Handel ist eher Bestellabwickler

Sönke Schulz und Sandra Latußeck sind Gründer und Geschäftsführer von Tredition.

Ist der Selfpublishing-Boom auch eine Chance für den stationären Buchhandel? Anders als Wettbewerber BoD und die Händler-Genossenschaft eBuch hegt Sönke Schulz, Geschäftsführer des Dienstleisters Tredition, da keine großen Erwartungen.

Wie wird sich der deutsche Selfpublishing-Markt entwickeln?
Der Boom wird weitergehen. Derzeit liegt der Anteil der Selfpublishing-Titel bei den Neuerscheinungen auf dem deutschsprachigen Buchmarkt bei ca. 25%. Wir gehen davon aus, dass dieser Anteil 2017 bereits bei 50% liegen wird. In den angelsächsischen Märkten ist das schon jetzt der Fall.
Finden Selfpublishing-Titel auch im stationären Buchhandel verstärkt statt? 
Nach unserer Beobachtung ist der klassische Buchhandel für Selfpublishing-Titel bisher lediglich Bestellabwickler. Ich vermute, dass Selbstverlegtes auch in naher Zukunft eher selten auf den Tischen in den Buchhandlungen zu finden sein werden. Die Einkaufsstrukturen des klassischen Buchhandels mit vollem Remissionsrecht, Rabatten bis zu 50% und langen Zahlungszielen sind mit den On-demand-Strukturen des Selfpublishing-Segments schwer zu vereinbaren. Da Selfpublisher und ihre Dienstleister keine Vertreter in den Buchhandel senden, müssen sich Buchhändler selbstständig über Novitäten aus diesem Segment informieren. Egal ob über Communitys, Social Media oder Literaturblogs, auf jeden Fall kostet es Zeit, die sie häufig nicht haben.
Selfpublishing-Titel sind im stationären Sortiment auch schwer verkäuflich, weil sie teurer sind als äußerlich vergleichbare Verlagsangebote. Sollten Selfpublishing-Dienstleister niedrigere Preise ermöglichen?
Weil gedruckte Selfpublishing-Ausgaben meist on demand distribuiert werden, sind sehr niedrige Preise schwer zu realisieren. Der Preis spielt aber auch eine untergeordnete Rolle. Er ist nach unserer Erfahrung für Leser kein wichtiges Kaufkriterium, solange er sich im normalen Bereich bewegt. 
Wie wichtig wäre für Selfpublishing-Autoren die Sichtbarkeit im Handel?
Die Leser treffen ihre Kaufentscheidung heute viel öfter als früher aufgrund von Empfehlungen aus anderen Kanälen, etwa von Freunden oder Literaturcommunitys. Das relativiert die Bedeutung des Handels.
Sie bekommen keinen Fuß in die Tür, aber können damit leben?
Ich sage dem Selfpublishing eine große Zukunft voraus. Welche Rolle der klassische Buchhandel dabei spielt, bleibt offen. Ich sehe beim Buchhandel das wachsende Problem, dass er von den Kunden eher als Bestellabwickler denn als empfehlender Fachhandel wahrgenommen wird. Erfreulich ist trotzdem, dass eine wachsende Zahl unabhängiger Buchhändler offener für das Thema wird. 
Sönke Schulz ist Geschäftsführer des Selfpublishing-Dienstleisters Tredition (Hamburg), der die über die Plattform veröffentlichten Titel parallel in den Ausgabeformaten Taschenbuch, Hardcover und E-Book anbietet.

Kommentare

1 Kommentar zu "Handel ist eher Bestellabwickler"

  1. Ich muss heute noch lachen, wenn ich mich daran erinnere, wie ein stationärer Buchladen in München bei mir mein Grimms-Märchen-E-Buch bestellen wollte. Per Fax! Dabei wusst ich gar nicht mehr, dass ich noch ein Fax-Gerät besitze.

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