Lukrativer Betrug am Leser

Monatelang hatten die Reporter der WDR-Sendung „Monitor“ an diesem Thema recherchiert, am Donnerstag dieser Woche wurde der Beitrag über „Geheim-PR“ in Büchern ausgestrahlt. Besonders Hoffmann und Campe kommt dabei schlecht weg.

In dem Beitrag geht es um bezahlte Werbe-und PR-Botschaften in Büchern – die, und das ist das Anstößige, anders als bei Anzeigen in der Presse als solche nicht deutlich gekennzeichnet werden. Monitor ist vielfach fündig geworden:

  • Bilderbuch für Kinder: Daimler Benz preist „Papas neuen Truck“ (Heel Verlag). Das Buch sei für 12,95 Euro im Buchhandel erhältlich gewesen, im Impressum sei von einer „Zusammenarbeit mit der Daimler AG“ die Rede. Hier Infos zum Projekt auf der Daimler-Seite.
  • Sachbuch: Die Biografie des umstrittenen Wirtschaftsbosses Reinfried Pohl („Der Doktor, der Kämpfer, der Sieger“ (Hoffmann und Campe) wurde von keinem Geringerem als dem Kanzlerbiografen Hugo Müller Vogg geschrieben, laut Monitor-Recherchen (auf der Webseite von HoCa) hat die Deutsche Vermögensberatung das Buch bezahlt (was das Unternehmen dementiert).
  • Roman: Die Ruhrgebiets-Saga „Revier im Wandel“ (HoCa) von Rafael Seligmann sei vom Energiekonzern RAG finanziert worden, wieder ohne Hinweis darauf. Die RAG erklärte Monitor, dass die eigene Belegschaft die Zielgruppe gewesen sei, aber das Buch gebe es auch im Buchhandel.
Auch Günter Bentele vom Deutschen Rat für Public Relations sieht eine Grenze überschritten. Mit Blick auf das Truck-Buch sagt Bentele, dass Kinder noch nicht den Blick auf die Welt hätten, um solche PR zu erkennen. Die Zielgruppe werde manipuliert. Die Verlage nutzen eine Gesetzeslücke, es fehlten grundsätzlich klare Kennzeichnungsverpflichtungen.

Uni sono die Kölner Buchhändlerin Dorothee Junck (Buchladen Neusser Straße): Dies sei ein „Betrug am Leser“.

Als „Insiderin“ wird Maria Akhavan, Verlagsleitung Corporate Publishing beim Verlag Springer Gabler, im Beitrag vorgestellt, die eine Art Anleitung für Corporate Books geschrieben hat. Solche Corporate Books seien gängige Praxis, Unternehmen wählten bevorzugt neutrale Verlagspartner.

HoCa selbst will sich auf Anfrage von buchreport.de nicht zu den Vorwürfen äußern. 

Kommentare

3 Kommentare zu "Lukrativer Betrug am Leser"

  1. Matthias Ulmer | 9. Februar 2015 um 11:07 | Antworten

    Immer habe ich mich gefragt, was der Öffentliche Rundfunk mit dem ganzen Geld macht, das er bekommt. Monatelange Recherchen für DAS Ergebnis. Und DIESE Brisanz. Da bin ich jetzt beruhigt. Die brauchen das wirklich, wenn sie so arbeiten.

  2. Philipp Ostsieker | 9. Februar 2015 um 10:54 | Antworten

    „Der Hinweis steht nirgendwo, nur im Impressum“

  3. Ach jehchen, jetzt wird sich auch hier echauffiert … sobald Leser durch vorgeblich objektive Tipps finanzielle oder gesundheitliche Fehlentscheidungen treffen könnten (Sachbücher, Ratgeber), ist einen Kennzeichnung zwingend.
    Aber ob in einem Roman der Held „einen Daimler“ oder „ein Auto“ fährt und ob das bezahlt ist, ist mir sowas von egal.

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