Neu erfinden oder sterben

Unbequeme Szenarien hat nicht nur der Smartphone-Forscher Alexander Markowetz beim readbox-Kundentag entworfen. Auch die Analysen, die der Handelsforscher Jens Rothenstein präsentiert hat, zeigen, dass die Zeichen auf radikalem Wandel stehen. Die Prognose: Bis 2020 sind 70% der traditionellen Einzelhändler verschwunden – oder haben sich vollkommen neu positioniert. Und auch für reine Onlinehändler sieht es nicht rosig aus.
Rothenstein stellte in Witten fünf Thesen vor, die von der Strategieberatung Mücke, Sturm & Company und dem E-Commerce Center Köln (ECC Köln)/Institut für Handelsforschung (IFH) erarbeitet wurden:
„Re-Invent or Die“
70% der traditionellen Händler müssten sich völlig neu erfinden – oder würden verschwinden: Bis zu 78.000 oder 30% aller stationären Händler würden bis zum Jahr 2020 aus dem Markt ausscheiden, weitere 40% könnten nur überleben, wenn es ihnen gelinge, ihr Geschäftsmodell grundlegend zu verändern. 
Rothenstein präsentierte Zahlen, nach denen nur noch 9% der Unter-25-Jährigen am liebsten in stationären Geschäften einkauften, bereits 65% in dieser Gruppe jedoch „selektive Online-Shopper“ seien, also mal im Laden und mal im Netz kauften. Jens Rothenstein in den Augen des Karikaturisten „Harry“Und jeder vierte dieser jungen Konsumenten am liebsten im Netz einkaufe. Der „traditionelle Handelskäufer“ sei unter den „Smart Natives“ also kaum noch zu finden. „Die klare Botschaft heißt: Der traditionelle Handelskäufer stirbt aus und damit auch der traditionelle Handel.“
„The winner will take it all“
Nicht nur die traditionellen Einzelhändler, auch die reinen Onlineversender haben es laut ECC/IFH schwer. 90% der derzeitigen reinen Online-Händler würden nicht überleben. „Es ist zu erwarten, dass in den meisten Branchen nur Platz für zwei große Player ist, im Zweifelsfall für Amazon plus 1“.
„Seamless Commerce wins“
Rothenstein sang in Witten das Loblied auf den Multichannelhandel. An die Stelle des Kanaldenkens trete das „Multi-Touchpoint-Management“: intelligente und kundenorientierte Konzepte, die dem Verbraucher an jedem Touchpoint einen echten Mehrwert bieten. Es sei daher sinnvoll gewesen, dass Firmen wie Zalando oder notebooksbilliger.de, die im Netz starteten, in den stationärn Handel expandiert hätten.  
„Customer Journey is everywhere“
Der Handel müsse den Konsumenten dort abholen, wo er sich gerade befinde, sei es mit Pop-Up-Stores oder Shopping-Events rund um eine TV-Show.
„Brand Leadership rules“
Hersteller und Händler mit starken Marken dominierten den Markt. Eine Untersuchung des IFH habe gezeigt, dass der Online-Handel insgesamt zwischen 2008 und 2013 um den Faktor 2,5 gewachsen sei, während die Shops der Hersteller fast eine Vervierfachung erzielt hätten. 

Kommentare

2 Kommentare zu "Neu erfinden oder sterben"

  1. Berthold Budde | 6. Mai 2015 um 10:02 | Antworten

    Aha,
    das E-Commerce-Center hat also eine Studie herausgebracht und der Dortmunder E-Book-Dienstleister Readbox veranstaltet einen Kundentag. Wenn zwei Profiteure aus der digitalen Welt über den stationären Handel urteilen, ist ja Objektivität gewährleistet! Für wie blöd müssen die Forscher die Hörerschaft halten, wenn sie ernsthaft glauben machen wollen, dass in fünf Jahren 70% des traditionellen Handels verschwunden sein sollen? Nur weil es (Gott sei dank) Wandel gibt, verschwindet nicht alles. Aber wenn jeder sich auf Studien selbsternannter Experten verlässt, von denen es für jede These eine Antithese gibt, zeigt das eher, wie es um die Mentalität der Branchenmitglieder steht. Anschauungsunterricht in Sachen „Smart Natives“ bietet u.a. die Dortmunder Thier-Galerie, wo jeden Tag Tausende Kunden unter 30 mit vollenTaschen herauskommen. Leichtgläubige aller Länder vereinigt euch!

  2. Oder es kommt ganz anders usw.
    Mal ehrlich, wissen wir was kommt?
    Eventuell sind wir nochmal froh das das Bargeld doch nicht abgeschafft wurde und der Bäcker um die Ecke nicht ausgestorben ist.
    Ein einwöchiger Ausfall des Internets hätte vermutlich viele Tote durch kalten Entzug zur Folge.

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