Deutlich zu wenig qualitativ gute Bücher

Wenn ein langjähriger Verleger erklärt, dass es trotz der globalisierten Buchwelt zu wenig Qualität auf dem deutschen Markt gibt, ist dies bemerkenswert. Besonders, wenn dieser bis vor kurzem sage und schreibe 45 Verlage und Imprints steuerte. So geschehen im Interview von Klaus Eck (Foto: Christine Strub) mit der „FAZ“.

Der langjährige verlegerische Geschäftsführer der Verlagsgruppe Random House ist, wie berichtet, seit 30. Juni 2014 als President Content and Publishing Innovation für die Neuerungen im Konzern zuständig. Und befreit vom Tagesgeschäft zu Panorama-Einschätzungen bereit. Von überaus eitlen Verlegern, die deutlich überzahlte Manuskripte erworben hätten, um den deutschen Markt zu beeindrucken, sei extrem viel Geld verbrannt worden, auch auf der eigenen Seite. „Die Schizophrenie ist ja, dass wir uns in einem riesigen internationalen Markt bewegen und trotzdem immer wieder feststellen: Es gibt deutlich zu wenig qualitativ gute Bücher.“
Im Interview rekapituliert Eck außerdem, dass es Random House gelungen sei, die Vorurteile eines „aggressiv-imperialistisches Unternehmens“ (Wolfgang Balk einst über die Bertelsmann-Verlage) abzustreifen und „mit der Qualität von Einzelverlagen ein größeres Ganzes zu gewinnen. Ohne auf schiere Macht oder einen Verdrängungswettbewerb zu setzen.“
Weitere Kernaussagen Ecks:
  • Globalisierung: Eck kritisiert „abgehobene finanzielle Vorstellungen“ von Agenten, die verhinderten, dass Verlage über die Grenzen hinweg Rechte erwerben könnten. 
  • E-Book: Den Marktanteil taxiert Eck perspektivisch bei „bis zu fünfundzwanzig Prozent“.
  • Amazons Macht: Die entscheidende Frage sei, wie weit Amazon mit den eigenen Verlagen gehen werde. „Nach den Verlagen geraten dann die Autoren in eine Erpressungssituation. Deswegen ist der Schulterschluss zwischen Autor, Agent und Verlag entscheidend. Nur in dieser Dreieinigkeit erreichen wir etwas.“
  • Selfpublishing: Werde man genau beobachten. Heute seien Autoren tatsächlich über Youtube oder auf Whatsapp zu finden. Man werde künftig einen „Kampf um den Autor“ führen. „Jeder, der heute Selfpublisher ist, wurde von einem Verlag abgewiesen.“ Geld und Liebe, das sei es, was Autoren wollten – bei einer großen Verlagsgruppe liege der Fokus zunächst dem Geld, doch die Wertschätzung dürfe nicht zu kurz kommen.

Kommentare

2 Kommentare zu "Deutlich zu wenig qualitativ gute Bücher"

  1. Was den Mangel an qualitativ hochwertigen Büchern angeht, so möchte ich Klaus Eck Recht geben. Die Verlage sind nicht ganz unschuldig daran: Sie springen immer erst dann auf einen Themenzug auf, wenn die Konkurrenz schon erfolgreich damit ist. Dann aber versucht man, auf Gedeih und Verderb Autoren für das Thema zu akquirieren. 2 Jahre und 95 Titel später ist der Markt gesättigt – darunter dann viele Me-too-Titel, die nur ein schlechter Aufguss der besseren Werke zum gleichen Thema sind.
    Ein weiterer Punkt: Verlage vernetzen sich zu wenig mit Dienstleistern, die „Schreibhilfen“ für Autoren anbieten: Ghostwriter, Lektoren usw. Leider schränken sie auf der anderen Seite dann auch noch mehr und mehr ihre eigenen Lektorate ein, so dass die früher übliche Qualitätsmaßnahme „Lektorat“ verlagsseitig mehr und mehr vernachlässigt wird. So kann das nichts werden!
    Entweder sind die Verlage konsequenter darin, nur qualititativ hochwertige Manuskripte zu verlegen – Motto: weniger Titel pro Halbjahr, dafür aber höhere Qualität der Einzeltitel – oder sie kündigen Autoren auch mal den Vertrag, sofern sie grottenschlechte Schreibe abliefern und nicht selbst bereit sind, in „Schreibhilfen“ zu investieren.
    Dritter Punkt: Außerdem fehlt oft der Mut, mal in unkonventionelle neue Autoren und deren Erstlingswerke zu investieren. Immer wollen die Verlage nur den Erfolg (aus den USA) fertig einkaufen, anstatt sich selbst mal für den Erfolg zu engagieren und deutsche Autoren zu promoten. Ausnahme sind hier nur die wenigen inhabergeführten Verlage – die Konzernverlage sind „stromlinienförmig“ auf Kosteneinsparungen getrimmt, der einzelne Autor und die Qualität gehen unter. (Sage ich als Literaturagentin)
    Qualitativ schlechte Titel drücken die Margen. Denn schlechte Bücher kriegen keine Mundpropaganda und verkaufen sich auch schlechter, selbst wenn das Marketing gut ist. Es macht keinen Sinn, schlecht geschriebene Bücher mit gutem und teurem Marketing zu promoten
    Alles in allem: ein „hausgemachtes“ Problem der Verlage, das sich lösen ließe, wenn man mal die üblichen eingefahrenen Verlegerpfade verlassen und nicht immer den Amis für irgendwelche Schrott-Titel viel zu viel Geld hinterherwerfen würde, bloß weil die angeblich höhere Verkaufszahlen erzielen.

    • Dem stimme ich zu. Und: Nicht jedes in den USA erfolgreiche Thema ist auch für uns Europäer wirklich lesbar. Ich kann und will sie nicht mehr lesen, diese ständigen Erfolgsratgeber nach dem Motto: Du kannst alles. Und alles easy-peasy, wenn du nur richtig organisierst (das Abnehmen, das Karrieremachen, das Organisieren einer Familie o.Ä).
      Und richtig erschreckt hat mich das Lektorat in einem wirklich anerkannten deutschen Fach- und Sachbuchverlag, der seine Bücher ziemlich teuer verkauft: Der verlangt das Lektorieren inzwischen von den Autoren selbst (wie soll das gehen?) und lässt die Schlusskorrektur in Indien fertigen. Das Ergebnis: Ein wirklich gutes Thema, durchaus lebendig und lesbar geschrieben – aber an vielen Stellen hätte eine Kürzung oder auch ein Umbau der Argumentation dem Text und seiner Lesbarkeit sehr gut getan, und Kommata an der richtigen Stelle helfen beim Verständnis ebenfalls weiter.

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