Platzhirsche in der Bredouille

Keine drei Wochen vor der Frankfurter Buchmesse steigt bei vielen Verlagen die Spannung: Wird Amazon hierzulande die eigene E-Book-Flatrate „Kindle Unlimited“ starten – obwohl der Katalog möglicherweise dünn ausfallen wird, weil einige große Verlage nicht mitmachen? Doch die Hoffnung von einigen Verlegern, dass sich Amazon auf dem Geschäftsfeld der Abomodelle gegen die Platzhirsche nicht durchsetzen kann, erfährt einen Dämpfer.

Im buchreport.webinar über Abomodelle für E-Books zeigte der US-Marktforscher Peter Hidick-Smith (Codex Group), dass Amazons Wettbewerber in den USA zwischen dem 4. Quartal 2013 und Frühjahr 2014 „dramatische“ Abonnenten-Verluste verzeichneten, darunter Oyster (–63%) und Scribd (–50%). Der Codex-Gründer führt dies u.a. darauf zurück, dass die Abodienste zum Jahresende 2013 viel Marketing betrieben und mediale Berichterstattung erfahren hätten, was anschließend abgeebbt sei. Amazon habe dagegen mit dem Vorläufermodell von „Unlimited“, der „Kindle Owners’ Lending Library“, 55% mehr Nutzer gewonnen.

Die Rückschlüsse auf die Perspektiven von Amazons neuem Flatrate-Modell sind einerseits nicht eindeutig: Die Nutzung der „Lending Library“ gehört zum Paket von „Amazon Prime“ (Programm für Vielbesteller), „Unlimited“ ist separat und extra kostenpflichtig. Andererseits bleibt der Eindruck, dass der Katalog nicht alles entscheidend für den Erfolg ist. Während das Portfolio der Amazon-Rivalen Scribd und Oyster aus rund 50% Titeln von Verlagen (darunter HarperCollins und Simon & Schuster) besteht, bietet Amazon primär Bücher der hauseigenen Verlage sowie Selfpublisher an.

Abo-Webinar als Video

Über 60 Teilnehmer – aus Verlagen, Buchhandlungen, Dienstleistungsunternehmen – haben sich in der vergangenen Woche zum buchreport.webinar über Abomodelle angemeldet. Wer das Webinar verpasst hat, kann das Video beziehen (hier). Das Programm:

Mark Coker, Gründer des E-Book-Portals und Vertriebsdienstleisters Smashwords, berichtete von seinen Erfahrungen mit Scribd und Oyster in den USA und zeigte im Detail, wie die Vergütung der Verlage/Autoren aussieht.

Peter Hildick-Smith, Gründer des US-Marktforschers Codex Group, legte Zahlen vor, wie intensiv die Abodienste in den USA genutzt werden.

Constance Landsberg, CEO bei Skoobe, und Frank Großklaus, Mitgründer von Readfy, zogen jeweils eine Bilanz ihrer Abo-unternehmungen. Auffällig ist, wie weitläufig der gesamte Katalog von den Nutzern durchforstet wird; bei Skoobe werden monatlich mehr als 50% aller Titel (über 60?000 Bücher) gelesen.

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