Das Jahr des Übergangs

Zeichnete ein positives Bild der Digitalisierung: Chantal Restivo-Alessi, Digitalchefin bei HarperCollins. 

Was ist los mit dem US-amerikanischen E-Book-Markt? Diese Frage stand auf der Konferenz „The Markets“neben den Chancen der aufstrebenden Märkte – im Fokus. Trotz aktuell mieser Zahlen zeigte sich eine der wichtigsten Digitalstrateginnen zuversichtlich.

Kurz vor der Messe hatte der US-Verlegerverband AAP für den Zeitraum Januar bis Juni 2015 einen Rückgang des Umsatzes mit E-Books um 10,3% bekanntgegeben, innerhalb des Segments der Kinder- und Jugendbücher lag das Minus sogar bei 45,5%. 
Auch die von Nielsen auf der Buchmesse präsentierten Zahlen dokumentieren den Rückgang: Demnach sank der Absatz der E-Books in den USA seit Jahresbeginn um 14% im Vergleich zum Vorjahr. Besonders deutlich ist das Minus auch hier bei den belletristischen Kinder- und Jugendbüchern (–34%). 
Die AAP-Analysten führen die  Entwicklung insbesondere auf den Rückgang des E-Reader-Geschäfts zurück: 2014 wurden in den USA nur noch 12 Mio E-Reader verkauft, 2011 waren es noch 20 Mio. Immer mehr Verbraucher setzten stattdessen auf Tablets und Smartphones, auf denen die mediale Konkurrenz stärker ausfällt. Weitere Gründe: zu hohe E-Book-Verkaufspreise insbesondere der „Big Five“-Verlage sowie fehlende Blockbuster. 
Gleichwohl vermuten viele Experten, dass der restliche digitale Markt (z.B. der Selfpublisher) weiterhin in den USA dynamisch wachse. Laut Verlegerverband AAP liegt deren Absatzanteil bereits bei 18% (Vorjahr: 14%) 
Auch Chantal Restivo-Alessi, Digitalchefin bei HarperCollins, räumte ein, dass der Digitalmarkt der Verlage aktuell schrumpfe. Doch sie sehe keine grundsätzliche Krise: 2015 sei das „Jahr des Übergangs“. Durch die veränderten Verträge mit den Retailern (gemeint ist vermutlich die Rückkehr zu den Agency-Verträgen als eine Art Preisbindung) hätten sich die Verkaufspreise verändert (ergo: erhöht), was sich auf die Nachfrage der Leser (negativ) auswirke. 
Insgesamt zog Restivo-Alessi dennoch eine positive Zwischenbilanz der Digitalisierung:
  • Der E-Book-Anteil bei ihrem Verlag liege bei 20%.
  • Die Autoren hätten in den vergangenen Jahren viel mehr Leser erhalten, verdienten insgesamt mehr Geld und bekämen ihre Tantiemen schneller als früher.
  • Die Verlage hätten ihre, pro verkauftem Buch erzielten, Margen erhöhen können.
  • Der Lagerbestand und die Kosten dafür seien geringer.
Im kommenden Jahr, so Restivo-Alessi, werde das Wachstum fortgesetzt  – „sonst werde ich hier nicht mehr stehen“, scherzte die Digitalchefin. Ihre Hoffnungsträger: 
  • Gerade die Generation der „Millenials“ lese immer mehr; insgesamt geben die Millenials in den USA laut einer Studie 2015 rund 62 Mrd Dollar für Medien aus.
  • Abomodelle seien in der gesamten Medienindustrie weit verbreitet und würden sich auch in der Buchbranche etablieren.
  • Davon profitiere besonders die Backlist der Verlage; Kannibalisierungserscheinungen gebe es nicht.
  • Das Geschäft mit digitalen Hörbüchern wachse seh stark. 
  • Wachstumstreiber des Buchgeschäfts seien besonders der herkömmliche E-Commerce, aber auch M-Commerce (also Käufe per Tablet und Smartphone) sowie Social Commerce (Verkäufe, die z.B. über Twitter angebahnt werden).
  • Gerade im internationalen Bereich gebe es für Verlagsgruppen wie HC noch große digitale Wachstumschancen.

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