Attraktive Werbeeinahmen sind möglich

Spätestens seit dem Einstieg von Amazon ist der Markt für Ebook-Abos stark in Bewegung. Im Wettbewerb mit dem US-Unternehmen und Pionieren wie Skoobe setzt Readfy weiterhin auf kostenlose Lektüre plus Werbeerlöse – auch wenn der Weg dorthin länger und steiniger ist als gedacht. Im Interview skizziert Geschäftsführerin Miriam Behmer (Foto) das Potenzial von Reader-Analytics und zeigt, wo ihr Unternehmen auf der Suche nach frischem Geld aktuell steht.


Readfy macht mit beim buchreport-Webinar über Ebook-Abos am Montag, 22. Juni, 16 Uhr. Weitere Referenten und Diskutanten sind der US-Marktforscher Peter Hildick-Smith, der Journalist Matthias Matting sowie Skoobe-Chefin Constance Landsberg. Es sind noch wenige Plätze frei. Hier weitere Infos.


Was sind die überraschendsten Erkenntnisse Ihrer jüngsten Analyse zu Ihren Nutzern?
Ganz ehrlich? Dass Männer über 60 sehr gerne romantische Liebesromane lesen, war durchaus überraschend! Aber auch unsere generelle Zahlen. Klar, dass Verlage über Flatrate und Abo-Modelle andere Zielgruppen erreichen. Das ist bei unserem werbefinanzierten Gratis-Lesen-Ansatz besonders stark ausgeprägt und deutlich erkennbar, wenn man User nach Ihren Motiven und Lesevorlieben befragt. Allerdings unterscheiden sich die Leser in allgemeinen Merkmalen wie Alter- und Geschlecht weit weniger von klassischen Lesern, als ich anfänglich dachte. Unser typischer User ist Mitte 40 und eine Frau. 
Gerade bei einer App wie Readfy ist man von vielen Lesern unterwegs ausgegangen. Stattdessen ist Sonntag-Abend der Peak. Ist der mobile Buchleser eine Mär?
Keinesfalls. Dafür sind die Unterschiede zwischen den Lesetagen bzw. -zeiten zu gering. Zwischen Montag morgens und Sonntag abends liegt bei unseren Lesern gerade mal eine Abweichung von 10%. Neben Sonntag abends sehen wir auch Peaks in den typischen „Auf dem Weg Zur Arbeit“-Zeiten. Generell muss man aus meiner Sicht mit dem Wort „mobil“ aufpassen: User lesen auf mobilen Geräten wie Tablets und Smartphone und haben vermehrt den Anspruch, dies jederzeit tun zu können – ob unterwegs oder zu Hause. So werden Peaks in Lesezeiten zukünftig immer weniger stark ausgeprägt sein. 
Die meisten Verlage haben kaum Daten über ihre Leser. Was könnte sich durch die Nutzung von Reader Analytics, also der Auswertung von Daten zum Leseverhalten, konkret ändern?
Ich denke, das große Stichwort hier ist: testen. Aus meiner Sicht gibt es nicht den perfekten Content. Es gilt herauszufinden, welche Inhalte wann, wo und wie und vor allem bei welcher Zielgruppe am besten passen – und das mit einem möglichst geringen Aufwand. Die Auswertung von Leseverhalten ermöglicht es Verlagen, direktes Feedback zu sammeln, Trends zu erkennen, daraus zu lernen und auf Basis dieser Erkenntnisse Buchinhalte, Covergestaltung und Marketingaktionen noch mehr leserorientiert zu gestalten. Ein gutes Beispiel sind Ebook-Serien: Der Vorteil, Leserdaten von einem Band auszuwerten und auf das Feedback im folgenden Band zu reagieren, liegt auf der Hand. Ein solcher Testansatz ermöglicht es auch, kostengünstig neue Ideen ausprobieren zu können, bevor die komplette Verlagsmaschinerie anlaufen muss. Ähnlich wie es bei einem Start Up und/oder einer E-Commerce-Plattform Sinn macht, neue Ideen erst mal mit einem „Minimum Viral Product (MVP)“ zu testen, bevor man sich dafür entscheidet, es im Detail zu konzipieren und teuer entwickeln zu lassen. 
Wo läuft die Produktion der Verlage am Leser vorbei? 
So allgemein lassen sich bestimmte Produktionen aus meiner Sicht nicht verteufeln. Ich denke, wichtig ist es, im Hinterkopf zu behalten, dass verschiedene Sales-Strategien (Verkauf, Leihe, Flatrate), Formate (Print, Ebook, App), Plattformen und Zielgruppen häufig unterschiedliche Herausforderungen und Bedürfnisse mit sich bringen. Wir merken z.B. bei Readfy, dass Ratgeber, die sich durchaus gut verkauft haben, bei uns teilweise nicht gut laufen. Eine Erklärung ist, dass wir eine andere Zielgruppe ansprechen. Die Frage ist nur, wieso lesen unsere User weniger Ratgeber? Interessieren sie sich generell nicht für dieses Genre, lesen sie Ebooks von diesen Genres auf anderen Plattformen, oder haben sie eine andere Erwartung an das Ratgeberformat?
Readfy kämpft in diesem Jahr, um Geld für weiteres Wachstum zu bekommen. Wie ist der Stand der Dinge?
