Hohe Erträge ab Auflage eins

Bislang hat sich Bookwire auf den Vertrieb von E-Books und digitalen Hörbüchern spezialisiert. Zur Frankfurter Buchmesse kommt eine dritte Säule hinzu: Das Frankfurter Unternehmen bietet dann auch Print-on-Demand-Dienstleistungen an.
Die Verlagskunden (laut Bookwire mehr als 1000) können direkt aus der Bookwire-Software („Bookwire MACS“) heraus PoD-Titel anlegen und im stationären Buchhandel sowie Onlinehandel verfügbar machen. Bookwire kooperiert mit einem großen PoD-Dienstleister (der ungenannt bleiben soll).
Flankiert wird die Ausweitung des Geschäftsfeld von einem neuen Markenauftritt (Claim: „Next Level Digital Publishing“) sowie Relaunch der Website.
Im Interview schildern die Gründer Jens Klingelhöfer und John Ruhrmann die Hintergründe.  
Warum setzt ein zunächst reines Digitalunternehmen auf Print?
John Ruhrmann: Für uns ist das die logische Abrundung unseres Leistungsversprechens gegenüber unseren Verlagen. Als wir Bookwire gegründet haben, sagten wir den Verlagen: Wir bringen eure Bücher in die Shops; mit einem Vertrag könnt ihr die ganze Branche erreichen und eure digitale Distribution einfach und effizient aus einer Plattform heraus steuern. Dieses Prinzip gilt noch heute, wenn wir auch Print on Demand anbieten. Digitalisierung bedeutet auch Digitalisierung der Prozesse, und: sich deren Vorteile zunutze zu machen. Wir haben viele E-Book-only-Verlage, die auf diese Art und Weise ihre Sichtbarkeit erhöhen können, indem ihre Bücher in den stationären Handel und 1000 Onlineshops wie Amazon, Hugendubel, Thalia, Weltbild kommen. 
Jens Klingelhöfer: Schon vor Jahren hatten wir Print on Demand als mögliche Dienstleistung auf dem Schirm, doch damals waren Qualität und Preise und somit die Margen für die Verlage nicht attraktiv genug, gerade wenn man Taschenbücher zwischen 10 und 15 Euro herausbringen wollte. Das hat sich bis dato verändert. Verlage können heute viel früher darüber nachdenken, weitere Auflagen on demand zu drucken oder sogar gleich so zu starten, weil der Deckungsbeitrag wesentlich höher ist. Die Verlage sollten eine ehrliche Kalkulation machen und bei der Offset-Produktion einerseits die Kosten für Lagerhaltung und andererseits das Risiko, die Auflage nicht abzuverkaufen, mit berücksichtigen. Dagegen stehen bei Print on Demand hohe Erträge ab Auflage eins.
Wie weit ist Print on Demand heute in der Branche verbreitet?
Klingelhöfer: Einige große Verlage setzen längst auf PoD, sei es bei einzelnen Reihen oder Nachauflagen, und das oft, ohne das an die große Glocke zu hängen. Lange Zeit gab es Vorurteile gegenüber der Qualität der Bücher, das hat sich verändert. Dem Leser fällt der Unterschied heute nicht mehr auf. Bücher haben Verwertungszyklen, und in diesen Prozess kann Print on Demand schon am Anfang oder aber am Ende gut hineinpassen.
Wie passt PoD zum Versprechen des Buchhandels, über Nacht zu liefern?
Ruhrmann: Mit PoD ist es vielleicht eine Nacht mehr, allerdings nur bei schwach nachgefragten Büchern. Titel, die bereits am Markt nachgefragt werden, werden vom Handel und von den Barsortimenten ans Lager genommen, und dann gibt es keine Nachteile bei der Lieferung.  
Ist Ihr neues PoD-Angebot eine Reaktion auf den laut GfK ausgebremsten E-Book-Markt?
Klingelhöfer: Nein. Aus unserer Sicht schwächelt der E-Book-Markt keineswegs, ganz im Gegenteil. Unsere Verlage steigerten im letzten Jahr ihre digitalen Erlöse im Schnitt um 30 bis 35%, ein großer Teil wächst noch deutlich dynamischer. Der PoD-Plan folgt dem Wunsch unserer Kunden und unserer Vision, alles aus einer Hand anbieten zu können. 
Ruhrmann: Es gibt bei uns keine „E-Pression“, und wir können die Statusmeldungen des Börsenvereins nicht nachvollziehen. Wir runden unser Angebot dadurch ab. Wir sind der einzige Aggregator bzw. das einzige Digitalvertriebunternehmen in Europa, das seinen Partnerverlagen den Vertrieb ihrer Bücher als E-Book, Audiobook und Print-On-Demand anbieten kann. Verlage müssen ansonsten auf unterschiedliche Anbieter zurückgreifen.

Kommentare

1 Kommentar zu "Hohe Erträge ab Auflage eins"

  1. Ralf Biesemeier | 10. Oktober 2015 um 0:38 | Antworten

    Ich will das nicht so hoch hängen, John, aber Du weisst, dass Ihr nicht „das einzige Digitalvertriebunternehmen“ seid, dass den Vertrieb von Büchern „als E-Book, Audiobook und Print on Demand“ anbieten kann. Weder in Europa, noch in Deutschland … Ist nicht seriös, das so zu behaupten, wenn Ihr wisst, dass readbox das schon eine Weile so anbietet.

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