Angriff auf die Monopole

Nach der Ankündigung der von Volker Oppmann entwickelten Idee zu Log.os als Gegenentwurf zu Amazon & Co. ist es relativ ruhig geworden um das ambitionierte Großprojekt; hinter den Kulissen wurde aber intensiv an Konzept und Struktur gefeilt. Auf ihrer Versammlung am 22. November 2014 haben die Mitglieder des Fördervereins das vergangene Jahr Revue passieren lassen und die Weichen für die Zukunft gestellt.

Zur Erinnerung: Der Förderverein Log.os. verfolgt gemeinsam mit seinem Vorstand – bestehend aus Volker Oppmann, Katja SplichalAndrea Weller-Essers und Marcel Diel – das Ziel, eine gemeinnützige digitale Bibliothek aufzubauen, die zugleich ein Marktplatz für Inhalte ist. Damit soll verhindert werden, dass „das kollektive Buchwissen der Menschheit in die Hände einiger weniger Konzerne fällt“. 

Diese Plattform hat drei zentrale Funktionen:

  • Sie ist eine vernetzte digitale Universalbibliothek, die die Inhalte (Ebooks) bereitstellt und das Wissen der Nutzer zusammenführt.
  • Sie ist ein soziales Netzwerk, das eine direkte Interaktion zwischen Lesern, Autoren, Buchhandlungen, Verlagen, Bibliotheken und Universitäten ermöglicht und gleichzeitig die Datensouveränität sowie die Persönlichkeitsrechte der Nutzer wahrt.
  • Sie ist ein Marktplatz, das heißt eine Verkaufsplattform „mit garantiert fairen Konditionen für alle Marktteilnehmer“.

Auf der Mitgliederversammlung wurden jetzt die nächsten Schritte festgelegt. Die Ziele für 2015 im Überblick:

  • Sammlung von Spenden: Ein solch ambitioniertes Projekt kostet Geld. Trotz der vielen positiven Rückmeldungen aus der Branche, sind die Spendeneinnahmen laut Log.os bisher noch zu gering, um das Tätigkeitsfelder des Fördervereins wie erhofft auszubauen. Für das kommende Jahr will sich der Verein deshalb darum bemühen, weitere Spenden zu sammeln. Positives Signal: Der Börsenverein habe zugesagt, Log.os künftig zu fördern.
  • Weiterentwicklung des Prototyps: Der erste Prototyp von Log.os wurde bereits auf der Frankfurter Buchmesse 2014 präsentiert: Auf www.wem-gehoert-die-zukunft.de können Interessierte die zentralen Thesen des diesjährigen Friedenspreisträgers Jaron Lanier lesen und direkt am und im Text kommentieren. Bis zur Leipziger Buchmesse will der Verein die Lesesoftware des Prototyps optimieren und um neue Funktionen ergänzen. Außerdem sollen die Nutzerprofile ausgebaut und das Angebot an Texten erweitert werden. 
  • Gründung eines Sozialunternehmens: Da der Handlungsspielraum eines gemeinnützigen Vereins allein zu eingeschränkt ist, soll Log.os in eine zweigliedrige Organisationsstruktur überführt werden – bestehend aus einer Stiftung und der Log.os GmbH & Co. KG. Als Vorstufe der GmbH will der Verein die Log.os UG gründen und sich dann auf die Suche nach Gesellschaftern machen. Später soll die UG in eine GmbH umgewandelt sowie die Log.os Stiftung errichtet werden, wobei die Stiftung 100% der Anteile an der GmbH innerhalb der KG hält. 
  • Neuer Auftritt: Die ersten Entwürfe für ein Corporate Design sind bereits fertig. Außerdem wird zurzeit an einem neuen Internetauftritt für log.os gearbeitet, der bis zum Jahresende fertiggestellt werden soll. 

Hier das Protokoll der Mitgliederversammlung. 

Kommentare

4 Kommentare zu "Angriff auf die Monopole"

  1. Lieber Herr Schulze,

    Amazon ist weder gut noch böse, sondern schlichtweg ein Symptom für eine Entwicklung, die wir als problematisch erachten – und uns zugleich Chancen eröffnet, die wir ganz marktwirtschaftlich zu nutzen gedenken.

    Insofern gibt es hier auch kein Misstrauen gegenüber den freien Kräften des Marktes, sondern – ganz im Gegenteil – ein absolutes Zutrauen. Denn ob log.os funktioniert, entscheiden letztlich weder Sie noch ich, sondern der Markt, d.h. jeder einzelne Kunde mit seinen »Stimmzetteln«.

    Fair ist unseres Erachtens, wenn sich Angebot und Nachfrage auf einer Plattform finden, die eine direkte Kundenbeziehung zwischen Anbieter und Verbraucher zulässt, wenn Reichweite und Interaktionsmöglichkeiten nicht künstlich beschnitten werden und wenn Konditionen geboten werden, die allen Beteiligten ein Auskommen ermöglichen.

    Und auch sonst gilt das Gesetz von Angebot und Nachfrage: was angeboten wird, findet Aufnahme in den Katalog, was nachgefragt wird, findet Eingang in die Bestsellerlisten.

    Ob unsere Software indes auf dem Kindle laufen wird, obliegt weder unserer Entscheidung noch der unserer Kunden, sondern der von Amazon. Unsere Prämisse: egal, welches Device der Endkunde nutzt, Hauptsache, unsere Software läuft darauf.