Das ist korrekt. Wie die meisten Start Ups sind für uns Investitionsrunden sehr entscheidend. Offiziell kann ich hier leider noch nichts verraten. Aber sagen wir es mal so: Wir führen diverse Gespräche, die sich sehr positiv entwickeln. 
Haben Sie das Potenzial der Werbefinanzierung als Geschäftsgrundlage überschätzt?
Das Potenzial – das kann ich mit einem klaren Nein beantworten. Je tiefer ich in das Mobile Advertising-Thema einsteige, desto klarer wird mir, dass es möglich ist, mit diesem Kanal Werbeeinahmen zu erzielen, die für uns, aber auch die Verlage mehr als attraktiv sind. Ich bin mir sicher, dass sich unser Business Case umsetzen lässt. Allerdings muss man in diesem Zusammenhang betonen, dass es natürlich etwas dauert, bis man als Start-Up seine angestrebten KPIs (steht für „Key Performance Indicators“ und beschreibt Schlüsselkennzahlen, mit denen die unternehmerische Leistung widergespiegelt wird, d. Red.). erreicht. Wir sind hier auf einem sehr guten Weg: Seit unserem Launch im September steigen unsere Einnahmen pro Leser jeden Monat deutlich, seit Dezember schaffen wir zudem mit einer 100% Fillrate jeden Werbeplatz zu befüllen. Mit YOC als neuen Vermarkter haben wir jetzt einen weiteren sehr wichtigen Meilenstein erreicht. Das Android App-Update ist seit wenigen Wochen, das iOS App-Update erst seit wenigen Tagen live, aber die Zahlen sehen vielversprechend aus.
Was planen Sie noch in diesem Jahr?
Neben vielen weiteren Themen kann man meine Ziele in drei Hauptthemen unterteilen:
1. Wir haben jetzt schon über 900 Verlage angeschlossen. Das ist vorerst kein schlechtes Ergebnisse, trotzdem ist für uns eine permanente Erweiterung unseres Katalogs natürlich entscheidend. Der Knackpunkt sind hier aus meiner Sicht unsere Werbeeinahmen. Da sich diese immer weiter entwickeln, bin ich überzeugt, weitere Verlage von unserem Modell überzeugen zu können.
2. Auf Basis des abgeschlossenen Invests unsere Userbasis mit Marketingmaßnahmen signifikant erhöhen zu können und unsere sehr guten CRM-Kennzahlen dabei soweit wie möglich zu halten.
3. Unser Produkt für weitere Zielgruppen attraktiver zu machen. Laut einer Umfrage, bei der wir Antworten von über 2000 Teilnehmern ausgewertet haben, stören sich nur 10% an unserem werbefinanzierten Modell. Allerdings fordern knapp 60% die Möglichkeit, Ebooks offline lesen zu können. Auf diesen Userwunsch werden wir noch dieses Jahr reagieren – mit welchem Modell genau, wird aber noch nicht verraten.
In den USA hat Amazon in Kürze den Markt für Ebook-Abos aufgerollt. Wie stark ist Amazon hierzulande?
Amazon darf man natürlich nie unterschätzen. Sie sind ein sehr ernst zu nehmender Player. Was man aber auch nie vergessen darf: Geht ein großes Player wie Amazon in ein neues Geschäftsmodell rein, kann das auch kleineren Marktteilnehmern helfen. Die Akzeptanz für neue Ansätze steigt einfach automatisch, bei Verlagen und Lesern. Das war bei Ebooks schon so, bei Ebook-Readern ebenfalls, und ähnliche Effekte sind jetzt auch bei Ebook-Abos erkennbar.
Wie viel Platz sehen Sie für Wettbewerber wie Readfy?
Amazon wird sich sein Stück vom Kuchen nehmen, das ist klar. Die Tolino-Allianz hat aber deutlich gezeigt, dass es möglich ist, im deutschen Markt ein Quasi-Monopol Amazons aufzuhalten.
Aus Readfy-Sicht haben wir durch unseren Gratis-Lesen-Ansatz den großen Vorteil, dass wir uns deutlich von einem reinen Bezahl-Abo-Ansatz unterscheiden. Diesen USP können wir in der Kundengewinnung klar ausspielen. Wie in jedem Markt muss man sich schlichtweg Gedanken über den Mehrwert machen, den man seinen Usern im Vergleich zu anderen Playern auf dem Markt bieten möchte. Mit Modellen, die dem von Amazon inhaltlich wie auch preislich sehr ähnlich sind, wird es aus meiner Sicht schwierig.

Kommentare

2 Kommentare zu "Attraktive Werbeeinahmen sind möglich"

  1. Leander Wattig | 8. Juli 2015 um 23:31 | Antworten

    „Minimum Viral Product (MVP)“ ist auch schön. Gern beim Virenschleuder-Preis einreichen. 🙂

  2. Lohnt sich das denn? Readfy hat seit 6 Monaten unter 50K (z.T. deutlich weniger) Visits pro Monat. Zumindest lt. similarweb bzw. alexa. Das interesse scheint überschaubar zu sein, seit 2 Monaten werden maximal 20K visits im Monat gemessen.

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