Im Steuer-Märchenland

Hunderte streng geheime Steuerdokumente aus Luxemburg belegen erstmals im Detail, wie einige der weltgrößten Unternehmen mithilfe des Großherzogtums Luxemburg Steuern in Milliardenhöhe umgehen. Ganz vorne mit dabei: Amazon und Apple.
Es ist schon gewaltig, was das Team aus 80 Journalisten aus 26 Ländern (in Deutschland: „Süddeutsche Zeitung“, WDR und NDR)  in sechs Monaten Recherchearbeit zusammengetragen hat: 28.000 Seiten geheimes Material belegen erstmals im Detail, mit welchen zum Teil „absurden Steuervermeidungskonstruktionen“ („Süddeutsche Zeitung“, 6.11.) bisweilen Steuersätze von weniger als einem Prozent erzielt wurden – ganz legal, obwohl Luxemburg eine Unternehmensbesteuerung von nominell 30% hat. 
Entwickelt hat die Steuermodelle laut „SZ“ die Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC). Das Modell: Luxemburger Niederlassungen wurden gegründet, die in anderen Ländern erzielten Gewinne nach Luxemburg verschoben, wo kaum Steuern auf sie erhoben wurden. Es seien Schwesterngesellschaften gegründet, Schuldscheine vorgeschoben und Dividenden in (steuerfreie) Zinsen verwandelt  worden. Wie das genau funktioniert, erklärt die „Süddeutsche Zeitung“ mithilfe von Grafiken, der NDR in einem Video zum Thema.
Durch diese Steueroasen stieg das kleine Luxemburg zu einer internationalen Finanzgroßmacht auf: Noch 1980 war der Finanzsektor kaum existent, heute ist Luxemburg nach den USA das weltweit größte Investment-Zentrum, berichtet die „SZ“. 
Das „Steuer-Märchenland“ lockte unzählige Konzerne nach Luxemburg: Investmentgesellschaften, Industriekonzerne, Pharmafirmen oder Handelsunternehmen, Branchengrenzen sind nicht erkennbar. Auch der Internetriese Amazon ist darunter: Den Recherchen zufolge hat der Konzern etwa im Jahr 2009 Lizenzgebühren von mehr als 519 Mrd Euro bezahlt. Diese Kosten machten die Gewinne zunichte, die der Konzern in Luxemburg hätte versteuern müssen, berichtet die „Süddeutsche“. Amazon bestreitet, in Luxemburg eine steuerliche Sonderregelung zu haben.
Die Enthüllungen fallen in eine Phase, in der Luxemburg zunehmend unter politischen Druck gerät. Vor kurzem kündigte die Europäische Wettbewerbskommission umfangreiche Ermittlungen gegen das Land an: Individuelle Steuerregelungen, so der Vorwurf, kämen einer verbotenen Beihilfe gleich. Ein Steuerschlupfloch hat die EU bereits geschlossen. Doch es bleiben noch zahlreiche weitere.
Mehr zum Thema auf sz.de/LuxLeaks, in der „Süddeutschen Zeitung“ (6.11.) sowie auf ndr.de.

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