob Amazon als stationärer Buchhändler wirklich den Druck von den Autoren nimmt, weiß ich nicht. Ich bin mir nicht sicher – denn als stationärer Händler steht Amazon in Konkurrenz mit allen anderen stationären Händlern und hat daher nicht das Alleinstellungsmerkmal wie im Internet als Online-Händler.
    Die Frage ist ja überhaupt erst einmal: Wird Amazon noch mehr als diesen einen Laden eröffnen – und wird Amazon das auch in Deutschland tun? Traditionsgemäß scheuen die US-Amerikaner den kleinteiligen deutschen Markt, der viel, viel weniger Profit verspricht als in den USA. Und so manches amerikanische Unternehmen hat sich nach ersten Gehversuchen wieder vom „schwierigen“ deutschen Markt zurückgezogen – schwierig, weil gesetzlich stark reglementiert (Preisbindung und viele andere Gesetze), schwierig, weil viel, viel kleiner und nur auf die deutsche Sprache beschränkt.

  2. Für Autoren ist der Unterschied, falls Amazon-Buchhandlungen
    in die deutschen Städte kommen sollten, dass sie noch verlagsunabhängiger publizieren können. Zum Konzern gehört CreateSpace, ein Unternehmen, das hervorragende Bücher ohne Verlagsdiktat publiziert, z.B. auch für bei Verlagen vergriffene Neuauflagen. Wir Autoren werden endlich unabhängiger vom Druck der Buchhandelsketten mit ihren Bestseller-Fakes (gekaufte Präsentationen im Eingangsbereich der Buchhandlungen für mehrere Tausend Euro) und der Diktatur der Verlage. (Peter Schmidt, Gelsenkirchen, Thrillerautor)

    • Daran glaube ich nur sehr bedingt. Auch Amazon ist stationär an räumliche Gegebenheiten gebunden und hat nur begrenzte qm zur Verfügung.
      Ein Schelm, der denkt, die besten Regalplätze ließen sich auch hier kaufen?

  3. Wir werden sehen, ob dies den KundInnen reicht. Amazon kann stationär seine größte Stärke – die Auswahl – nicht oder noch nicht ausspielen.

    • Das nicht, aber den Preisvorteil und wahrscheinlich auch die Bücherbestellung über Nacht – im amerikanischen Buchhandel braucht eine Bestellung normalerweise deutlich länger, was zum Riesenerfolg von Amazon beigetragen hat. Dann hat man die Integration mit der Kindle-Hardware vor Ort. Man hat ein Labor, um das Lese- und Kaufverhalten der Kundschaft zu testen. Dazu kommt wahrscheinlich ein Imagegewinn für die Marke, die nunmehr als freundlicher Nachbarschaftsladen auftrumpfen will. Und es könnte natürlich auch sein, dass Amazon langfristig den letzten großen Konkurrenten in den USA abservieren will: Barnes & Noble, die vielerorts (auch an vielen Uni-Standorten) allein den stationären Buchhandel bestreiten und auch im Versand- und E-Book-Geschäft präsent sind.

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