Nicht jeder Lektor passt in die Selfpublishing-Welt

Der Lektoratsdienstleister E-ditio bringt sich mit einem Preis für Selfpublishing-Bücher ins Gespräch. E-ditio-Gründerin Denise Sudau (Foto: Lars Heinicke Photography) über die Besonderheiten im Geschäft mit selbstverlegenden Autoren.

Wie groß ist der handwerkliche Abstand von Selbstverlegtem zu Verlags-Büchern?

Selfpublishing-Bücher auf dem deutschsprachigen Markt haben keine durchweg niedrige Qualität, sondern eine große Spreizung: Die kommerziell erfolgreichen Bücher sind alle lektoriert und kommen schon ziemlich nah an Verlagstitel heran, während manche Debütanten gruselige Texte vorlegen – vor allem im Sachbuchbereich.

Wie ausgeprägt ist unter Selfpublishern das Bewusstsein für ein gründliches Lektorat?

Die Professionalisierung nimmt insgesamt zu und das Lektorat ist dabei einer der wesentlichen Faktoren. Wer nur einen kleinen Leserkreis anvisiert und den eigenen Text nur im Privaten streuen will, wird auf eine Qualitätssicherung verzichten. Ansonsten lässt sich mit einem professionellen Lektorat die Wahrscheinlichkeit steigern, eine Autorenmarke zu etablieren. Der Schlüsselmoment für einen Autor ist, wenn er mit seinen Büchern erstmals etwas Geld verdient. Dann setzt er darauf, dass sich künftige Lektoratsausgaben refinanzieren.

Wie steht es um die Zahlungsbereitschaft?

Die Zahlungsbereitschaft ist in anderen Ländern größer. Da sind die selbstverlegenden Autoren aber oft auch schon wirtschaftlich erfolgreicher. Insgesamt steigt mit dem Bewusstsein über die Vorteile eines Lektorats auch der Wille, dafür etwas auszugeben. Viele Selfpublisher planen allerdings nach wie vor gar nicht, ihre Texte groß zu vermarkten. Die Zahlungsbereitschaft ist hier erwartungsgemäß gering.

Sind Selfpublisher angesichts des schrumpfenden Verlagsmarktes attraktive potenzielle Geschäftspartner für freie Lektoren?

Nicht jeder Lektor passt in die Selfpublishing-Welt. Die Arbeit ist hier viel schneller, die Kommunikation unmittelbarer und intensiver, die Themensetzung eine andere. Darauf muss man sich einstellen, dann aber bietet die Zusammenarbeit Chancen. Es sind viele erfahrene und spezialisierte Lektoren auf dem Markt, die zunehmend auch die Qualitäten eines Produktmanagers mitbringen. Sie passen gut zu Selfpublishern.

Kann ein Gütesiegel bei Indie-Titeln das etablierte Verlagsbranding ausgleichen?

Es bietet dem Endkunden eine Orientierung. Wenn die Meinungen bei einer Neuerscheinung auseinandergehen, kann das Label als Indikator fungieren: Dieses Buch wurde nicht nur von einer Freundin korrekturgelesen. So lässt sich die Qualität eines Textes besser einschätzen. Das Gütesiegel kann auf diesem Wege neben dem Thema des Buches als Verkaufsargument angeführt werden.

Denise Sudau ist Gründerin von E-ditio. Sie hat Arabistik und Publizistik an der Freien Universität Berlin studiert und arbeitete als freie Lektorin und Gutachterin für arabische und türkische Buchtitel auf dem europäischen Buchmarkt. Zuvor war sie Trainee im Aufbau Verlag und arbeitete in Lektoraten kleinerer und größerer Verlage.

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