Traditionell und sehr innovativ

Die Frankfurter Buchmesse richtet den Fokus in diesem Jahr auf sieben internationale Märkte (mehr Infos am Ende des Artikels). Im Vorfeld präsentiert die Messe in Kooperation mit buchreport eine Serie, in der Experten aus den Ländern ihre Märkte vorstellen. Diesmal: Niels Peter Thomas (Executive Vice President, German Language Science Publishing, Springer Nature, Geschäftsführer, Springer Fachmedien Wiesbaden, hier weitere Infos) über den deutschen Buchmarkt.

Wie entwickeln sich die marktführenden Verlage in den wichtigsten Buchmärkten der Welt? Das „Global Ranking“ von buchreport fasst die wichtigsten Entwicklungen zusammen und nimmt 57 Verlagsgruppen unter die Lupe. Hier weitere Infos


Was sind die drei erstaunlichsten Fakten Ihres Buchmarktes?

Auf Platz 1 der erstaunlichsten Fakten des Buchmarktes gehört, dass man durch kleine Änderungen in der Definition „Was ist ein Buch?“ sehr große Unterschiede im „Buchmarkt“ feststellen kann, die zu vollkommen unterschiedlichen Einschätzungen der Zukunftsfähigkeit der Branche führen. 

„Mein“ Buchmarkt besteht aus Lehr-, Fach-, und Sachbüchern, inklusive Wissenschaftsliteratur. Mein persönliches Verständnis von Buchmarkt geht aber wesentlich über den Geltungsbereich der Buchpreisbindung oder Aktivitäten des Börsenvereins hinaus. Zwei weitere erstaunliche Fakten dieses Marktes sind:  (2) Er ist traditionell und zugleich sehr innovativ. (3) Anders als landläufig angenommen, waren und sind im digitalen Buchmarkt Innovationen im Geschäftsmodell wichtiger als technische Innovationen.

Was können andere Märkte von Ihrem lernen? 

Ein Buch impliziert zwei Dienstleistungen. Eine für den Autor und eine für die Leser. Betrachtet man beide Dienstleistungen getrennt voneinander, kann man viele wertvolle Hinweise für zukünftige Entwicklungen in der Buchwelt ableiten. Das ist im Prinzip in fast allen Medienbereichen der Fall, aber nicht überall wird diese Sichtweise konsequent angewendet.

Wo sind die größten Schwächen Ihres Marktes?

Auf lange Sicht wäre die größte Schwäche des Marktes, wenn durch die digitale Transformation Technologien wichtiger würden als Inhalte. Das muss aber so nicht eintreffen und ist gestaltbar.

Wie wird sich der digitale Markt bei Ihnen bis 2020 entwickeln?

Vordergründig wird natürlich der digitale Markt weiter wachsen und der „analoge“ relativ dazu schrumpfen. Aber am Ende werden wir vermutlich nicht mehr vom „digitalen Markt“ reden, sondern wieder nur noch vom Markt. Digitale und traditionelle Formate werden miteinander verschmelzen, und es wird selbstverständlich sein, Inhalte in den verschiedensten Formaten anzubieten und zu konsumieren. Digital wird also integriert und selbstverständlich.

Welcher andere ausländische Buchmarkt interessiert sie am meisten und warum? 

Der chinesische. Erstens, weil ich viele Jahre dort verbracht habe und ihn daher schon lange beobachte. Zweitens, weil es der größte homogene Einzelmarkt im Buchbereich ist, das alleine macht ihn attraktiv und spannend. Drittens, weil er sich zwangsläufig ganz anders entwickeln wird als andere Buchmärkte: durch die starke staatliche Regulierung auf dem chinesischen Medienmarkt entwickeln sich andere Formate und Geschäftsmodelle, und es dominieren andere Risiken, aber auch andere Chancen.

Welchem Autor aus ihrem Land wünschen Sie den Durchbruch in Frankfurt?

Die Autoren der mehr als 2000 Bücher, die in meinem Verlag in diesem Jahr erschienen sind, sind überwiegend Wissenschaftler. Ihr Ziel ist der Durchbruch in ihrer Fach-Community, nicht in Frankfurt. Wenn ich mir allerdings etwas für eine Autorengruppe wünschen würde, dann sind es junge Autoren, die sich viel Mühe machen, um didaktisch und elektronisch gut aufbereitete innovative Lehrbücher zu schreiben. Das wird in der Wissenschaftswelt oft nicht besonders gewürdigt, ist aber nach wie vor sehr wichtig für die Ausbildung und Motivation der nächsten Studentengeneration.

Das internationale Geschäft steht im Mittelpunkt der neuen Auftaktveranstaltung „The Markets – Global Publishing Summit“ am Vortag der Frankfurter Buchmesse (14.-18. Oktober 2015). Vorgestellt werden sieben internationale Buchmärkte, die von Branchenexperten vorgestellt und aus verschiedenen Blickwinkeln mit dem Ziel analysiert werden, Geschäfte vor Ort anzubahnen sowie potentielle Geschäftsfelder sichtbar zu machen. Aus jedem Buchmarkt wird jeweils ein Segment in den Fokus gerückt:

  • China – Internationale Kooperationen und Joint Ventures
  • Deutschland – Wissenschaftliches Publizieren und Fachinformationen
  • Indonesien – Publikumsverlage
  • Mexiko – Publikumsverlage
  • Südkorea – Bildung und Kinderbücher
  • Türkei – Gesamtmarkt
  • USA – Digitales Publizieren und Innovation

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