    Und damit keine Missverständnisse auftreten: Wir werden mit log.os unternehmerisch am Markt agieren und alles daran setzen, profitabel zu wirtschaften – schließlich soll sich die Plattform finanziell selbst tragen und auch unsere Gesellschafter möchten ihr Kapital sicherlich nicht in einer Non-Profit-Organisation à la Amazon anlegen (hier ist der deutsche Terminus »gemeinnützig« treffender als »non profit«).

    Gleichwohl sind wir davon überzeugt, dass unternehmerisches Handeln und gesellschaftlicher Nutzen nicht in Widerspruch zueinander stehen, sondern sich gegenseitig bedingen, insbesondere wenn man nachhaltig Werte schaffen will – wirtschaftlich ebenso wie kulturell und gesellschaftlich (Stichwort: Gemeinwohlökonomie).

    Und was schließlich die Frage anbelangt, die keiner gestellt hat: Wir werden auch in Zukunft tunlichst vermeiden, diese Frage zu stellen, da wir die Antwort »ein schnelleres Pferd« bereits kennen.

    Herzliche Grüße, auch von Herrn Schumpeter,
    Ihr

    Volker Oppmann

  2. Und wieder ein Projekt geboren aus dem typisch deutschen, tiefen Misstrauen gegenüber den freien Kräften des Marktes. So etwas kann sich wirklich nur ein Deutscher Kopf ausdenken. Das pöse Amazon soll und darf nicht darüber bestimmen, dass … ja, worüber eigentlich nicht? „Gemeinnützige digitale Bibliothek und fairer Marktplatz.“ Was ist fair? Was sich verkauft, oder was die Stiftung bestimmt? Was wird aufgenommen in den Katalog? Alles, oder was die Stiftung bestimmt? Wer kommt auf die Bestenliste? Wer am meisten verkauft oder wer am schönsten schreibt? Welche Hardware wird unterstützt? Kindle auch? Ich für meinen Teil misstraue vermeintlich klugen Leuten mit Medienpräsenz und erhobenen Zeigefingern mehr als Unternehmen, die Geld verdienen wollen. Vor Ersteren schützt mich der Wettbewerb und das Kartellamt, vor Letzterem leider niemand. Log.os ist die Antwort auf eine Frage, die keiner gestellt hat.

    • Was ist verkehrt daran, sich zu überlegen, wie man Ebooks und digitale Inhalte auf eine andere Art verkaufen kann als man es bislang tut? Oder sich zu fragen, wie man mit digitalen Inhalten des Lesers, seinen Kommentaren und persönlichen Daten umgehen und die individuelle digitale Bibliothek einrichten und (technisch) organisieren möchte? Was ist verkehrt daran, daraus ein Projekt zu machen, dass anders agieren möchte, als es der Markt zu tun pflegt? Was ist verkehrt daran, sich alternative und neue Wege zu überlegen, wie digitale Inhalte zwischen Autor und Leser vermittelt und von Autoren und Verlagen angeboten und verkauft werden, oder darüber nachzudenken, auf welchen Endgeräten und mit welcher Software Nutzer Inhalte lesen und verarbeiten wollen? Gar nichts! Und, vielleicht haben Sie es überlesen, Herr Schulze, Log.os möchte sogar Geld verdienen und soll ein ‚Wettbewerber‘ werden, vor dem Sie allerdings niemand schützen muss. Und die Fragen, die Log.os stellt, sind keineswegs – wie sie es, Herr Schulze, in ihrer nicht ganz überzeugenden Unkenntnis unterstellen – ungestellt oder typisch deutsch: Auch in den USA gibt es eine Reihe von Projekten, die Log.os konzeptionell sehr Nahe kommen, googlen Sie mal nach #altbookstore: http://www.publishersweekly.co

    • Die Unterstützung von Hardware ist natürlich so eine Sache, denn wie Herr Oppmann richtig bemerkt, hängt dies von der darauf laufenden Software ab. Im Gegensatz zu Herrn Oppmann muss meiner Meinung nach aber keineswegs die LOG.OS-Software auf dem Kindle laufen, sondern Amazon müsste Interoperabilität herstellen, was nicht beabsichtigt zu sein scheint. Amazon (wie auch manche andere Anbieter) ist ja kein neutraler Anbieter der Hardware, sondern auch des Contents, weshalb die Ausnutzung von künstlich hervorgerufenen Lock-in-Effekten ein lukratives, jedoch insgesamt gesehen schädliches Geschäftsmodell ist. Amazon kann über Nacht die Firmware in den Kindle-Geräten auf eine neue Formatversion abändern und die Konvertierbarkeit von und nach EPUB zerstören, wo sie unabhängig von Amazon bestanden hat, und die eingesperrten Lesermassen dazu missbrauchen, die Erfüllung beliebiger Bedingungen für den Zugang zum Publikum zu fordern. Ebenso könnte den Lesern der Zugang zur eigenen Kindle-Bibliothek verwehrt werden, wenn das Firmware-Update die E-Book-Bestände automatisch konvertiert und diese kein Backup lokal vorliegen haben, wobei weder das Backup noch ein daraus generiertes EPUB auf dem automatisch aktualisierten Gerät lesbar wäre. Ansonsten macht der proprietäre Charakter der Kindle-Formate, welcher sich nicht zuletzt in der Abwesenheit von Werkzeugen, APIs und der Unterstützung auf anderen Geräten als dem Kindle bemerkbar macht, selbige technisch ziemlich unattraktiv. Sie rufen in Ihrer Aufbereitungs-Software auch einfach den KindleGen auf, oder?

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