Warum wurde nicht Amazon angeklagt?

Der Agency-Prozess in den USA dauert inzwischen so lange, dass wohl nur noch die Justiziare aus den involvierten Verlagen die einzelnen Etappen genau verfolgen. Und doch hat sich am Montag dieser Woche eine neue Entwicklung abgezeichnet, die auch jenseits der Rechtsabteilungen für Interesse sorgen dürfte: Ein US-Berufungsgericht hat die Offensive der US-Regierung gegen die vermeintliche Konspiration von Buchverlagen und Apple kritisch hinterfragt.
Rückblick: Im Sommer 2013 wurde Apple von Richterin Denise Cote schuldig gesprochen, konspirativ mit Verlagen die E-Book-Preise erhöht und somit gegen das Kartellrecht verstoßen zu haben. Während sich die angeklagten Verlage HarperCollins, Simon & Schuster, Hachette, Macmillan und Penguin auf einen Vergleich einließen, zog Apple gegen das US-Justizministerium vor Gericht.  Und jetzt will Apple die Aufhebung der Entscheidung erreichen. 
Laut Gigaom haben drei Richter des Second Circuit Court in Manhattan darauf verwiesen, dass Richterin Cote möglicherweise vorschnell angenommen habe, dass Apple und fünf US-Verlagsgruppen gegen das Kartellrecht verstoßen haben. „Spielt es keine Rolle, dass sich alle diese Leute gemeinsam gegen einen Monopolisten eingesetzt haben?“, zitiert der Mediendienst den Richter Dennis Jacobs – gemeint ist der E-Commerce-Gigant Amazon, der 2010, bei der Einführung des Agency-Modells, über 90% des Ebook-Marktes kontrolliert haben soll. Ähnlich hatte zuvor Apple-Anwalt Theodore Boutros argumentiert: Die Pricing-Taktik sei legitim gewesen, um „in einen Markt zu kommen, der von einem Monopolisten dominiert“ wurde. Von der Agency-Einführung hätten am Ende die Verbraucher profitiert, weil mehr Akteure auf den Markt gekommen seien.
Die Argumentation deckt sich mit der von weiten Teilen der Branche. So hatte etwa Paul Aiken, seinerzeit Chef des US-Autorenverbands, erklärt, dass erst mit der Einführung des Agency-Modells durch Apple ein richtiger Wettbewerb entstanden sei.
Sollte das Berufungsgericht das Urteil von Denise Cote kippen (mit einer Entscheidung wird 2015 gerechnet), könnte dies auch Folgen für die anderen juristischen Agency-Schauplätze haben, wo Apple unter anderem eingewilligt hat, 400 Mio Dollar an Verbraucher zu zahlen. Für die Verlage hätte die Entscheidung des Berufungsgerichts allerdings laut Gigaom keine Auswirkungen, da sie bereits eingewilligt hätten, im Rahmen eines Vergleichs Millionen Dollar zu zahlen.
Die komplette Vorgeschichte lesen Sie im buchreport-Dossier zum Agency-Modell.

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