Wearables abwarten oder aufspringen?

Sind „Wearable Devices“ – am Körper tragbare Kommunikations-Elektronik – eine relevante neue Strömung? Wenn sie ein Trend sind, dann ein Trend mit Ansage. Grund genug für Verlage, sich diesen Trend gründlich auf Integrierbarkeit in ihre Geschäftsmodelle anzusehen – wie der Gräfe und Unzer Verlag es tut.

Dorothee Seeliger ist Programmgeschäftsführerin, Beate Muschler Verlagsleiterin Digitale Medien bei Gräfe und Unzer.

Definieren Sie doch mal „Wearables“ und was sie von Smartphones unterscheidet. Smartphones trägt man ja auch immer am Körper.

Beate Muschler: Ein Smartphone ist für mich ein in sich abgeschlossenes Gerät. Wearables dagegen sind technisch betrachtet intelligente Systeme, die in Alltagsgegenstände eingebettet werden können und die am Körper getragen werden. Das kann ein Aktivitätstracker sein oder auch eine Platine im Yoga-Shirt, die die Körperbewegungen verfolgt.

Google hat seine Datenbrille wieder aus dem Verkehr gezogen, da sie im Endkundenverkauf nicht die Erwartungen erfüllte. Warum sollen Wearables mehr als ein „Hype“ sein, auf den nur ein paar Hunderttausend der üblichen „Early Adopters“ aufspringen?

Beate Muschler, GU-Verlagsleiterin Digitale MedienBeate Muschler: Der Unterschied liegt für mich genau in der Definition der „in Alltagsgegenstände eingebetteten Systeme“. Die Google Brille war und ist ein klares Statement und stellt auch eine Menge Anforderungen an ihren Träger. Zudem greift sie über die permanent laufende Kamera nicht nur in das Verhalten des Trägers ein, sondern auch in sein Umfeld. Wearables dagegen referenzieren bisher nur auf ihren Träger. Die Frage, ob es bei einem Hype bleibt, oder ob es eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung wird, wird sich an der Praktikabilität der Anwendungen entscheiden. Und an den Vorteilen, die mit einer Nutzung für den Anwender verbunden sind. Beispiele wie das der Generali-Versicherung, die einen eigenen, natürlich günstigeren, Tarif anbietet für Träger von Schrittzählern, zeigen ja deutlich, wo die Reise hingehen kann.

Ist das ein Markt für Verlage?

Dorothee Seeliger: Hier wird es sicher große Unterschiede geben zwischen den einzelnen Genres. Im Bereich Ratgeber stellt sich aus meiner Sicht schon die Frage, wie Verlage ihren Content einbringen können. Denn mit dem reinen Messen ist es ja noch nicht getan, sondern die Nutzer brauchen dann konkrete Handlungsempfehlungen auf Basis ihrer getrackten Daten. Solche Empfehlungen können z.B. Rezepte sein oder ganz konkret auf die Messergebnisse abgestimmte Fitness- oder Entspannungsübungen.

Was für Typen von Wearables muss man unterscheiden?

Dorothee Seeliger: Das lässt sich heute noch nicht abschließend sagen, denn die Entwicklung ist rasant. Was wir momentan sehen, ist vor allem der Bereich Gesundheit und Fitness, d.h. also Geräte wie Aktivitätstracker, Pulsmesser usw. Hier entstehen permanent neue Technologien und Funktionen, z.B. gibt es mit dem Armband von healbe erstmals ein Wearable, das mittels eines Impedanzsensors die Flüssigkeitsveränderung im Gewebe misst und daraus die Kalorienzufuhr ermittelt. Wahrscheinlich dauert es nicht mehr allzu lange, bis wir alle mit einem implantierten Chip herumlaufen.

Welche Verlags-Inhalte passen auf welchen Geräte-Typ am besten?

Beate Muschler: Es gibt schon konkrete Ansätze wie z.B. bei Gräfe und Unzer, wo wir die Armbänder von Jawbone und Fitbit an unser Online-Portal GU-Balance angeschlossen haben. Der Kunde kann also seine zurückgelegten Schritte in seine Aktivitätsstatistik auf unserer Seite einfließen lassen. Weiterhin planen wir für unsere Rezepte-Apps Schnittstellen zu Healthkit zum Austausch von Nährwertangaben, so dass Nutzer, die unsere Rezepte kochen, gleich automatisch die Nährwerte in ihre Tagesstatistik übernehmen können.

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Porträtfotos: Gräfe und Unzer

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