Zu kopflastig

Nach dem Abbau von rund einem Drittel der Belegschaft in der Augsburger Zentrale und mehr als einem Viertel der Weltbildplus-Mitarbeiter hieß es bei Weltbild in den vergangenen Monaten wiederholt, dass keine weiteren Entlassungen geplant seien. Doch unmittelbar nach dem Antritt der neuen Geschäftsführung wird deutlich, dass die Versprechungen Makulatur sind: Zumindest auf Leitungsebene will das Führungstrio weitere Einsparungen vornehmen. 
In einer Pressemitteilung heißt es, angesichts des veränderten Kundenverhaltens und der Digitalisierung des Weltbild-Geschäfts sei eine „personelle Reduktion, auch zur Verschlankung der Führungsebene“ geplant. „Hintergrund der bevorstehenden Prozessoptimierung sei, dass dem Kostenbewusstsein der Kunden folgend, schlankere unternehmensinterne Abläufe sinnvoll seien, um konform mit den Anforderungen des Marktes aufgestellt zu sein.“ Der fürs Kaufmännische verantwortliche Geschäftsführer Patrick Hofmann meint, dieser Schritt werde „intern sicher nicht einfach“ sein, gehe „aber marktseitig in die richtige Richtung“.
Die Gewerkschaft Verdi übersetzt die „Prozessoptimierung“ dahingehend, dass die Weltbild-Chefs die Führungsstruktur als nicht mehr passend zur Firmengröße einschätzten. Der Führungsapparat sei überdimensioniert, die Gehälter passten nicht mehr zur Größe der geleiteten Abteilungen. Vor diesem Hintergrund wolle das Führungstrio das Konzept von Roland Berger, das Grundlage für die bisherigen Sanierungsschritte war, radikalisieren.
Auf die Nachfrage aus der Belegschaft, ob jetzt 250 Stellen zur Disposition stehen, wie vor Monaten, als der Fast-Investor Paragon weitere Einschnitte bei Weltbild plante, erklärt Verdi: „Ein Stellenabbau in dieser Größenordnung ist aus unserer Sicht weder sinnvoll noch gewünscht, geschweige denn verhandelbar.“ Verdi hatte sich im Sommer deutlich gegen einen weiteren Stellenabbau in Augsburg positioniert. Dieser würde die Funktionsfähigkeit des Unternehmens gefährden. 
Das Tagesgeschäft bei Weltbild wurde nach dem Antritt von Arndt Geiwitz als Insolvenzverwalter von einem fünfköpfigen Board koordiniert. Seit dem Antritt der drei neuen Geschäftsführer arbeitet das Quintett nach Angaben von Weltbild wieder in den alten Funktionen:
  • Gunther Gerlach, früherer Chef von buecher.de, Weltbild in Russland und Polen, steuert die kaufmännische Geschäftsführung bei Weltbildplus.
  • Stefan Ewald, früherer Verlagsleiter der Verlage Südwest, Bassermann und Irisiana und seit 2011 in der Geschäftsleitung von Weltbild, leitet die Sortimente.
  • Dominik Rapp ist verantwortlich für die Finanzen und das Controlling von Weltbild.
  • Claus Meyer, früherer CTO des Versenders Otto, ist Leiter der IT.
  • Angela Schünemann, seit 1987 bei Weltbild, ist Geschäftsführerin von Weltbild in Österreich.
Geiwitz hatte im Februar 2014 gemeinsam mit Beratern von Roland Berger und Arbeitnehmervertretern ein Sanierungsprogramm unter dem Titel „Weltbild 2.0“ entwickelt. Darin wird festgehalten, dass Weltbild an den drei Säulen Online, Katalog und stationäres Geschäft festhält, allerdings mit einer wesentlich schlankeren Kostenstruktur. Dass „Weltbild 2.0“ Früchte trägt, machte Geiwitz an den Zahlen fürs Geschäftsjahr 2013/14 fest. Der Umsatz habe mit 610 Mio Euro über den Planzielen (604 Mio Euro), das Geschäftsergebnis aber „plangemäß“ im Minus gelegen, allerdings sei seit April 2014 eine „nachhaltige Trendwende“ erkennbar gewesen.

