Uns fehlt die Streitlust

Das mediale Interesse an der Neuauflage des „Literarischen Quartetts“, die im Herbst im ZDF starten wird, ist im Vorfeld unverändert hoch. Die „NZZ am Sonntag“ hat mit Volker Weidermann, seit Mai Kritiker beim SPIEGEL und neuer Leiter des Quartetts, über das geplante Format gesprochen.

Dabei hat Weidermann noch einmal herausgestellt, dass Befürchtungen, es könnte zu harmonisch in der Sendung zugehen, unberechtigt seien: Erkenntnis darüber, was interessante und wichtige Literatur sei, entstehe oft durch Widerspruch. Eine Qualität, die seines Erachtens derzeit in der Literatur und der Gesellschaft im Allgemeinen zu kurz komme: „Die Streitkultur fehlt uns im Angela-Merkel-Land, das ganz auf Konsens ausgerichtet ist. Es schläfert uns ein. Das überträgt sich auf den literarischen Diskurs, man sucht den kleinsten gemeinsamen Nenner. Es wäre schön, wenn das wenigstens in dieser kleinen Insel der Sendung anders wäre.“

Als Garanten dafür sieht er offenbar vor allem den Autor Maxim Biller, neben Weidermann und Christine Westermann eines der drei festen Mitglieder des Quartetts: Biller sei „für seine Angriffslust berüchtigt“. Als meinungsstark und streitlustig charakterisiert Weidermann auch den Schriftsteller Daniel Kehlmann, den er als „idealen Gast“ für die Runde ins Spiel bringt: „Er beschimpft auch permanent Kritiker, dass sie sich nicht auskennten, und verströmt eine angenehme Hybris.“

Weidermann selbst habe sich leider noch keine persönlichen Feinde erschrieben, doch mit einer Volte versucht er sein Image des vor allem emphatischen Kritikers zurechtzurücken: Es gebe Autoren, „deren Literatur ich falsch finde, die mich aufregt, die ich als manieriert und kunstgewerblich und nicht zeitgemäss empfinde, etwa Martin Mosebach oder Georg Klein oder die ganzen neuen bleichen Jünglinge der deutschen Literatur mit ihren sphärischen Weltraumromanen.“

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