Nicht die Randständigkeit propagieren

„Lyrik ist klein, drollig, zu vernachlässigen“, fasst Nora Bossong, selbst mehrfach preisgekrönte Dichterin, in der aktuellen Ausgabe der „Zeit“ die Rolle der Poesie für den Buchmarkt und die Gesellschaft zusammen. Zwar sei das Interesse der nachwachsenden Lesergeneration an lyrischen Stoffen groß und die Szene höchst umtriebig, aber dennoch „misslingt der Brückenschlag vom spezialisierten zum breiten Publikum ein ums andere Mal“.

Dafür mitverantwortlich ist Bossong zufolge der Buchhandel, „der Lyrikbände meist nur äußerst vorsichtig einkauft und sich dabei gern auf Goethe und Brecht verlässt“ – aber auch die Gruppe der Dichter, die sich von zugänglichen oder gar massentauglichen Texten grundsätzlich distanzieren.

Gelinge einem Lyriker tatsächlich einmal ein Bestseller, falle er aus der etablierten Rolle des Außenseiters heraus, zeigt Bossong am Beispiel Jan Wagners auf, dessen „Regentonnenvariationen“ in diesem Frühjahr im Buchmarkt Akzente gesetzt haben.

Sie urteilt: „Wenn einer plötzlich vom Rand ins Zentrum gestoßen wird, kann man das runterbügeln als literaturbetriebliche Show, man kann sich aber auch einlassen auf die Irritation, die das Publikum hier mal den Lyrikern zumutet.“ Bossong wünschte, es würde nicht „in jeder Generation von Neuem die Randständigkeit als Lebensprinzip der Poesie propagiert werden, als wäre eine Außenseiterposition per se heroischer Widerstand“.

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