Kommentare

1 Kommentar zu "Zu kopflastig"

  1. Weltbild sollte nicht nur weiterhin Entlassungen planen, sondern vielmehr auch nach außen sich mit dem Image von Weltbild auseinandersetzen.
    Vor allem müsste hier Weltbild nach au0en in einem besseren Outfit erscheinen. Zudem sollte sich der Verlag von solchen eigenen Produkten letztendlich trennen, die nur weiter belastend wirken.
    Weltbild hatte schon einen Namen, nur sollte man diesen auch in der Medienlandschaft halten können.
    Und daran muss das Management vom Weltbild Verlag noch arbeiten. Es genügt eben noch lange nicht, Mitarbeiter/innen zu entlassen und eventuell auch umzusetzen.
    Was bisher entscheidend bei Weltbild fehlt, ist eine Marktstrategie, die nach vorne zeigt.
    Auch Manager von Weltbild müssen zur Basis (das sind nun einmal die Mitarbeiter/innen) Kontakt haben und auch halten. Und nur so auf diesem Wege des Dialogs und eines guten Einsatzes von beiden Seiten, kann sich ein neues Profil bei Weltbild durchsetzen. Und daher ist es auch notwendig, dass der bisherige Bestellkatalog von Weltbild erhalten bleibt.
    Bewährte Dinge im Weltbild Verlag sollte man deshalb jetzt nicht so schnell über Bord werfen.
    Nur gemeinsam, also die Leitung und die Mitarbeiter/innen können in naher Zukunft das Gesamtbild, welches der Kunde/in von diesem Verlag hat, positiver beeinflussen.
    Nur sollte man dies auch zusammen wollen.
    Und dazu gehört eben Mut, Geduld, Vertrauen bei allen an Weltbild Beteiligten.
    Zu schnelle Beschlüsse können sich auch oftmals negativ auf ein Unternehmen auswirken und deshalb ist Mittun der Manager und der Beschäftigten im Weltbild Verlag sehr wichtig.
    Notwendige und Entscheidungen von Tragweite sollten daher zusammen angegangen werden.
    Niur dadurch und in Offenheit kann Weltbild sozusagen in einer umschriebenen Weise wieder mehr Boden unter den Füßen gewinnen.
    Deshalb sollte auch jetzt ein positiver Ruck durch dieses Unternehmen gehen.
    Wenn ein Management nur immer sich Entlassungen überlegt, so hat diese Führung des Verlages keine inhaltlich gute Ideen.
    Und darauf kommt es letztendlich ja an, dass Weltbild eben nicht wieder strauchelt, sondern mit gebündelten neuen Kräften in die Zukunft schaut.
    Und dazu braucht es gemeinsame Anstrengungen, um in diesem umkämpften Medienmarkt bestehen zu können.
    Und dieses Ziel sollte auch effektiv verfolgt werden.
    Man sollte auch jetzt im Vorfeld der Bemühungen um Weltbild nicht alles wieder zu schwarz machen wollen.
    Besonders viele negative Zeichen und Einflüsse haben Weltbild in der Vergangenheit und bis in die Gegenwart hinein, geschadet.
    Es hat überhaupt keinen Sinn, wenn die Medien nur ständig schlechte Bilder über Weltbild verbreiten.
    Auch hier wäre ein Umdenken in den Medien sehr zu begrüßen. Es geht auch nicht an, dass bestimmte Richtungen von Medien da fast nur negative Dinge über Firmen, Tendenzen und auch über Weltbild bereichten.
    Auch die Medien sollten sich ihrer Verantwortung einmal mehr bewusst werden.
    H. Kraft

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