Goldene Zeit für Buchverlage?

Brasilien, Indien und China – Die Schwellenländer von heute sind die Wachstumsmärkte von morgen, meint Rüdiger Wischenbart in der „Welt“. In seinem Artikel beleuchtet er Chancen, Risiken und mögliche Konflikte zwischen großen Publikumskonzernen, Amazon und lokalen Verlegern.
Penguin Random House ist heute mit einem Jahresumsatz von 3,3 Mrd. Euro der größte Publikumskonzern für Bücher weltweit. Die Zahl verblasse jedoch angesichts Amazons Jahresumsatz von 89 Mrd. Dollar. Auch wenn Bücher nur einen Bruchteil des Umsatzes ausmachen, gilt die Konzernstrategie des Riesen oft als wegweisend: „Amazon hat nach eigenen Angaben allein im vergangenen Jahr zwei Milliarden Dollar für seine Expansion in Indien und vermutlich noch einmal so viel für China bereitgestellt.“
Die Investition hat Gründe, wie Wischenbart verdeutlicht: „Brasilien, Indien oder China haben nicht nur an abstrakter Wirtschaftsmacht zugelegt. In diesen bevölkerungsreichen Staaten sind Mittelklassen mit Hunderten Millionen Menschen entstanden, die nicht nur Konsumgüter kaufen, sondern auch für sich und ihre Kinder nach Bildung, Wissen und Unterhaltung streben. Und diese suchen sie, unter anderem, in Gestalt von Büchern wie auch anderen Verlagsprodukten.“
So kaufe China heute bereits jährlich um die 16.000 Lizenzen für Übersetzungen und Ko-Editionen – mehr als irgendein anderes Land. Brasilien, die Türkei und Mexiko hätten indessen umfangreiche Förderprogramme für Bildungsverlage aufgelegt, mit besonderem Interesse auf digitaler Innovation in der Verlagsarbeit. „Tatsächlich rangieren zwei chinesische Verlagsgiganten bereits heute, nach Umsatz gerechnet, unter den weltweiten Top 10, knapp hinter Penguin Random House, jedoch noch vor dessen französischem Konkurrenten Hachette Livres.“
Die Entwicklung in den einzelnen Ländern werde sich je nach Markt, kulturellem, wirtschaftlichem und politischem Kontext unterscheiden. Dabei gerieten die jeweiligen Marktführer in den Ländern zusehends unter Druck – durch die Expansion internationaler Buchkonzerne einerseits und der Medien-Konkurrenz aus dem Internet andererseits. Die gewachsene Buchkultur europäisch-angelsächsischer Prägung mit klarer Aufgabenverteilung zwischen Autoren, Verlagen, Buchhändlern und Lesern fehle in vielen Ländern: „Heute entsteht eine völlige Neuordnung in der Produktion und beim Zugang von kulturellen Inhalten und Wissen. Diese ist global, zerklüftet, heterogen und dominiert von wenigen riesenhaften Akteuren, die das Internet hervorgebracht hat.“ 

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