Nicht unnötig klein machen

Bereits seit 2010 beliefert der Comic-Verlag Tokyopop Amazon nicht mehr direkt. Für Verleger Joachim Kaps ist der Online-Riese aber nicht der Sündenbock in allen Konflikten.
Kaps ist seit der Gründung im Jahr 2004 Managing Director der Tokyopop GmbH. Zuvor arbeitete er ab 1996 als Redakteur bei Carlsen, zwei Jahre später wurde er Chefredakteur und Anfang 2001 zum Verlagsleiter des Geschäftsbereichs Comic ernannt.
Wie gut können Sie ohne Amazon leben?
Wir leben nicht ohne Amazon, denn unsere Comic- und Manga-Titel werden über diesen Kanal weiterhin sehr gut verkauft. Wir beliefern Amazon allerdings seit September 2010 nicht mehr direkt, weil wir uns seinerzeit nicht über die Konditionen der Zusammenarbeit einigen konnten. Seitdem kauft Amazon unser Programm über den Großhandel ein. 
Also zu schlechteren Konditionen?
Sagen wir es so: Für unseren Verlag hat dieser Weg zumindest keine Verschlechterung gebracht, zumal Werbekostenzuschüsse für ein in unserer Kategorie nicht besonders effektives Streumarketing entfallen. Und: Wir müssen uns nicht mit den Amazon-Vorgaben und Strafgebühren bei der Belieferung herumschlagen.
Amazon ist zuletzt einigen Verlagen bei den Konditionen entgegengekommen?… 
Wir sind auch zu Gesprächen bereit, allerdings müssten Konditionen dabei herauskommen, die den stationären Handel nicht schlechter stellen als den Online-Handel.
Wie kritisch wird es für Sie, wenn Digital-Comics wichtiger werden?
Ich halte es für falsch, einen Verlag so zu positionieren, dass man ohne einen bestimmten Player nicht mehr agieren kann. Gerade im Web ist die nächste Verkaufsmöglichkeit nur einen Klick entfernt. Die Verlage sollten sich in diesem Wettbewerb nicht unnötig klein machen. Wir haben etwa unseren eigenen Webshop weiterentwickelt und verzeichnen hier seit Jahren Zuwächse von 50% und mehr. Auch bei E-Books werden wir uns sehr darum bemühen, von Beginn an nicht nur einen, sondern viele Kanäle zu bespielen, dann brauchen wir am Ende auch niemanden zu fürchten. 
Aber auch um das klar zu sagen: Wir würden niemals Amazon-Bashing betreiben. Amazon leistet unserer Überzeugung nach durchaus wichtige Beiträge für den deutschen Buchmarkt und hat die Branche beispielsweise kundenorientierter gemacht. Und: Bei Amazon bestimmt nicht unser Mitbewerber darüber, welche Bücher von uns dort verkauft werden.
Worauf spielen Sie an?
Das Manga-Angebot vieler Filialisten ist in den letzten beiden Jahren durch das verlagsübergreifende Category-Management eines Mitbewerbers …
Marktführer Carlsen…
…mehr oder minder gleichgeschaltet worden. Das müssen wir durch den engagierten Einsatz unabhängiger Buchhändler und Comic-Shop-Betreiber sowie online ausgleichen.

Kommentare

1 Kommentar zu "Nicht unnötig klein machen"

  1. Ja wie, lese ich da in den letzten paar Zeilen die Manipulierung des Marktes durch einen Quasi-Monoplisten heraus, mit dem Mitbewerber schlechter gestellt werden?

    Nur heißt dieser in diesem Fall nicht „Amazon“, sondern „Carlsen“, das ja zu Bonnier gehört, dessen Wehgeklage wir uns dieses Jahr ja auch landläufig anhören durften …

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