Kerstin Gier durfte keine Hanni&Nanni-Bücher lesen

Bestseller-Autorin Kerstin Gier („Mütter-Mafia“, „Rubinrot“- und „Silber“-Trilogie) durfte als Kind keine populären Jugendbücher lesen. „Meine Mutter hatte etwas gegen die Trivialliteratur von damals, ‚Hanni & Nanni‘ kam bei uns nicht ins Haus“, sagte die 49-Jährige der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstag). Auch „Fernsehen, Süßigkeiten, Barbiepuppen, Popmusik“ seien tabu gewesen. 

Stattdessen hätte sie zum Lesen alles von „der Empfehlungsliste für die Jugendbuchpreise“ zur Auswahl gehabt, berichtete die Schriftstellerin. „Romane, in denen der Vater Alkoholiker ist, eine psychische Krankheit hat und Kinder in KZs von ihren Eltern getrennt werden. Vermutlich pädagogisch wertvoll aufgearbeitet, aber als Achtjährige habe ich das alles nicht verstanden, sondern nur die bedrückende Stimmung aufgenommen und die Welt für einen schlimmen Ort gehalten.“

Das Leseverbot in der Kindheit habe Einfluss auf ihr späteres Schreiben gehabt, sagte Gier weiter: „Ich wollte Geschichten so erzählen, dass Kinder und Jugendliche sich während und nach der Lektüre gut fühlen, am liebsten besser als vorher. Dass ihnen das Lesen einfach nur Spaß macht und vielleicht ein bisschen Mut, die Welt positiv zu sehen.“ Sie habe sich früh durch „pädagogisch-wertvolle Kinderliteratur manipuliert und auch nicht ernst genommen gefühlt“ und sei immer dankbar für „spannende, ehrliche, warmherzige Lektüre wie sie zum Beispiel die wundervollen, zeitlosen Bücher von Astrid Lindgren bieten“ gewesen. Die Vielzahl ernster, bedrückender „Problem“-Bücher auf dem Kinder- und Jugendbuchmarkt habe sicher ihre Berechtigung, sagte Gier, deren Bücher sich millionenfach verkauften, mehrfach verfilmt worden sind und seit Jahren oftmals ununterbrochen auf der Spiegel-Bestseller-Liste stehen. Gleichwohl könne „ein unterhaltsames, fröhliches Gegengewicht“ auch heute nicht schaden.

Zu ihrem „großen Kummer“ liest ihr 16-jähriger Sohn „überhaupt nicht gerne“, sagte die Autorin. „Ich finde es so schade für ihn, weil mich das Lesen doch immer so glücklich gemacht hat. Es tut mir leid für ihn, dass er die wunderbare Erfahrung, sich völlig in einer Geschichte zu verlieren, bisher nicht gemacht hat.“ Sie sei davon überzeugt, dass ihr Mann und sie „erziehungstechnisch“ alles richtig gemacht hatten, „aber manchen Kindern erschließt sich das Geheimnis einfach nicht“, sagte sie.

(Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung)

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