Lieber 600 engagierte Mitglieder als 20.000 passive Mitläufer

Jan Orthey (35), Inhaber von Lünebuch – Die Buchhandlung am Markt in Lüneburg, gehört zu den Pionieren von Buy local. Noch bevor die Kaufe-vor-Ort-Bewegung richtig Fahrt aufnahm, hatte Orthey bei seinen Kaufmannskollegen in Lüneburg vorgefühlt und mit ihnen bereits 2011 einen gemeinsamen Einkaufsführer unter die Kunden gebracht. Der 35-Jährige gehört auch zu den Gründungsmitgliedern des 2012 gegründeten, von Buchhändler initiierten Buy-local-Vereins und ist auch dort im Vorstand vertreten. 

Ist Buy local die Rettung des Standort-Handels?

Nein. Jedenfalls nicht im Sinne eines Sicherheitsnetzes oder einer Hängematte, in der sich der Standorthändler einrichtet und dann ist alles gut. Buy local ist nach wie vor Bewegung und Offensive, die Qualitätsoffensive für den inhabergeführten Handel. Wir scharen erstklassige Händler um uns herum, die einen Standard erfüllen, der weit über dem liegt, was man klassischerweise im Einzelhandel erwartet. Wir nehmen keine Leute, die morgens ihren Schlüssel umdrehen und dann warten, ob ein Kunde kommt, und abends wieder dicht machen. Wir vernetzen Händler, die verstanden haben, dass es heutzutage um ein Einkaufserlebnis geht und darum, Begehrlichkeiten zu wecken und Sehnsüchte zu befriedigen. Der Kunde wird mit einem Leistungsversprechen belohnt, wenn er ein Buy-local-Logo sieht. Daran arbeiten wir Schritt für Schritt.

Wie geht es voran?

Das wächst sehr langsam. Hier in Lüneburg machen gut 14 Händler mit, obwohl wir allein über 200 Einzelhändler in der Innenstadt haben. Das liegt aber auch ganz einfach daran, dass wir nicht jeden nehmen. Auch bundesweit haben wir erst 600 Mitgliedsunternehmen. Wir geben einen relativ hohen Standard vor, und wenn der Standard nicht erfüllt wird, sagen wir das demjenigen Kollegen auch und weisen darauf hin, wo und wie er nachbessern kann. Wenn er Hilfe braucht, stehen wir mit Rat und Tat zur Seite. Ich bin aber mit dem Mitgliederwachstum des Vereins auch durchaus zufrieden. Wir haben lieber 600 engagierte Mitglieder im Buy-local-Verein als 20?000 passive Mitläufer.

Eine Verwässerung der Standards, um die Anzahl der Mitglieder zu erhöhen, steht also nicht zur Diskussion.

Genau. Viele andere Verbünde scharen immer möglichst viele Mitglieder um sich, um eine starke Stimme zu haben. Dahinter steckt aber keine Substanz. Es funktioniert nicht, eine Gemeinschaft aufzubauen mit unterschiedlichen Wertvorstellungen und diese dann, wenn man genug Mitglieder zusammenhat, auf eine Wertvorstellung einzuschwören. Dann ist jeder Dritte nicht einverstanden. Also haben wir die starke und starre Vorgabe und sagen: Das musst Du erfüllen. Und wer das erfüllt, macht in der Regel auch mehr und ist offen für Neues. Der geht auf den Kunden zu und geht mit ihm um.

Das vollständige Interview gibt es im buchreport.magazin 4/2015 (hier zu bestellen).

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