Sterben auf Raten

Der nächste Kahlschlag bei Weltbild: Nach Informationen des Betriebsrats stehen in der Logistik des Medienkonzerns weitere 200 Arbeitsplätze auf der Kippe. Den Arbeitnehmervertretern zufolge will der neue Eigentümer Droege darüber hinaus 70 unrentable Weltbildplus-Filialen schließen. Mittlerweile hat die Geschäftsführung bestätigt, dass sie über den Verkauf eines Teils der Filialen verhandelt. Genaue Zahlen oder einzelne Standorte werden noch nicht bekannt gegeben.

Die Erwartungen an die Entwicklung des Geschäfts an bestimmten Standorten hinsichtlich Umsatz und vor allem aufgrund zu hoher Struktur- und Mietkosten hätten sich nicht erfüllt, heißt es zur Begründung aus Augsburg. Ein Teilverkauf insbesondere des defizitären Filialgeschäftes „wäre deswegen eine wichtige Weichenstellung, die hilft, langfristig Arbeitsplätze und das Unternehmen zu sichern“.

„Dieser Schritt hilft uns. Weltbild legt damit die Grundlagen für eine nachhaltig erfolgreiche Entwicklung. Nach einem solchen Verkauf sind wir an guten Standorten vertreten und haben betriebswirtschaftlich betrachtet eine gute Ausgangsbasis, auch für späteres Wachstum“, so Weltbild-Geschäftsführer Patrick Hofmann.

Die Filialen blieben auch weiterhin eine strategisch wichtige Säule für Weltbild als Multichannel-Unternehmen. Die Führungsspitze will das Verkaufserlebnis für seine Kunden erhöhen und damit den Crosschannel-Gedanken stärken. Hofmann: „Künftig sollen der Weltbild-USP, wie eigene Weltbild-Editionen und attraktive Non-Media Sortimente, stärker positioniert sowie das neue, kundenorientierte Shopkonzept ausgerollt und neue Formen der Warenpräsentation getestet werden.“

Die Veränderungen im Bereich des Weltbild-Filialgeschäfts in Deutschland hätten keine Auswirkungen auf die Auslandsbeteiligungen sowie alle weiteren Gesellschaften der Weltbild Gruppe, betont das Unternehmen.

200 Stellen in der Logistik gefährdet

Am Freitag habe der neue Eigentümer der Weltbild Logistik, die Droege-Tochter Also Logisticsdem Betriebsrat ihr Restrukturierungskonzept vorgestellt, berichten die Arbeitnehmervertreter weiter. Wesentliche Eckpunkte:
  • 200 Stellen gefährdet: 120 Vollzeitstellen sollen wegen schlechter Auslastung entfallen. Bedroht seien darüber hinaus 40 bis 60 Jobs, sollte die Logistik nicht ausreichend ausgelastet werden. Überdies würde weiteren 30 Mitarbeitern die Kündigung angedroht, um Urlaubskürzungen und die Erhöhung der Wochenarbeitszeit durchzusetzen.
  • Umfangreiches Rationalisierungsprogramm: Also Logistics will durch die Akquise von Drittgeschäft eine bessere Auslastung, kürzere Durchlaufzeiten und niedrigere Stückkosten erreichen (buchreport.de berichtete). Weltbild sei dann nur noch ein Kunde von vielen, fürchtet der Betriebsrat. Wenn die Akquise des Drittgeschäfts misslinge oder Weltbild weiter an Umsatz verliere, würden weitere Arbeitskräfte überflüssig.

Mittelfristig gehe es dem Mehrheitsgesellschafter Droege um eine Spaltung des Betriebs, fürchten die Arbeitnehmervertreter. Damit wäre der Weg frei für eine deutliche Verschlechterung der Tarife in der Logistik. Der derzeitige Kurs von Droege bedeute ein „Sterben auf Raten“. Der Investor habe die Insolvenzverwaltung und die Belegschaftsvertretung „schändlich getäuscht“: „Kein langfristiger Invest, sondern der schnelle Euro und die Einverleibung der Sahnestückchen in seinem Milliardenkonzern sind das Ziel des Düsseldorfers.“

Also Logistics hat zu den Vorwürfen bisher noch nicht Stellung bezogen.

„Die Restrukturierung ist schmerzhaft, aber unumgänglich“

Vor zwei Wochen, ein Jahr nach dem Gang zum Insolvenzgericht, hatten die Gewerkschaft Verdi und der Betriebsrat eine erste Bilanz gezogen und dem neuen Investor vorgeworfen, dass er das Zukunftskonzept „Weltbild 2.0“ nicht umsetze. Stattdessen würden Werbegelder gestrichen und Filialen nur eingeschränkt mit Ware beliefert. Der daraus resultierende Umsatzrückgang sowie das „gefloppte Weihnachtsgeschäft“ würden als Argumente für die Forderung nach weiteren Entlassungen und Schließungen vorgebracht. 

Für Mittwoch sind erste Gespräche zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung angesetzt. In einer Pressemitteilung betont die Geschäftsführung von Weltbild, dass eine Einigung mit dem Betriebsrat höchste Priorität genieße. Die andauernde Situation der Ungewissheit sei für alle belastend.

„Wir bedauern, dass damit Personalanpassungen verbunden sind. Alle Maßnahmen werden in engster Abstimmung mit den Arbeitnehmervertretern ausgehandelt und so sozialverträglich wie möglich gestaltet“, so die Geschäftsführung. Über den Inhalt der Gespräche wurde Stillschweigen vereinbart.

„Weltbild will seine zweite Chance nutzen. Durch die Übergangsphase der vergangenen Monate hat das Unternehmen an Flughöhe verloren und muss seine Strukturen und Kosten anpassen. Diese Restrukturierung“, so die Weltbild Geschäftsführer Patrick Hofmann und Sikko Böhm, „ist leider schmerzhaft, aber unumgänglich für den Weg in eine erfolgreiche Zukunft. Wir glauben fest, dass Weltbild seinen Platz im Markt hat.“ Die Droege Group stehe hinter dem Unternehmen, das über eine solide finanzielle Basis verfüge.

Die Geschäftsführung setzt auf das angepasste Konzept „Weltbild 2.0“. Eckpunkte sind die Stärkung Marke Weltbild mit dem Kernsortiment Buch, eBook/Tolino und Medien, die um ausgewählte Angebote im Bereich Familie und Kinder und schönes Zuhause ergänzt werden. Dabei werde weiterhin der Fokus auf den Multikanal-Vertrieb mit Internet, Filialen und Katalog gelegt. Der Online-Shop weltbild.de soll einen komplett neuen Auftritt bekommen.

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