Blicke zurück aufs Schlachtfeld

Die Branche reagiert erleichtert auf das Ende des Streits um Ebook-Konditionen zwischen Hachette und Amazon. Kurz nach der Vollzugsmeldung der Verhandlungspartner scheint die entscheidende Frage: Wer geht als Sieger aus der öffentlich ausgetragenen Fehde hervor? Erste Antworten aus den USA:
  • Berater Mike Shatzkin geht davon aus, dass sich jetzt auch die anderen Verlage mit Amazon auf ähnliche Vertragsbedingungen einigen werden – mit Ausnahme von Penguin Random House. Denn: „Warum sollte die mächtigste Verlagsgruppe nicht versuchen, sich durch bessere Gewinnspannen oder aggressivere Rabatte von den anderen Verlagen abzugrenzen?“ Schließlich sei Random House 2010 der einzige Verlag gewesen, der das klassische Wholesale-Modell statt des Agency-Modells bevorzugt und durch die damit einhergehenden günstigeren Ebook-Preise seiner Titel zusätzliche Gewinne eingestrichen habe. Sein Fazit: Vor Amazon hätten die Verlage jetzt erst einmal Ruhe – doch der Umgang mit dem größten Wettbewerber Penguin Random House könnte auf ihrer Agenda ganz nach oben rücken.
  • Authors-Guild-Präsidentin Roxana Robinson gratuliert den Parteien für ihre Einigung. Es sei ermutigend gewesen, wie viele Autoren ihre Kollegen verteidigt hätten. Sie hoffe jetzt darauf, dass die Verlage mit Blick auf die Loyalität ihrer Autoren noch einmal ihre Ebook-Tantiemen von 25% überdenken.  
  • Mark Coker, Gründer der Selfpublishing-Plattform Smashwords, ist der Ansicht, dass weder Amazon noch Hachette als wirkliche Sieger aus dem Streit hervorgehen. Seiner Ansicht nach hat Hachette zumindest leicht die Nase vorn – muss allerdings jetzt auch damit rechnen, dass die Autoren höhere Tantienem von der Verlagsgruppe fordern werden (s. Statement der Authors Guild). Amazon dagegen stehe eher auf der Verliererseite, weil das Agency-Modell wieder durchgesetzt wurde und der Onliner die negative Presseberichterstattung deutlich zu spüren bekommen habe. Coker erwartet, dass sich Amazon jetzt passiv-aggressiv an den Verlagen rächen wird – durch eine schlechtere Vermarktung ihrer Titel im Online-Shop und eine Stärkung der Selfpublisher-Titel sowie der eigenen Verlagsmarken. Schließlich sehe der Onliner die Verlage als „fette Zwischenhändler“, deren Fett weggeschmolzen und an die Bäuche der Konsumenten überführt gehöre. 
  • Der Selfpublisher und bekennende Amazon-Befürworter Hugh Howey knöpft sich die Medien vor. Er hofft darauf, dass die Presse künftig fairer über Amazon berichtet – habe doch die einseitige Amazon-Schelte zu schweren Schäden und Falschmeldungen geführt und den Streit in die Länge gezogen. Seiner Meinung nach sollte sich die Berichterstattung künftig mehr auf die Leser und Autoren fokussieren – statt auf Zwischenhändler wie Amazon oder die Verlage, die für das Überleben von Literatur nicht entscheidend seien. 
  • Die „Huffington Postsieht Hachette als Sieger des Kampfes, könne doch die Verlagsgruppe jetzt die Preise wieder selbst kontrollieren. Der Ausgang des Streits habe gezeigt, dass Hachette durchaus noch über Verhandlungsmacht verfüge, wenngleich auch Hachette auf Amazon angewiesen sei. 
  • Laura Hazard Owen erklärt auf „GigaOm, warum die Verlage trotz der Untersuchungen des US-Justizministeriums weiterhin Agency-Verträge abschließen dürfen: Die Ermittlungen wurden wegen illegalen Absprachen zwischen den Verlagen, nicht wegen des Preismodells an sich angestoßen. Jetzt sei es an Hachette, mit Ebook-Preisen zu experimentieren und eigene Antworten auf die von Amazon in den Raum gestellte These zu finden, dass die Konsumenten weniger kaufen, wenn die Preise steigen. 

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