Die Schere im Teenager-Kopf

Foto: Mike Licht, flickr, CC BY 2.0

Angesichts der abflauenden Wachstumsdynamik von Ebooks schauen sich Verlage ihre – möglichen – Zielgruppen genauer an. Die besten Chancen müssten digitale Bücher doch bei „digitalen Natives“ haben, Kindern und Jugendlichen, die mit elektronischen Medien aufgewachsen sind. Doch die Lese-Realität sieht anders aus, wie die Marktforscher von Nielsen im Vorfeld des „Children’s Book Summit“ am 12.12. in New York herausgefunden haben.

Zwar gehe man davon aus, dass gerade die jüngeren Leser als „early adopters“ neuer Technologien und digitaler Inhalteplattformen eine besonders hohe Affinität zu Ebooks haben müssten. Tatsächlich falle diese aber geringer aus als bei Erwachsenen. Auf Basis einer Befragung von 6000 US-amerikanischen Buchkäufern hat Nielsen ermittelt, dass nur 20% der Teens Ebooks kaufen, dagegen 23% der 18 bis 29-Jährigen und 25% der 30- bis 44-Jährigen.
Was sind die Ursachen für die stark ausgeprägte Print-Vorliebe der Teens? 
  • Eltern: Laut Nielsen ist die Print-Vorliebe besonders bei den Eltern (die zu 80% Kinder- und Jugendbücher kaufen) stark ausgeprägt – und zwar in den Köpfen noch größer als beim Zücken der Kreditkarte. 96% der Eltern von Kindern unter 6 Jahren und 94% der Eltern von Kindern zwischen 7 und 12 Jahren berichten demnach, dass sie gedruckte Bücher kaufen; im Kontrast dazu zeige eine andere Nielsen-Erhebung, dass im 1. Quartal 2014 rund ein Drittel der Kinderbücher als Ebooks gekauft wurden. Fazit von Nielsen: Die meisten Eltern hätten eine Voreingenommenheit für Print und gegen Digital und setzten ihre tatsächlichen Digitalkäufe niedriger als in der Wirklichkeit an.
  • Payment: Kinder und Jugendliche verfügen meist nicht über Kreditkarten, um online einzukaufen.
  • Verleihen: Bei Teens ist die Vorliebe, sich Bücher gegenseitig auszuleihen statt Bücher zu kaufen, stark ausgeprägt. Und dieser Austausch erfolgt offenbar lieber (da einfacher) mit Printbüchern.
Zwar neigten Teens zur klassischen Form der Lektüre, andererseits erfolgt ihre Suche nach neuem Lesestoff zu einem höheren Prozentsatz als bei den Erwachsenen digital, und zwar insbesondere über Empfehlungen via Social Media: 46% der Teens lassen sich laut Nielsen zumindest moderat über Social Media wie Facebook und Twitter beeinflussen, ein ähnlich hoher Anteil über Webseiten mit Buchbesprechungen und Autoreninterviews, die sich an Teenager richten. Gleichwohl liegt der Besuch von Bibliotheken und Buchhandlungen als Inspirationsquelle höher in der Gunst der Teens, wie die Grafik unten zeigt. Abgeschlagen sind die Verlags-Webseiten, auf die sich kaum ein Teenager verirrt.

Kommentare

2 Kommentare zu "Die Schere im Teenager-Kopf"

  1. Statistiken können viel aussagen und werden auch mal negativ oder postiv bewertet.
    Wichtig ist aber auch, dass Kinder und junge Erwachsene trotz der Vielzahl der Medien auch zum Buch in der haptischen Form (also ein Buch in den Händen halten) greifen.
    Bei der Auswahl der Lektüre haben Eltern und Schulen eine nicht zu unterschätzende Rolle, um Kindern auch noch die Qualität des Lesens zu vermitteln und sie auf das gedruckte Buch hinzuweisen.
    Doch letztendlich bleibt es den Kindern und Schülern selber überlassen, welche Medien sie nun effektiv sich aussuchen.
    Vor allem das Bewusstsein des Lesens und das Vorhandensein von Büchern sollte in unserer hektischen Gesellschaft und in
    manchen Lebensbereichen wieder mehr zur Geltung kommen.
    Es wäre wünschenswert, wenn die Buchhandlungen sich nach außen hin zum Leser/in, z. B. über das Schaufenster oder durch Lesungen wieder mehr öffnen und auch eine sinnvolle Werbung betreiben würden.
    Nur durch Aktionen bleibt eine Buchhandlung heute am Ball.
    H. Kraft

  2. Mir liegt die Studie nicht vor, aber bei Ebooks sind Kauf- und Leseverhalten doch weitgehend entkoppelt? Wie will man da vom einen aufs andere schließen? Ist natürlich ein prinzipielles methodisches Problem für so eine Studie zu fragen: Wo saugst du denn am liebsten? und eine ehrliche Antwort zu kriegen.

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