Scharfe Kritik an Amazon-Arbeitsbedingungen

Der allgemeine Vorwurf, in den Logistikzentren des Onlineriesen Amazon herrsche raues Klima, ist oft zu hören und zu lesen. Aber was genau werfen Arbeitnehmervertreter dem Arbeitgeber Amazon vor? Die gewerkschaftsnahe, im Bund Verlag erscheinende Fachzeitschrift „Arbeitsrecht im Betrieb“ („AiB“) stellt die wichtigsten Kritikpunkte der Gewerkschaft Verdi vor.

„Druck, Kontrolle und Arbeitshetze“ kennzeichneten die Arbeit in den Amazon-Lägern, zitiert „AiB“ eine Gewerkschaftsvertreterin. Das reiche von der Verpflichtung der Mitarbeiter, schon vor Arbeitsbeginn alle Arbeitsmittel bereitzulegen, um nach der Schichtbesprechung sofort loslegen zu können, bis hin zur lückenlosen Überwachung der Beschäftigten mithilfe ihrer Handscanner.

Durch die Technik könne der Arbeitsdruck auf die Mitarbeiter immer weiter erhöht werden, schildert „AiB“: Die Daten verschiedener Arbeitnehmer würden verglichen und vermutlich komme die Technik auch bei der Erstellung von „Inaktivitätsprotokolle“ zum Einsatz, in denen Kleinstpausen von einer oder zwei Minuten minuziös aufgezeichnet und den Mitarbeitern vorgehalten würden.

Als wichtiges Druckmittel dienten Amazon außerdem die befristeten Arbeitsverträge. „In der Regel werden befristet Beschäftigte nicht weiterbeschäftigt, obwohl ihnen dies bei guten Leistungen regelmäßig in Aussicht gestellt wird. So wird ein System des fleißigen und angepassten Arbeitens und miteinander Umgehens erzeugt. Betroffene leben in permanenter Unsicherheit ihrer materiellen Existenz und Zukunft. Beschäftigte, die sich offen für bessere Arbeitsbedingungen bei Amazon einsetzen, werden systematisch wieder hinausgedrängt“, zitiert „AiB“ die Verdi-Einschätzung.

An den deutschen Standorten seien 50 bis 70% der Mitarbeiter zeitlich befristet beschäftigt – und nach der maximal möglichen Befristungsdauer von zwei Jahren sei dann in der Regel Schluss. Nur an den ältesten deutschen Standorten Bad Hersfeld und Leipzig sei ein Rückgang der Befristungen zu beobachten.  Nach Ansicht der Gewerkschafter sei der Grund dafür aber nicht etwa eine arbeitnehmerfreundliche Kehrtwende des Onlineriesen, sondern schlicht, dass „der örtliche Arbeitsmarkt an den beiden Standorten nicht mehr genug Beschäftigte für Amazons Drehtürpolitik bietet“.

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