Teurer Hoffnungsträger

Wenn alles nach den Plänen des CEO Marc Lore läuft, dürfte Jet dem E-Commerce-Marktführer Amazon in wenigen Jahren ernsthaft Konkurrenz machen. In den vor einem Monat an den Start gegangenen Online-Shop haben Investoren bereits 225 Mio Dollar gesteckt.

Um an dem Allmachtsanspruch von Amazon zu kratzen, geben Lore und sein Team derzeit 5 Mio Dollar im Monat aus. Das erklärte Ziel ist, bis zum Jahr 2020 mit 15 Mio Nutzern rund 20 Mrd Dollar umzusetzen – mit Profiten rechnet bis zu diesem Zeitpunkt im Unternehmen keiner.

Auch wenn der Ansatz, mit hohen Ausgaben ein finanzielles Risiko einzugehen und in erster Linie auf einen großen Umsatz zu bauen, an Amazon erinnert, grenzt sich Jet in seinem Shop-Konzept bewusst vom Online-Riesen ab: Die Nutzer, die jährlich einen Mitgliedsbeitrag von 50 Dollar zahlen müssen, werden über niedrige Preise gelockt, die 10 bis 15% unter denen von Amazon liegen sollen. Möglich machen dies unterschiedliche Vertriebsmodelle (unter anderem ein Affiliate-Programm), bei denen Jet zunächst einmal draufzahlt und die erwirtschafteten Dollar an die Kunden weiterreicht. Perspektivisch sollen die Nutzer durch möglichst große und optimal gepackte Warenkörbe, die auch die regionale Verfügbarkeit miteinbeziehen, Geld sparen.

Lore glaubt, der Jet-Ansatz passt zum künftigen Shopping-Verhalten. Seine These: Je weiter der E-Commerce wächst, desto mehr Verbraucher werden größere Bestellungen aufgeben und niedrige Preise kurzen Lieferzeiten vorziehen. Während die Lieferzeiten somit als zweitrangig eingestuft werden, will das Unternehmen in puncto Warenangebot keine Kompromisse machen: Um Amazon etwas entgegensetzen zu können, wird ein kompletter Warenhauskatalog unerlässlich sein. Einer der erfolgsentscheidenden Faktoren ist für Jet daher die Akquise starker Handelspartner aus allen Branchen.

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