Kartellbeschwerde gegen Konditionen-Keule?

Schon vor fast fünf Jahren haben sich Verlage mit Audible angelegt, um sich gegen die aus ihrer Sicht ungünstigen Konditionen zu wehren (Opens external link in new windowseinerzeit berichtete buchreport.de, seitdem beantwortet Audible grundsätzlich keine Anfragen mehr von buchreport). Jetzt liegt wieder Streit in der Luft. Die Amazon-Tochter hat Verträge mit Verlagen gekündigt, um diese in ein neues Flatrate-Modell zu zwingen.

Wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe vom 16.5.2015 berichtet, hat Audible. u.a. den Verlagen des Aggregators Bookwire gekündigt, um neue, verschärfte Konditionen durchzusetzen. Das altbekannte Muster: Wer nicht unterschreibt, wird ausgelistet – was angesichts des riesigen Marktanteils von Audible auf dem Markt für Hörbuchdownloads (schätzungsweise über 90%) für Verlage fatal ist. 
Die Hintergründe der Offensive von Audible sind vielfältig:

  • Es geht einerseits darum, das Portfolio des hauseigenen Abomodells Kindle Unlimited auszubauen. Zu dem Angebot gehören schon heute auch Hörbücher, bislang aber größtenteils Eigenproduktionen von Konzerntochter Audible, von den größeren Verlagen ist u.a. Lübbe Audio dabei. Jetzt will Audible mehr Titel von Verlagen gewinnen, vorwiegend kleinerer Verlage, „die kaum eine Wahl haben“, so der SPIEGEL. Die großen Hörbuch-Anbieter habe Audible bisher verschont.
  • Audible will offenbar nicht mehr mit Zwischenhändler wie Bookwire zusammenarbeiten (um die eigene Marge zu erhöhen). Neben Bookwire sind weitere Vertriebe betroffen.
  • Bookwire dürfte aber auch aus einem weiteren Grund ins Visier der Amazon-Tochter gerückt sein. Das Frankfurter Unternehmen, das 2014 das Hörbuch-Download-Portal claudio.de von der MVB übernahm, ist die zentrale Bezugsquelle des neuen Hörbuch-Download-Angebots von Tolino, mit dem Thalia im Dezember 2014 als Erster unter den Tolino-Partnern gestartet ist – die größte Konkurrenz von Amazon/Audible.
Gleich mehrere Verlage erwägten nun eine Kartellbeschwerde gegen Audible. Auch der Börsenverein prüfe das Verhalten von Audible derzeit juris tisch und würde, so der SPIEGEL, eine Beschwerde der Verlage wohl unterstützen. Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis im SPIEGEL: „Wenn Audible kleinen Hörbuchverlagen damit droht, ihre Titel auszulisten, ist das angesichts seiner Marktmacht aus meiner Sicht rechtlich sehr fragwürdig.“

Audible selbst äußerte sich gegenüber dem SPIEGEL und bestätigte den Clinch mit den Verlagen. „Wir wollen gemeinsam mit den Verlagen den Markt vergrößern. Das setzt aber die Bereitschaft zur Innovation voraus“, so Nils Rauterberg, Geschäftsführer von Audible.

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