Zu viele Buchhändler in der Jury?

Sehr unterschiedliche Reaktionen löst die Shortlist für den Deutschen Buchpreis am Tag nach ihrer Veröffentlichung in den Medien aus: Die „taz“ spürt dem Einfluss der Buchhändler in der Jury nach, die „Welt“ tobt und „Zeit Online“ sieht einen klaren Favoriten.

Auffällig viele Bücher, „die Buchhändler lieben“ findet die Berliner „taz“ auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis. „Ist es Chuzpe? Ist es Kalkül?“, fragt Dirk Knipphals amüsiert. „Auf jeden Fall hat diese Shortlist eine Anmutung von: Uns doch egal, was sonst der Literaturbetrieb so denkt, welche Bücher gelesen und prämiert werden müssten; wir packen jetzt mal die Bücher auf die Liste, die wir am liebsten gelesen haben.“

Bemerkenswert sei insbesondere das Fehlen der Bücher der Literaturbetriebsgrößen Feridun Zaimoglu, Ilija Trojanow und Clemens J. Setz. „Lauter einzelne Liebhaberbücher sind das, für unterschiedliche Geschmäcker. Ein literarischer Trend ist nicht zu erkennen. Diese Liste ist so etwas wie eine gehobene Leseempfehlung – aber darin wenigstens cool.“

In der „Welt“ dagegen tobt Richard Kämmerlings gegen Preis und Jury, weil Clemens J. Setz‘ „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“ auf der Liste fehlt. Der Buchpreis werde sinnlos, wenn solche Bücher es nicht in die engere Wahl der Jury schafften, giftet Kämmerlings. Überhaupt sei die Jury fehlbesetzt. „Nichts gegen Buchhändlerinnen, Festspielintendanten oder auch andere passionierte Leser – in einer Jury für den besten Roman haben sie dennoch nichts verloren. Hier gehören einfach die besten Kritiker aus Deutschland, Österreich und der Schweiz hinein“, schäumt der „Welt“-Redakteur. Freilich ausdrücklich „ohne damit irgendetwas Schlechtes über die sechs Bücher sagen zu wollen, die es geschafft haben“.

Auf „Zeit Online“ zeigt sich dagegen Helmut Böttiger ganz zufrieden mit der Shortlist. Klarer Favorit sei Ulrich Peltzers „Das bessere Leben“. Über die Jury-Arbeit schreibt Böttiger: „Der Deutsche Buchpreis ist ja ein Zwitter aus literaturkritischen Erwägungen und Buchhandelsexpertisen – welches Buch könnte man der Tante am gefahrlosesten unter den Weihnachtsbaum legen? Diese Problematik wird in jedem Jahr mit jeder Jury auf Neue austariert.“ Dabei habe sie in diesem Jahr „nicht viel falsch gemacht“

Die Jurymitglieder sind Markus Hinterhäuser (Wiener Festwochen), Rolf Keussen (Buchhandlung Mayersche Droste, Düsseldorf), Ursula Kloke (Botnanger Buchladen, Stuttgart), Claudia Kramatschek (freie
Kritikerin), Ulrike Sárkány (Norddeutscher Rundfunk), Christopher Schmidt (Süddeutsche Zeitung) und Bettina Schulte (Badische Zeitung).

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