Genügend Geld im System

Mit einer Studie zum Publikationsgeschäft wissenschaftlicher Zeitschriften erhöht die Max Planck Digital Library (MPDL) den Druck auf Wissenschaftsverlage. Kernthese des Papiers (hier zum Download): Das gesamte bisherige Geschäftsmodell der traditionellen Subskriptionszeitschriften, bei dem Bibliotheken für Zugänge zu wissenschaftlichen Zeitschriften zahlen, könne ohne Mehrkosten umgewandelt werden in ein Open-Access-System.

Das entwickelte Umschichtungsszenario geht dabei zulasten des üblichen Modells einer verlagsgesteuerten Wissenschaftspublizistik.

Konsens von Wissenschaftsorganisationen als Voraussetzung

Entsprechend fordern die Forscher der Max-Planck-Gesellschaft, die sich als Institution seit Jahren für eine Open-Access-Politik starkmacht, im programmatischen Titel der aktuellen Studie ein „Durchbrechen“ des klassischen Subskriptionsmodells für die „notwendige Umwandlung zu Open Access“. Die zentralen Argumente:

  • Nach den Berechnungen der MPDL-Studie werden mit Wissenschaftszeitschriften derzeit weltweit Umsätze in einer Größenordnung von etwa 7,6 Mrd Euro im Jahr erzielt, die zum überwiegenden Teil aus den Budgets öffentlich finanzierter wissenschaftlicher Bibliotheken stammen.
  • Bei 1,5 bis 2 Mio publizierten Artikeln liegen im derzeitigen Subskriptionsmodell die durchschnittlichen Kosten pro Artikel für die Bibliotheken zwischen 3800 und 5000 Euro.
  • In einem reinen Open-Access-Szenario liegen die Herstellungskosten für einen Artikel dagegen „deutlich unter 2000 Euro“.
  • Nach Meinung der Forscher ist „genügend Geld im System“, sodass sich eine Umstellung auf Open Access rechnen würde. „Eine konzertierte internationale Umschichtung der Subskriptionsetats ist ohne finanzielles Risiko möglich“, meint der Hauptautor Ralf Schimmer.
Die Voraussetzungen für einen derartigen Systemwechsel wäre allerdings eine globale konzertierte Aktion: Wegen der Internationalität des Wissenschaftsbetriebs könne man eine Umstellung auf Open Access nur im Konsens der führenden Forschungseinrichtungen erreichen, die die entsprechenden Bedingungen mit den großen Wissenschaftsverlagen aushandeln müssten, heißt es zum Thema Umsetzung.

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