Der alte Markt kollabiert

Amazons E-Book-Flatrate-Dienst „Kindle Unlimited“ kommt nach Deutschland, voraussichtlich zum Start der Frankfurter Buchmesse. Unter den Verlegern, die mitmachen, ist Dotbooks-Verlegerin Beate Kuckertz. Im Interview mit pubiz.de beschreibt die erfahrene Programm-Managerin ihre Motive und Risiken.

Amazon plant, sein E-Book-Abomodell „Kindle Unlimited“ zur Frankfurter Buchmesse 2014 in Deutschland zu starten. Warum machen Sie mit?

Dotbooks macht mit, weil ich Streaming-Modelle für äußerst zukunftsweisend halte. In der Musik- und Filmbranche hat sich diese Form schon lange durchgesetzt. E-Book-Leser werden sich zunehmend solchen Modellen zuwenden. Kindle Unlimited wird demnächst kommen. Aber so neu wie es jetzt immer dargestellt wird, ist diese Entwicklung ja gar nicht: Skoobe bietet bereits seit einiger Zeit ein Streaming-Modell für E-Books sehr erfolgreich an – darüber spricht aber merkwürdigerweise derzeit niemand.

Und was sagen Sie also zum E-Book-Streaming?

Streaming ist eine Chance für Verlage, Autoren und Inhalte, gesehen und gelesen zu werden. Dotbooks bietet seine Produkte ausschließlich im Internet an, anderswo kommen unsere Bücher nicht vor. Also gehört es zu den Aufgaben eines digitalen Verlages, eine hohe Sichtbarkeit für seine Bücher zu gewährleisten. Gute Platzierungen auf den Handelsplattformen und auch bei Streaming-Anbietern sind wichtige Chancen, Aufmerksamkeit auf das Dotbooks-Programm und seine Autoren zu ziehen – neben SEO, On- und Off-Page-Optimierung, Google AdWords und anderen digitalen Hilfsmitteln Auf diese Weise entstehen Rezensionen und Empfehlungen, die wiederum zu neuen Lesern und Käufern führen.

Wie funktioniert denn die Abrechnung bei solchen Abo-Modellen wie Kindle Unlimited?

Das ist sicher – wie jeder Rabatt in der Buchbranche –  immer eine individuelle Verhandlungssache. Ich habe mich informiert, mit Experten aus der Musikbranche beraten, und ich finde die Konditionen gut.

Das sind die Konditionen von heute. Was ist aber, wenn Amazon die Schrauben anzieht, sobald seine Marktmacht dazu ausreicht?

Einen Vertrag schließt man mit keinem Handelspartner auf Lebenszeit, sondern über einen Zeitraum, den beide Seiten akzeptieren und überschauen. Sobald die Konditionen unattraktiv werden, muss man den Vertrag ja nicht verlängern.

Eine vertragliche Bindung an einen Vertriebskanal aufzugeben, ist die eine Sache. Den entgangenen Umsatz zu kompensieren, eine andere. Haben Sie denn eine Exit-Strategie für diesen Fall?

Das ist eine seltsame Frage. Warum sollte ich mir Gedanken machen über den Exit aus einem Markt, der sich noch in den Kinderschuhen befindet und den weder die Befürworter noch die Gegner ausreichend kennen? Ich möchte mich diesem Markt nicht von vorherein verweigern, sondern ich möchte ihn kennenlernen. Und ich will verstehen, wie Leser und Käufer ticken. Skoobe zeigt, dass das E-Book-Streaming eine gewünschte und für uns und unsere Autoren gewinnbringende Praxis ist. Deshalb stellen wir dort das Dotbooks- Programm zur Verfügung. Der digitale Markt folgt anderen Regeln als der analoge Markt. Man muss experimentieren, um am Ende eine fakten- und datenorientierte Entscheidung treffen zu können.

Und was sind die Fakten?

Flatrate-Angebote sind in viele Bereiche unseres Lebens eingezogen. Denken Sie mal an Musik-Streaming-Dienste wie Napster oder Spotify und Video-on-demand-Angebote wie  NetflixWatchever und Amazon Instant Video

… dem früheren LoveFilm…

Jetzt sind sie offensichtlich beim Buch angekommen. 

Die technischen Entwicklungen im Hard- und Softwarebereich und die Wünsche der Verbraucher geben das Tempo vor, nicht die bisherigen Geschäftsmodelle der Verlage. Nur wer sich auf die Kundenwünsche auch unternehmerisch einstellt, wird auf Dauer erfolgreich sein. Wer sich dieser Entwicklung verweigert, muss sich nicht wundern, dass der „alte“ Markt um ihn herum langsam kollabiert.

Und Dotbooks verweigert sich nicht?

Ich verstehe es ganz klar als verlegerische Aufgabe, die Bücher der Dotbooks-Autoren einer größtmöglichen Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Da gilt es, wie anfangs gesagt, eine größtmögliche Sichtbarkeit herzustellen. Und wir wissen inzwischen: besonders im digitalen Geschäft folgt auf Aufmerksamkeit auch Umsatz.

Bild: Peter von Felbert

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