Die Stimmung ist katastrophal

Ein Jahr nach dem Gang der damaligen Geschäftsführung von Weltbild zum Insolvenzgericht zieht die Gewerkschaft eine durchwachsene Bilanz. Zwar sei es positiv zu bewerten, dass es Weltbild immer noch gebe, womit seinerzeit kaum jemand gerechnet habe. Aber: Die von Droege gesandte Geschäftsführung habe keinen Plan.

Im Verdi-Blog heißt es, dass 2000 Arbeitsplätze bis heute gerettet worden seien (445 in der Weltbild Retail, 505 in der Also Logistics und etwa 1000 in den Weltbildplus-Filialen); rund 1000 Menschen hätten dagegen ihre Arbeit verloren und seien heute in einer der Transfergesellschaften beschäftigt, 650 Kollegen aus der Augsburger Zentrale, 300 aus den Filialen. „Viele haben noch keinen neuen Arbeitsplatz gefunden. Das ist bitter.“

Das aktuelle Problem bestehe darin, dass die Investor Walter Droege gesteuerte Geschäftsführung aus Patrick Hofmann und Sikko Böhm das seinerzeit von Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz, Verdi/Betriebsrat sowie den Beratern von Roland Berger ausgearbeitete Zukunftskonzept „Weltbild 2.0“ nicht umsetze – und kein alternatives Konzept auf den Tisch lege.

„Die einzig erkennbare Strategie der zurück gebliebenen Droege-Manager ist das Totschrumpfen der Firma“; so seien Werbegelder gestrichen worden; der daraus resultierende Umsatzrückgang werde als Argument für die Forderung nach weiteren Entlassungen hergenommen. „Die Filialen werden kaum beworben und nur eingeschränkt mit Ware beliefert; das gefloppte Weihnachtsgeschäft soll weitere Schließungen begründen. Als nächstes werden die durch den Umsatzrückgang stark geschrumpften Aufträge der Logistik bejammert werden; das ist absehbar und wird bei der Also als Argument für den geplanten Personalschnitt benutzt werden.“

Fazit: „Die Stimmung in der Belegschaft ist drei Monate nach dem Droege-Einstieg katastrophal.“. Auch der Betriebsrat und die Gewerkschaft seien enttäuscht und wütend. Die nächsten Gesprächstermine seien für Ende Januar vereinbart.

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, dass auch Insolvenzverwalter Geiwitz inzwischen den 60%-Mehrheitsgesellschafter Droege öffentlich kritisiere, wenn auch sehr diplomatisch. Droege selbst wollte sich gegenüber der „SZ“ nicht äußern.

Ebenfalls in der „SZ“ erklärt Geschäftsführer Robert Hofmann zum Weihnachtsgeschäft, man habe die Erwartungen erreicht. In den Filialen sei das Geschäft „zunächst schleppend“ angelaufen, „aber ein starker Endspurt hat vieles wettgemacht“. 

Mehr zum Thema Weltbild im Dossier von buchreport.de

Kommentare

1 Kommentar zu "Die Stimmung ist katastrophal"

  1. Die in diesem Bericht aufgezeigte Lage bei Weltbild in Augsburg ist doch jetzt wieder mehr als düster und man kann sogar von einem Skandal sprechen.
    Es ist doch ein völliger Unsinn, ein Unternehmen, welches einmal ein ambitionierter Verlag war so in Richtung Einsparungen zu zwingen, dass längerfristig gesehen, doch bald kein Spielraum für eine bessere Entwicklung mehr vorhanden ist.
    Dies beginnt mit dem Warenkatalog, der von der Auflage zurückgefahren wurde.
    Wie mit dem Personal bei Weltbild gerade ungegangen wird, ist nicht zu fassen, sondern es ist eine Verunsicherung auf allen Ebenen.
    Und ein richtiges Konzept oder ein Plan zur neuen Aufstellung von Weltbild ist sozusagen bis jetzt leider nicht vorhanden.
    Da regieren nur Zahlen und der Rotstift, doch dies sind keine postiven Zeichen, die da gesetzt werden.
    Man kann nicht nur in Plänen, wie mit einer Stange im Nebel nur herumstochern und auch dünne Signale aussenden.
    Solche Steuerungselemente sollten bei Weltbild langsam doch anders aussehen und vor allem für die Mitarbeiter/innen eine bessere Perspektive aufzeigen.
    Jedenfalls kann man, so wie es in diesen Tagen ist, den Weltbild Verlag nicht nach vorne bringen. So etwas würde positiver aussehen und geschieht auch mit anderen Vorzeichen.
    Weitere Investitionen wären also gefragt, mit denen Weltbild wieder besseren Boden und auch etwas mehr Vertrauen von den Kunden gewinnen könnte.
    Man kann nicht nur sozusagen eine Substanz von einem Unternehmen, wie Weltbild, bis zum geht nicht mehr ausreizen, sondern es ist auch für mehr Transparenz und Flexibilität innerhalb dieses Verlages zu sorgen. Und dazu gehört auch wieder, dass die Mitarebeiter und Mitarbeiterinnen etwas mehr Vertrauen in diesem Verlag haben könnten.
    Weltbild hatte mal einen Namen, nur sollte dieser jetzt nicht noch ganz in ein völliges Nichts verschwinden.
    Die Chefetage in Augsburg bei Weltbild muss sich deshalb ihrer Verantwortung für die Mitarbeiter/innen stellen und sich dieser auch bewusst sein.
    Es könnte ein neuer Plan für Weltbild sicher bis zum Frühjahr 2015 oder spätestens bis noch vor dem Sommer 2015 entwickelt werden.
    Aber dazu bedarf es mehrerer Hände und so etwas muss man auch wollen. Und da müssen alle an einem Strang ziehen.
    Nur herbeizwingen lässt sich dies leider alles nicht.
    Auch können z. B. negative Einstellungen, die man insgesamt zu Weltbild hat, den Untergang noch beschleunigen.
    Deshalb muss man schon allein von der Denkweise von oben nach unten bei Weltbild da eine andere Struktur hereinbringen, die eben auch ein Betriebsklima in einem positiveren Sinn wieder mehr beeinflusst und auch fördert.
    Es sind nicht immer nur Zahlen festzulegen, sondern die Strategien zum Unternehmen Weltbild müssen ganz anders angepackt werden.
    Und dazu bedarf ea auch die richtigen Vorgaben.
    Nur sollten diese einmal jetzt auch mutig angegangen werden.
    Aber nicht in der Weise, dass weiteres Personal gestrichen wird.
    Dies ist die einfachste Lösung um wenig zu investieren. Doch diese Rechnung zielt nur auf das kurzfristige gesamte Ende von Weltbild.
    Voraussagungen lassen sich nach diesem Bericht (siehe oben) nicht wirklich machen.
    Doch es sollten Wege angestrebt werden, die auch einmal mehr als ein nur ein Signal zum Besseren wären.
    Dazu müsste noch Hoffnung da sein.
    H. Kraft

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