Innerstädtische Lebendigkeit fordern und fördern

Der Berliner Buchhändler Jörg Braunsdorf (Tucholsky-Buchhandlung) verwirklicht mit einer kleinen Gruppe seine Idee eines Literaturfestivals in Berlin-Mitte. Vom 24. bis 30. April 2015 hat das Read!Berlin Literaturfestival Premiere mit 40 Autorinnen und Autoren, 27 Live-Veranstaltungen an 15 Standorten und Online-Verknüpfung (siehe im Detail hier).
buchreport hat Braunsdorf (Foto: Mike Minehan) kurz vor dem Auftakt der Veranstaltungsreihe befragt.

Wie kommt man auf die Idee, in der trubeligen Hauptstadt ein Literaturfestival auf die Beine zu stellen?

2010 eröffnete ich die 100 qm große Tucholsky-Buchhandlung in der gleichnamigen Straße. Von Beginn an hatte ich die Idee eines Literaturfestivals in Mitte. Nach der Gründungszeit fand sich im letzten Jahr mit Anna Mandalka vom Orlanda Verlag, Jörg Englbrecht, Tucholsky-Buchandlung, und den beiden Autoren Christian Stahl und Bobby Rafik das Gründungsteam des Vereins lit.mitte e.V. Aus der Gruppe heraus entwickelte sich dann die Idee, Berlin zum Thema des Festivals zu machen und klassische Veranstaltungsformen mit digitalen Formen zu verbinden.

Was ist das Konzept?

Einzelne Veranstalten führen wir natürlich das ganze Jahr durch. In Berlin-Mitte fehlte aber bisher ein konzentriertes Angebot, das sich mittels belletristischer, philosophischer und politischer Formaten den Lebensrealitäten, Chancen und Problemen der Stadt stellt. Und zwar indem es globale und lokale Themen verbindet. Wir richten uns an die Bewohner Berlins, aber auch an die Gäste in der Stadt. Die ersten Kartenbestellungen kamen übrigens aus Süddeutschland.

Die Perspektive?

Das Festival soll wachsen, und neben dem Schwerpunktfestival im April wollen wir auch Specials anbieten. Im ersten Jahr haben wir auf ein Angebot für Kinder verzichtet, das wird aber kommen.

Sie sind Gründungsmitglied des Buy-Local-Vereins: Gelingt die gedankliche Zusammenführung vom Fest zum lokalen Händler?

Dem Gedanken des Buy local verpflichtet, haben wir uns für Veranstaltungen an unterschiedlichen Orten entschieden. Wir möchten möglichst viele mitnehmen, die hier wohnen, arbeiten oder als Gäste teilnehmen.
Wenn das Festival inhaltlich und von der Beteiligung erfolgreich ist, bedeutet das: Wir leisten einen unterhaltsamen Beitrag zur politischen Kultur. Wir fordern und fördern innerstädtische Lebendigkeit. Wir pflegen unseren Anspruch einer literarischen und politische Buchhandlung und: Wir verbinden kulturelles Engagement und ökonomischen Erfolg.

Was steckt hinter einem solchen Projekt: Wie sehr leidet der täglichen Buchhandelsbetrieb?

Der buchhändlerische Alltag wird natürlich von dem hohen Arbeitsaufwand beeinflusst. Es ist aber kein Gegensatz. Die Buchhandlung ist ein Ort der Kommunikation, der Debatte, der Begegnungen, das macht Spaß und ist gerade die Stärke des Sortiments. Das Wort Überstunden fällt da nicht, ohne sie ist so etwas nicht möglich.

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