Der Nobelpreis für Literatur ist weiblich

Mit Swetlana Alexijewitsch (67) (Foto: dpa) geht der Literaturnobelpreis 2015 an eine Frau und erstmals an eine Journalistin. Sie wurde für „ihr vielstimmiges Werk, das dem Leiden und dem Mut in unserer Zeit ein Denkmal setzt“ ausgezeichnet. Die Weißrussin Swetlana Alexijewitsch war bereits in den Jahren zuvor immer wieder als Kandidatin gehandelt worden. 2013 wurde der Autorin, deren Bücher u.a. um den Russischen Sozialismus kreisen, bereits der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen.

Die Bücher der 1948 geborenen Autorin erscheinen in deutscher Übersetzung vorwiegend bei Hanser Berlin und Suhrkamp. Zuletzt erschienen von ihr 2014 bei Hanser Berlin „Zinkjungen: Afghanistan und die Folgen“, „Secondhand-Zeit. Leben auf den Trümmern des Sozialismus“ (2013, Hanser Berlin, 2015 als Taschenbuch bei Suhrkamp), „Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft“ (2006, Berlin Verlag und 2015 TB-Ausgabe bei Piper), „Die letzten Zeugen: Kinder im Zweiten Weltkrieg“ (1989, Neuauflage 2014 bei Hanser Berlin), „Der Krieg hat kein weibliches Gesicht“ (1987, Neuauflage 2013 bei Hanser Berlin, Taschenbuch bei Suhrkamp). „Gespräche mit Lebenden und Toten“, das einzige bisher als Hörbuch veröffentlichte Werk der Autorin, hat der Hörverlag im Programm.

„Secondhand-Zeit“ stand 2013 über 7 Wochen auf der SPIEGEL-Bestsellerliste Sachbuch (beste Platzierung Rang 8), „Der Krieg hat kein weibliches Gesicht“ und „Tschernobyl“ erreichten ebenfalls eine Platzierung.

„Swetlana Alexijewitsch hat ein literarisch wie menschlich einzigartiges Werk geschaffen. Ihre Bücher sind eine Chronik des homo sovieticus, für die sie ein eigenes, zwischen Belletristik und Dokumentation liegendes Genre geprägt hat“, kommentiert Hanser Berlin-Verleger Karsten Kredel.

Alexijewitsch ist bereits mit zahlreichen namhaften Preisen geehrt worden, darunter dem Tucholsky-Preis des Schwedischen PEN (1996), dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung (1998), dem Preis Das politische Buch der Friedrich-Ebert-Stiftung (1998), dem Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis der Stadt Osnabrück (2001), dem National Book Critics Circle Award (2006), dem polnischen Ryszard-Kapu?ci?ski-Preis (2011), dem mitteleuropäischen Literaturpreis Angelus (2011) sowie dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (2013).

Auch das Komitee wurde in diesem Jahr erstmals von einer Frau angeführt: Die Entscheidung wurde durch die weibliche Vorsitzende, Sara Danius, verkündet. Die neue Weiblichkeit ist auch ein politisches Signal: Bislang waren nur 13 der 107 Literaturnobelpreisträger weiblich.

Im Vorfeld war Alexijewitsch bei den britischen Buchmachern von Ladbrokes bereits als Favoritin gehandelt worden mit einer Quote von drei zu eins. Weitere Anwärter waren in diesem Jahr u.a. die Kanadierin Margaret Atwood, die ägyptische Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Nawal El Saadawi, der Japaner Haruki Murakami, der US-Amerikaner Philip Roth sowie der Kenianer Ngugi wa Thiong’o und die Nigerianerin Chimamanda Ngozi Adichie.

Der Literaturnobelpreis ist mit acht Millionen Kronen (etwa 850.000 Euro) dotiert. Im vergangenen Jahr war der Nobelpreis für Literatur an den französischen Schriftsteller Patrick Modiano (70) gegangen.

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