Schreiben und Lesen in digitalen Zeiten

Der Orbanism Space auf der Frankfurter Buchmesse (Halle 4.1 B73) soll Künstlern, Autoren, Verlegern und Buchhändlern Raum für Diskussionen zur Digitalisierung bieten. Diesmal zu Gast waren Sängerin und Autorin Judith Holofernes, die mit Christiane Frohmann die Möglichkeiten von Twitter diskutierte, sowie Ralph Möllers von Book2Look, der Social Reading als Konzept für Schulen vorstellte.

Für sie sei Twitter eine „Begegnungszone“, sagte Holofernes, die erst seit drei Monaten aktiv twittert. Im Gegensatz zu Facebook sei hier das „Schwarmbewusstsein“ entscheidend höher. Hashtag-Aktionen würden zu Gesellschaftsspielen, Menschen entwickelten sich auf Twitter oft zu Autoren, ergänzte Frohmann. Auch Judith Holofernes ist sich sicher: „Twitter wird sicher in mein Schreiben zurückfeeden.“ Gerade die Beschränkung auf wenige Zeichen sei eine Herausforderung, möglichst viel in wenigen Zeilen unterzubringen. Hier könne sie testen, ob ein 4-Zeiler funktioniere. Twitter ließe sich auch als Skizzenbuch verstehen, so Christiane Frohmann. Auf der Plattform diskutierten Menschen jeglicher Herkunft miteinander, soziale Barrieren wie Alter oder sozialer Status verschwänden.

Ein weiterer Aspekt ist für Judith Holofernes die Sichtbarkeit, auch für Menschen, die nicht gerne auf Bühnen stünden. Twitter sei keine Werbung, Lektüre und Kommunikation geschähen freiwillig. Twitter sei immer ein Dialog und funktioniere nicht, wenn ein Sender lediglich in eine Richtung strahle.

Dem Lesen widmete sich die Vorstellung von Ralph Möllers. Mit Lectory hat Book2Look in Kooperation mit dem Reclam Verlag sowie der „Süddeutschen Zeitung“ eine Online-Bibliothek entwickelt, mit der Schulklassen gemeinsam digital lesen können (mehr dazu im buchreport.express 41/2015, hier zu bestellen). Dazu werden Bücher wie herkömmlich beim Buchhändler der Wahl im Print-Format gekauft. Über einen Online-Voucher gelangt der Schüler dann in die Online-Bibliothek, die die Schule für ihn zahlt. Die Bücher liegen hier im E-Pub-Format vor und enthalten Worterklärungen und die Möglichkeit, Kommentare, Fragen und Anmerkungen zu hinterlassen. So soll außerhalb des Unterrichts ein Diskussionsforum entstehen, auf dem auch zurückhaltende Schüler ihre Meinung zum Text abgeben können sollen. Die Ergebnisse der Online-Diskussionen würden anschließend analog im Unterricht besprochen.

Bislang steuert Reclam relevante Schullektüre bei, S. Fischer soll folgen. Über die „Süddeutsche“-Kooperation können die Schüler zudem auf aktuelle Tagesthemen zugreifen. Das System werde seit vier Jahren sehr erfolgreich an US-Colleges getestet, versichert Möllers. Ein Problem könnten jedoch die 16 unterschiedlichen Schulministerien in Deutschland werden. Auf der kommenden Didacta will Book2Look sein Projekt weiter vorantreiben.

In den nächsten Tagen folgen viele weitere Veranstaltungen im Orbanism Space. Unter anderem stellt Ann-Kathrin Ploeger die digitale Verlagsvorschau edelweiss+ vor, die vom Harenberg Verlag vertrieben wird, dem auch buchreport angehört.

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