Keine unerwünschte Vermarktung

Tatjana Kerschbaumer wirft im Tagesspiegel ein Schlaglicht auf Autoren, deren literarische Werke erst nach ihrem Tod veröffentlicht wurden und ihnen teilweise auch erst post mortem zu Ruhm verhalfen.

Als Beispiele führt sie Wolfgang Herrndorf, Hans Fallada, Franz Kafka, Andreas Franz sowie – aus aktuellem Anlass – Stieg Larsson und Günter Grass an. Während Grass verfügt habe, „dass sein letztes Buch posthum erscheinen dürfe“, konnte Larsson auf den vierten Band seiner „Millennium“-Reihe überhaupt keinen Einfluss mehr nehmen: Der Roman wurde vom schwedischen Autors David Lagercrantz verfasst – was viele Freunde und Fans Larssons ärgert. Beide Bücher sorgen derzeit nicht nur für Schlagzeilen, sondern nehmen auch Kurs auf die Bestsellerliste.

Kerschbaumer Einschätzung: „Etliche Schriftsteller werden erst nach ihrem Tod zu Ikonen. Die Gründe dafür sind so vielfältig wie ihr Werk. Die Bücher des Schweden Stieg Larsson etwa wurden erst nach seinem Tod publiziert, weil er sie zu Lebzeiten unter Verschluss gehalten hatte. Andreas Franz’ dagegen hatte Jahr um Jahr erfolgreiche Krimis geschrieben. So erfolgreich, dass sein Verlag Droemer Knaur schlicht beschloss, Franz’ nicht sterben zu lassen – und dem Autor Daniel Holbe die Aufgabe übertrug, in Franz’ Autorennamen die Julia-Durant-Reihe weiterzuschreiben. Stieg Larsson ergeht es ähnlich.“

In Extremfällen – wie dem von Kafka – setzten sich die Angehörigen und Nachlassverwalter über den Wunsch des Verstorbenen hinweg und publizierten seine Texte posthum gegen dessen Willen. Im Idealfall aber erfolge eine Veröffentlichung im Sinne des Autors, wie bei Herrndorf. „Sie wollten gar nicht erst den Verdacht aufkommen lassen, man vermarkte den Autor gegen seinen Willen“, beschreibt Kerschbaumer das Vorgehen seiner Angehörigen.

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