Anhaltende Negativentwicklung

Zwei Jahre nach der Übernahme des Sprach-  und Wörterbuchverlags Langenscheidt reagiert der Gesellschafter Günther Holding auf die „seit Jahren anhaltende unerfreuliche Umsatz- und Ergebnisentwicklung“ und baut erneut massiv Personal ab:

  • Von dem bei der Übernahme installierten, durchweg branchenfremden Geschäftsführungstrio bleibt Ivo Kai Kuhnt (41), während Carsten Kurreik (47) und Florian Schupp (36) bereits ausgeschieden sind.
  • Die Organisationsstruktur wird abgeflacht auf nur noch eine Leitungsebene unter der Geschäftsführung.
  • 29 der derzeit 90 Mitarbeiter werden betriebsbedingt gekündigt; die Verhandlungen mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan haben begonnen.

Der Produktschwerpunkt soll wieder mehr auf Print und klassische Verlagsprodukte gelegt werden und in diesem Jahr mit mehr Novitäten gestärkt werden.

Die bis Ende 2012/13 familiengeführte Langenscheidt-Gruppe hatte sich ab 2007 von zahlreichen Beteiligungen getrennt und zuletzt den Verkauf des auf 47 Mio Euro geschrumpften Kerngeschäfts betrieben. Die Günther Holding hatte den Wörterbuchbereich übernommen, Wettbewerber Klett das schulnahe Programm.

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Kommentare

2 Kommentare zu "Anhaltende Negativentwicklung"

  1. An der Beliebtheit von Langenscheidt-Büchern kann es nicht liegen. Schaut man sich z. B. die Download-Zahlen bei scribd.com (einer sehr prominenten Piratenseite, die teilweise auch ein legales Angebot hat) an, würde man denken, dass Langenscheidt boomt. Bei anderen deutschen Wörter- und Schulbuchverlagen ergibt sich ein ähnliches Bild (Stand heute, 27.03.2015).

    Es geht halt nichts über Big Data, über welche Scribd (Similar-Web-Rank weltweit zur Stunde 350) durchaus verfügt, zumindest theoretisch. Praktisch hat man dort die View-Zahlen (= Downloads?) letztes Jahr drastisch abgesenkt, hat also entweder früher die Investoren betrogen oder versucht jetzt, Schadensersatzansprüche zu mindern.

    Nicht alles am Niedergang eines Verlags lässt sich durch Piraterie erklären, aber, empirisch betrachtet, hat sie im Fall Langenscheidt einen unübersehbaren Anteil. Leider hat man das Problem dort jahrelang ignoriert (ich verfolge die Entwicklung seit 2011). Gerüchtehalber war es dort intern sogar verboten, über das Thema auch nur zu sprechen. – So gesehen, ist die Konzentration auf Print nicht die dümmste Entscheidung (wenn man die Produktion von Ebooks tatsächlich vermeidet).

    Weiß eigentlich jemand ein Wettbüro, wo man darauf setzen kann, welcher Verlag als nächster fällig ist? Ich wüsste ein paar Kandidaten.

  2. Bedingt durch diese negativen Entwicklungen bei Langenscheidt und der insgesamt vorausgegangenen Verlagerung von Print auf Online vor allem bei den Wörterbüchern, ist Langenscheidt nun zu diesen leider gravierenden Maßnahmen gezwungen.
    Dazu kommt eben auch, dass die bisherige neue Geschäftsführung branchenfremd ist und sozusagen aus verschiedenen Blickwinkeln agiert.
    Bedauerlich ist insgesamt gesehen, dass ein bisher sehr angesehener Verlag in einem Art Sinkflug nach unten diesen Weg gehen musste.
    Negative Ergebnisse zeigten die Umsätze, die Verlagsentwicklung und vor allem jetzt dieser sehr spürbare Personalabbau.
    Die Geschäftsführung muss jetzt richtige Weichen stellen, um aus der Talsohle wieder etwas nach oben zu kommen.
    Es müssen Lösungsansätze entwickelt werden, die eben jetzt nach der vorgesehenen Ausrichtung zu Print, wieder mehr positive Zeichen bei Langenscheidt setzen.

    Es genügt nicht allein, das Personal abzubauen, sondern notwendig ist in naher Zukunft eine sinnvolle Gestaltung des Verlagsprogramms bei Langenscheidt anzupeilen.
    Zudem sollte die Geschäftsführung mehr eine innerbetriebliche Tranparenz der Kommunikation zu der Leitungsebene und zu den noch vorhandenen Mitarbeiter/innen aufbauen.
    Langenscheidt ist und war ein Verlag für Schul- und Wörterbücher.
    Die neuen Akzente und Verschiebungen in den Kompetenzen bei Langenscheidt müssen jetzt abgewartet werden.
    H. Kraft

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