Wie de Gruyter Backlinks einkauft

Inhalte sind das Kapital eines Verlages. Entsprechend sind sie vor der unbefugten Verbreitung zu schützen und insbesondere möglichst nicht kostenlos abzugeben. Diesen Pfad der reinen Lehre verlässt der Berliner Walter de Gruyter Verlag. Er gewährt ab sofort den 1000 aktivsten Wikipedia-Autoren Zugriff auf 18,5 Mio digitale Dokumente aus 260 Jahren Verlagsgeschichte – und hat gute Gründe dafür.
 Natürlich hat auch der größte geisteswissenschaftliche Verlag in Deutschland nichts zu verschenken. Er lässt sich ein auf ein Tauschgeschäft. Es betrifft E-Books, Journals (also wissenschaftliche Zeitschriften) und Datenbank-Einträge. Im Gegenzug zum Zugriff auf die kompletten Inhalte von De Gruyter Online erhofft sich der Verlag, dass „die wissenschaftlichen Informationen in die Wikipedia-Artikel einfließen“. So heißt es in der offiziellen Pressemitteilung. Der Zugriff auf die Verlagsinhalte ist grundsätzlich zeitlich unbefristet und wird von Wikipedia-Betreiber Wikimedia Foundation gesteuert. 
„De Gruyter sucht beständig nach Wegen, um wissenschaftliche Information breiter und allgemeiner zugänglich zu machen, und wir sind davon überzeugt, dass eine Zusammenarbeit mit Wikipedia ein wichtiger Schritt dazu ist. Wir erwarten, dass Links aus Wikipedia auf die De Gruyter Inhalte führen und dadurch die Nutzung generell steigen wird,“, beschreibt Managing Director Sven Fund das Anliegen des Verlags.
Im Klartext: Es geht um Backlinks, Verweise aus den verschiedenen Internet-Domains der weltumspannenden Wikipedia auf De Gruyter und seine Inhalte. Suchanbieter wie Google bewerten laufend jede Domain hinsichtlich ihrer Bedeutung. Wikipedia hat weltweit den Rang 5. Ein Verweis auf eine andere Domain „vererbt“ den Bedeutungswert an die Zielseite weiter und wertet diese Zielseite auf. Die Folge: Sie klettert höher im Google-Ranking, wird damit öfter gefunden und besucht, die Transaktionswerte steigen.
Die Idee wird in Deutschland erstmals in einem Wissenschaftsverlag realisiert. Im internationalen Vergleich ist sie nicht neu: Die „Wikipedia Library“ für die Autoren weist etliche amerikanische und englische Quellen auf. Über seine konkreten Erwartungen gibt De Gruyter noch keine Zahlen bekannt.
Wikipedia und De Gruyter haben vereinbart, genau zu prüfen und zu definieren, welche Autoren Zugang erhalten, auch um die Copyrights einzuhalten. Eventuellen Sorgen der Rechte-Inhaber soll also Genüge getan werden, aber, so Fund: „Wissenschaftliches Publizieren diente schon immer dazu, Erkenntnisse zu teilen, um Mauern einzureißen.“

Erstveröffentlichung auf pubiz.de.

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